Fleischerei Kriegl schließt seine Pforten – jetzt kümmert sich der Bürgermeister um NachfolgerAusgabe 34 | Mittwoch, 25. August 2021

Via Brief teilte der Traditionsbetrieb mit, dass man Ende August schließen werde. Bürokratisierung, der Trend zu Discountern und der finanzielle Aspekt haben Daniel Kriegl dazu bewogen. Nun macht sich Bürgermeister Dohr auf die Suche nach einem Nachfolger.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Die Filiale am Bad St. Leonharder Hauptplatz hat, genauso wie die Filiale in St. Andrä, noch bis Ende August geöffnet. 80.000 bis 100.000 Euro hätte der Familienbetrieb kurzfristig nur in die Geschäfte investieren müssen. Foto: Tripolt

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Bad St. Leonhard. Die Fleischerei Kriegl in Bad St. Leonhard gab kürzlich die Schließung des Betriebs bekannt. In einem offenen Brief wendete sich der Familienbetrieb an seine Kunden. Darin teilte man mit, dass man den Geschäftsbetrieb Ende August einstellen wird. »Die zunehmende Bürokratisierung, die kleinere Unternehmen ungleich schwerer trifft als gr0ße, anhaltender Facharbeitermangel, der weiterhin starke Trend zu Discountern und die sehr unsichere Zukunft haben uns zu diesem Schritt bewogen«, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

»Wir hatten die Befürchtung, dass es sich zu einer Never Ending Story entwickelt«
Daniel Kriegl, Geschäftsführer

finanzielle Aspekt spielte bei der Entscheidung eine wichtige Rolle, wie Geschäftsführer Daniel Kriegl (36), der den Betrieb vor zwei Jahren übernommen hat, verrät: »Der Betrieb und das Geschäft sind knapp 20 Jahre alt. Wir hätten kurzfristig mindestens 200.000 Euro, langfristig rund 400.000 Euro investieren müssen. Knappe 80.000 bis 100.000 Euro hätten wir alleine für das Geschäft und Maschinen benötigt. Im Moment wäre die Fortführung des Betriebs noch möglich gewesen, aber wir hatten die Befürchtung, dass sich die Geschichte zu einer Never Ending Story entwickelt und die Kosten immer weiter steigen würden.«

Bis zuletzt zählte der Traditionsbetrieb zwölf Mitarbeiter. »Wir hatten die Hoffnung, dass die Margen besser werden, aber es sieht für die Zukunft eher noch schlechter aus. Deshalb haben wir uns entschlossen, den Betrieb nicht mehr fortzuführen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür«, informiert Daniel Kriegl, der nicht nur seinem Vater, der seinen Beruf seit mittlerweile 52 Jahren ausübt, dankt, sondern auch den Kunden: »Sie haben uns seit vielen Jahren die Treue gehalten. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.«

Bis Monatsende läuft aufgrund der Geschäftsschließung ein Abverkauf. Statt den bisherigen Öffnungszeiten haben die Geschäfte in Bad St. Leonhard und in St. Andrä nur noch montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Bleibt die Frage, was mit den leerstehenden Gebäuden in Bad St. Leonhard passieren soll. »Es ist sehr schade, dass so ein Traditionsbetrieb schließt«, so Bürgermeister und Gewerbereferent Dieter Dohr (Liste Dohr).

»Es ist sehr schade, dass so ein Traditionsbetrieb schließt«
Dieter Dohr, Bürgermeister

»Adolf und seine Frau haben in den über 30 Jahren Betriebsgeschichte sehr viel geleistet, haben die Regionalität gelebt«, so Dohr weiter, der sich nun persönlich um einen Nachfolgebetrieb kümmern möchte. »Ich werde versuchen mein Netzwerk auszunutzen und verschiedene Fleischereibetriebe kontaktieren, damit die Geschäftsfläche nicht lange leer stehen muss«, verrät der Bürgermeister. Für die Gemeinde ist die Schließung ein schwerer Schlag, war der Fleischereibetrieb der Familie Kriegl doch der einzige im Gemeindegebiet.

Über die Fleischerei
Seniorchef Adolf Kriegl (68) stammt, wie seine Gattin Monika (58), aus Preitenegg. 1989 machte sich Adolf Kriegl nach seiner Ausbildung zum Fleischer bei der Fleischerei Kainz in St. Gertraud selbstständig und pachtete die ehemalige Fleischerei Faist in Bad St. Leonhard. 1996 wurde das Geschäft am heutigen Standort, am Bad St. Leonharder Hauptplatz eröffnet. Im selben Jahr wurde der Fleischveredelungsbetrieb im Süden von Bad St. Leonhard errichtet. Von der Schließung ebenfalls betroffen ist die Filiale in Blaiken bei St. Andrä, die von der Familie 2006 eröffnet wurde. Im Jahr 2012 entschloss man sich die Filiale in der Wolfsberger St. Michaeler Straße, nach zehnjähriger Geschichte, aufzulösen. Die Schließung der Filialen in St. Andrä und Bad St. Leonhard sowie der Fleischveredelung ist nun das Ende des Betriebs.

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