»Schräger Vogel« Johannes Habich: »Welcher ›Antimensch‹ hat die Vergnügungssteuer erfunden?« Ausgabe 25 | Mittwoch, 23. Juni 2021

Comedian, Marketing-Profi und Event-Veranstalter Johannes Habich (61 ) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die Veranstaltungsbranche in der Krise, warum die Vergnügungssteuer dumm ist und was es mit seinem VW »Dr. Bullianzki« auf sich hat.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Johannes Habich mit »Dr. Bullianzki« am Fuße der Koschuta in Zellpfarre. In elf Jahren ist er mit dem Gefährt in den Sommermonaten rund 189.000 Kilometer durch Europa gereist. Bild rechts: »Die schrägen Vögel« – Johannes Habich und sein Kompagnon Helmut »Luigi« Unterluggauer. Fotos: Habich Enterainment, KK

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Sie waren ursprünglich im Marketingbereich für mehrere international renommierte Unternehmen tätig. Was haben Sie für diese gemacht?
Nun, ich hatte einige Stationen, aber die liebsten zwei waren für mich, beim Start zum Aufbau der Uhrenmarke Jacques Lemans mit dabei gewesen zu sein. Gerne erinnere ich dabei an die Weltmeister-Uhr für den Andi Goldberger 1996 und die unzähligen Veranstaltungen und TV-Aktivitäten, die wir damals begleitet haben. Ebenso interessant und herausfordernd war dann der weitere Ausbau der Uhrenmarke Festina. Da war ich in Österreich federführend tätig, in Deutschland war ich für den Bereich außerordentliche Werbeformen zuständig.

»Schwere Zeiten musste ich immer wieder erleben, damit kann ich umgehen«
Johannes Habich, Unternehmer

Was sind außerordentlichen Werbeformen?
Dazu gehören z. B. Sponsoring, Product-Placement im Film, Gewinnspiele und ähnliches. Dazu habe ich eine besondere Lavanttal-Erinnerung: Wir waren damals gerade Sponsor von 1860 München, darum hatte ich anlässlich der Fußball WM 2006 auch sieben Logenplätze in der 1860er-Vorstands-Loge zur Verfügung. Dabei gab es auch zwei Stück VIP-Logen-Tickets für Österreich, die ich über eine Tageszeitung in Form eines Gewinnspiels verloste. Und wer hat gewonnen? Der Martin Haider aus Wolfsberg (Anm.: jetzt Stadionsprecher des RZ Pellets WAC). Da musste ich wirklich schmunzeln und habe mich riesig für ihn gefreut.

Wie wurde aus dem Marketingmanager Johannes Habich ein schräger Vogel?
Das begann ja schon im vergangenen Jahrtausend: Theater bei »Kultur Aktiv« mit dem unvergesslichen Niko Schwab und dann weiter zum Fasching in St. Andrä. Dann habe ich das »Tal der unbegrenzten Möglichkeiten« verlassen, landete in Villach mit einer »Schwarzenegger Parodie«, die ganz gut gepasst hat, danach lernte ich am »Seitenurinal« des Fitnesscenters California meinen Kabarett-Partner »Luigi« Unterluggauer kennen. Da fing ich an zu fliegen und wurde somit einer der zwei »schrägen Vögel«.

Sind Sie auch privat ein lustiger und witziger Mensch?
Sehr oft lustig, unsere Familie begleitet das Lachen, manchmal bin ich aber auch nachdenklich, vor allem, was die »Verhaltensstörung« der gesamten Welt anlangt. Das »Miteinander« wird gern ausgesprochen, aber keineswegs so gelebt.

»Mit 23 Jahren habe ich das ›Tal der unbegrenzten Möglichkeiten‹ verlassen«
Johannes Habich, »Schräger Vogel«

2020 feierten die »Die schrägen Vögel«  ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. Wann wird man Sie und Ihren Partner Helmut »Luigi« Unterluggauer wieder auf der Bühne sehen? Wird das Bühnenjubiläum nachgeholt?
Definitiv noch in diesem Jahrhundert. Angepeilt ist der 2. 2. 2022 – für 22 Jahre »Die schrägen Vögel«. Im schlechtesten Fall irgendwann im Jahr 2022, aber das muss sein. 

Sie stehen aber nicht nur auf der Bühne, sondern sind auch Veranstalter von Konzerten, Kabarett Auftritten, Vortragsreihen uvm. Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Branche ausgewirkt?
Konkret haben wir letztendlich von Mitte 2019, bezogen auf die fixierten Aktivitäten 2020, vollkommen umsonst gearbeitet. Als Veranstalter hast du ja viele Partner, die den Weg mit dir gehen und durch dich verdienen. Du benötigst z. B. Bühne, Licht, Ton, Catering, Transporte, Absperrungen, Sicherheit, Medien, Hotels, Grafiker, Druckereien, um nur einige aufzuzählen. Auch 2021 stand bis dato alles still, wir haben ja lange Planungsphasen und hohe Vorlaufkosten, das ist hart.

