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Es schrieb bisher ein Minus – doch Stadt Wolfsberg hält an ihrem Ferienhaus am Klopeiner See fest Ausgabe 4 | Mittwoch, 21. Januar 2026

Die Stadt besitzt ein Haus mit drei Wohnungen samt Badewiese am Klopeiner See. Buchen können es Mitarbeiter der Gemeinde, der Stadtwerke – und Mandatare. Bis 2024 schrieb es Verluste, nun werden die Preise erhöht. Bürgermeister verteidigt das Haus am See.

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Wolfsberg, St. Kanzian. Die Bezirkshauptstadt kämpft mit einem gewaltigen Finanzloch: Minus 7,4 Millionen Euro sieht der Ergebnishaushalt im Voranschlag für das laufende Jahr vor, im Finanzierungshaushalt wird mit einem Abgang von 4,27 Millionen Euro gerechnet. Das wurde in der Wolfsberger Gemeinderatssitzung im vergangenen Dezember bekanntgegeben (wir berichteten).

Umso größer war das Erstaunen, als in der Sitzung auch über das stadteigene Ferienhaus am Klopeiner See berichtet wurde: Nicht allein, dass nur »Eingeweihte« von seiner Existenz wissen. Laut einem Prüfbericht des Wolfsberger Kontrollausschusses hat es von 2022 bis 2024 auch einen Fehlbetrag von rund 6.000 Euro pro Jahr erwirtschaftet. 

Soll sich Wolfsberg in Zeiten, in denen die Stadt über keinerlei frei verfügbare Finanzmittel verfügt, ein Domizil an einem See gönnen, das obendrein statt Gewinn einzubringen noch Verluste schreibt? Die Unterkärntner Nachrichten fragten bei der Stadt nach. 

»Ein Verkauf kommt nicht in Frage, da der Nutzen für die Belegschaft enorm ist«
Alexander Radl, Bürgermeister

Dort hieß es: »Das Ferienhaus befindet sich in St. Kanzian am Klopeiner See an der Südpromenade. Es ist in der ›zweiten Reihe‹ (Anm.: also nicht direkt am Seeufer) etwas oberhalb im Waldstück situiert.« Allerdings gehört zum Ferienhaus auch ein »Badehaus« der Stadt an der Südpromenade, das über eine Badewiese mit Seezugang und einen Steg verfügt. Im Haus sind drei Wohnungen mit Größen von 42, 44 und 67 Quadratmetern untergebracht. Sie bieten Platz für maximal vier, sechs oder sieben Personen. 

Die Frage, wer dort Urlaub machen darf, beantwortete die Stadt so: »Aktuelle und pensionierte Mitarbeiter der Stadtgemeinde und Stadtwerke Wolfsberg sowie deren Familien, wobei während der Sommerferien auf Familien mit schulpflichtigen Kindern besonders Rücksicht genommen wird. Nach dem jeweiligen Anmeldeschluss kann auch an Mandatare der Stadtgemeinde Wolfsberg und Gewerkschaftsmitglieder anderer Gemeinden vermietet werden.« 

Verlangt wird zwischen 145 und 215 Euro pro Woche und Wohnung, je nachdem, welche der drei Wohnungen gebucht wird und ob sie in der Vor-, Nach- oder Hauptsaison benutzt wird. Wer in keiner Verbindung zur Stadt steht, kann dort auch nicht urlauben, »denn das Haus ist üblicherweise voll ausgebucht«, so die Stadt.

Wie kann es dann sein, dass der Steuerzahler dazu zahlen muss? Die Antwort: »Dieser Abgang ergibt sich größtenteils aus den Kosten für die Beheizung des Ferienhauses während der Wintermonate. Diese Maßnahme ist notwendig, um Schimmelbildung und Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden und die Bausubstanz zu erhalten.« Zusätzlich übernahm die Stadtgemeinde bis zum Jahr 2024 auch die Kosten der Orts- und Nächtigungstaxe, »die aber mittlerweile an die Mieter weiterverrechnet wird. Ohne diese zusätzlichen Kosten wäre das Objekt allein durch die Einnahmen aus der Vermietung kostendeckend.«

Braucht man das?

Frage der Unterkärntner Nachrichten: Ist es angesichts des hohen Abgangs angebracht, ein Ferienhaus zu besitzen, das noch dazu einen Abgang produziert? Die Stadt: »Um den jährlichen Abgang auszugleichen, werden die Mietpreise künftig angehoben.«

Gut, aber wo liegt im Ferienhaus der Nutzen für die Stadt? Warum verkauft man es nicht, immerhin ist laut den Zahlen der Stadt das Waldgrundstück mit dem Ferienhaus geschätzte 350.000 Euro wert, dazu kämen rund 120.000 Euro für den Badesteg samt Umkleidegebäude?

Darauf antwortete Bürgermeister Alexander Radl (SPÖ), der seit Ende September 2025 für das Haus zuständige Referent: »Es ist ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern, die teilweise jahrzehntelang für das Gemeinwohl tätig waren bzw. noch immer sind, dass wir ihnen die Möglichkeit eines relativ kostengünstigen Urlaubs am Klopeiner See anbieten können – noch dazu, wenn es für die Stadtgemeinde mit verhältnismäßig geringen bzw. nach der oben angekündigten Mieterhöhung mit keinerlei Kosten verbunden ist.« 

Laut  Radl ist es in großen Unternehmen durchaus üblich, dass den Mitarbeitern »im Sinne der betrieblichen Gesundheitsvorsorge entsprechende Möglichkeiten zur geistigen und körperlichen Erholung geboten werden. Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, dass enorm viel Eigenleistung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Erhalt dieses Ferienhauses fließt.« 

Ein Verkauf kommt für den Bürgermeister nicht in Frage, »da der Nutzen für die Belegschaft und die Mitarbeiterbindung enorm ist«.

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