Wie ist es Ihnen persönlich in dieser schweren Zeit ergangen?
Sehr gut, ich habe mich ums Leben gekümmert. Schwere Zeiten musste ich immer wieder erleben, damit kann ich umgehen. Das Jahr 2020 wäre für uns finanziell ein sehr erfolgreiches geworden. Das nicht umsetzen zu können, hat irgendwie geschmerzt. Das Lächeln der Enkelkinder hat aber alles kompensiert.

Wie könnte man der schwer gebeutelten Veranstalterbranche helfen?
Durch diese unerwartete Krise hat sich einmal gezeigt, welchen Stellenwert unsere Branche tatsächlich hat. Wir sind gemeinsam in Milliardenhöhe aktiv. Man sollte endlich anerkennen, was hier bewegt wird und die Bürokratie in Hilfe umwandeln.

Wäre die Abschaffung der Vergnügungssteuer eine Hilfe?
Die Vergnügungssteuer ist eine Beleidigung meiner bescheidenen Intelligenz. Wir bringen das Vergnügen und müssen dafür Steuern bezahlen? Verzeihen Sie mir die Ausdrucksweise: Aber welcher »Antimensch« hat das erfunden? Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Restaurant, genießen das Essen – und anschließend zahlt der Wirt ihres Vertrauens eine »Genusssteuer« an die Gemeinde. 

Was hätte die Bundesregierung in der Corona Zeit besser machen können?
Keine Regierung der Welt hätte irgendetwas besser machen können. Es gibt weder in Österreich, noch in den anderen Staaten und schon gar nicht in der EU ein Miteinander. Das Virus, wo immer es herkommt, hat uns gezeigt, wo die heimische, aber auch internationale Politik steht. In einer Zeit, in der Unternehmen und damit Familien teilweise nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll, senden »Hochkaräter« der klassischen und politischen Gesellschaft »Penisbilder« durch die Gegend. So agieren »besondere« Menschen der Jetztzeit. Aber ich denke, wir steuern auf etwas Neues zu, mal sehen, wo das hinführt.

Jetzt gibt es Lockerungen und weitere Erleichterungen werden angekündigt. Gibt es schon konkrete Pläne für Veranstaltungen, die Sie durchführen möchten?
Wir haben unsere großen Projekte bis Herbst 2021 abgesagt, es war unmöglich, Planungssicherheit zu erhalten. Sollten sich ab 1. Juli 2021 die Auflagen etwas entschärfen, würden wir vielleicht kurzfristig noch eine Konzertidee umsetzen wollen. Die Menschen fragen förmlich danach. Also, wenn es passt, werden wir uns sehr bemühen.

Sie sind auch ein Auto-Freak. Wie sind Sie zu Ihrem »Dr. Bullianzki«, einem VW Bulli T1 Dormobil mit dem Baujahr 1964, gekommen und was hat es mit ihm auf sich?
Tja, der »Doktor« ist ein seltenes Exemplar. Er war eigentlich als Testwagen in den Vereinigten Staaten unterwegs und wurde damals am Markt nicht angenommen. Es war mein konkretes Ziel, so einen zu finden. Durch viel Glück habe ich den »Doktor« in Nordkalifornien ergattert, und wir haben uns vom Fleck weg ineinander »verliebt«. Für mich ist der Bulli T1 das einzige Auto der Welt, das lächelt. So vielen Menschen bereitet er Freude, vor allem den Kindern, daran kann ich mich erfreuen.

Wie viele Oldtimer haben Sie sonst noch?
Aktuell nur den »Dr. Bullianzki«, aber ich berate Interessenten beim Ankauf von klassischen Automobilen und checke bei Bedarf auch den Ankauf, die Überstellung usw.  des jeweiligen Fahrzeugs.

Was ist Ihr Wunschtraum-Auto?
Ferrari F40, kaum zu bändigen, vor dem hat sich sogar Niki Lauda gefürchtet. Tatsächlich auf der Liste steht der Jaguar E-Type, Serie 1.

// Zur Person

Johannes Habich wurde 1960  mit einer Größe von 59 Zentimetern und einem Gewicht von 5,1 Kilo in Wolfsberg geboren. Er absolvierte die Pflichtschule in St. Andrä und danach eine Drogisten-Lehre. Mit 24 Jahren machte er sich im Marketing-und Vertriebsbereich selbstständig. Seine Premiere auf der Bühne feierte er 1978. Der Durchbruch kam 1998 mit der Parodie auf Arnold Schwarzenegger beim Villacher Fasching (2,13 Millionen TV-Zuseher). 2000 gab es den Jungfernflug von »Die schrägen Vögel«, 2018 gründete er die »Habich Entertainment und Marketing GmbH«. Als Einzelunternehmer berät er Interessenten beim Ankauf von klassischen Automobilen als Wertanlage.

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