Dietmar Riegler: »In den kommenden Jahren wird ein neues Stadion für den WAC gebaut« Ausgabe 22 | Mittwoch, 2. Juni 2021

WAC-Präsident Dietmar Riegler (55) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die abgelaufene Fußballsaison, die Pläne für ein neues Stadion in Wolfsberg, ob er sich auf die Derbys mit Austria Klagenfurt freut und sein Tipp für die kommende Fußball-EM.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Artikel

Am Wochenende konnte der WAC die letzte Chance auf die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb gegen Austria Wien nicht nutzen. Wie enttäuscht sind Sie?
Im ersten Moment war natürlich die Enttäuschung da, dass wir erstmals seit längerer Zeit nicht international vertreten sind. Aber  man muss sagen, dass eine ganz interessante Saison zu Ende gegangen ist.

Wie sieht Ihr Resümee der Saison aus?
Es war eine sehr intensive Saison mit fast 50 Pflichtspielen, die absolviert werden mussten. Da waren auch einige wirklich hochklassige Partien dabei. Wenn man zurückblickt und sieht, was wir in dieser Saison erreicht haben, ist das natürlich für einen Verein wie den WAC sensationell. Wenn man bedenkt, dass der kleine Ort Wolfsberg in der Gruppenphase der Europa League stand und wir dann noch weitergekommen sind und nach Tottenham reisen durften, zu einem internationalen Topklub. Dass wir dabei sein durften und auch sportlich eine gute Leistung gebracht haben, dazu kann man dem Team nur gratulieren. 

Und das Resümee auf nationaler Ebene?
Der WAC ist eine fixe Größe im österreichischen Fußball geworden und aus der Bundesliga nicht mehr wegzudenken. Das macht uns schon sehr stolz. Man darf trotz der internationalen Erfolge nicht vergessen, dass wir im ÖFB-Cup ins Halbfinale gekommen sind und dort (Anm.: gegen den LASK) erst in der Verlängerung ausgeschieden sind.

Und wir haben auch unser großes Ziel, wieder in die Meisterrunde zu kommen, erreicht. Das einzige, was uns abgeht, ist der internationale Startplatz.

Was bedeutet es aus finanzieller Sicht, heuer bei keinem internationalen Bewerb dabei zu sein?
Finanziell interessant wird es ohnehin erst in der Gruppenphase. Wenn wir uns jetzt gegen die Austria durchgesetzt hätten, wären wir in der zweiten Qualifikation eingestiegen. Dass heißt, wir hätten drei Gegner überwinden müssen, um in die Gruppenphase zu kommen. Das wäre eine Herkulesaufgabe gewesen. Und so etwas geht natürlich voll an die Substanz. Das ersparen wir uns heuer einmal. So können wir das Ganze ruhiger und entspannter angehen, natürlich voll fokussiert auf die Meisterschaft.

Haben Sie schon neue Spieler für die kommende Saison im Kopf?
Wir sind intensiv am Arbeiten. Im Großen und Ganzen steht das Grundgerüst. Natürlich braucht man immer Auffrischungen und Änderungen. Wir werden drei oder vier Spieler holen. Dass die Qualität da ist, haben wir bewiesen. Mit dem neuen Trainer und einem neuen System erwarte ich mir schon einiges und bin davon überzeugt, dass wir eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen werden. 

Für die kommende Saison gibt es mit Robin Dutt einen neuen Trainer beim WAC. Wie sind Sie zu diesem Trainer gekommen?
Es war mehr oder weniger ein Zufall. Wir hatten rund 50 Bewerbungen. Wir haben dann angefangen zu sondieren, worauf schließlich zehn Kandidaten übrig geblieben sind. Von einem dieser Kandidaten haben wir dann bei dessen Manager nachgefragt, und der erzählte uns, dass er noch einen weiteren Kandidaten hätte – und das war der Robin Dutt. Das hat mich selbst zunächst gewundert, wie es möglich sein soll, einen so namhaften Trainer nach Wolfsberg zu bekommen. Ihm hat die gesamte Situation in Wolfsberg sehr gut gefallen, die ländliche Umgebung und natürlich auch der Verein. Er hat sich dann intensiv mit dem Verein und den Spielern auseinandergesetzt. Wir haben uns danach in Wolfsberg getroffen und uns gut zehn Stunden über alles unterhalten – und er hat dann Ja gesagt. Wir sind stolz, einen solchen Mann nach Wolfsberg zu bringen. 

Ein Name fällt eigentlich seit Jahren immer wieder, wenn es in Wolfsberg eine Trainerdiskussion gibt: Andi Herzog. Wurde er wirklich in Betracht gezogen oder haben Sie gar nicht darüber nachgedacht?
Diesmal kam er für uns nicht in Frage. Aber wir waren vor drei Jahren mit ihm in Kontakt. Ich dachte damals, es sei alles unter Dach und Fach und Andi Herzog wird Trainer in Wolfsberg. Er hat uns dann aber im letzten Moment noch abgesagt. 

Wie geht es mit Interimstrainer Roman Stary weiter?
Er hat gute Arbeit geleistet. Ich war überzeugt davon, dass er nun auch Angebote von anderen Vereinen bekommen wird, den Trainerposten zu übernehmen. Das ist auch der Fall. Er selbst möchte aber in Wolfsberg bleiben und wird die Funktion des Sportkoordinators übernehmen. 

Austria Klagenfurt hat am vergangenen Wochenende den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Was sagen Sie zu dem Aufstieg?
An dieser Stelle eine Gratulation nach Klagenfurt. Die haben am Ende ja wirklich gezeigt, was sie können und es bravourös bewältigt. 

Freuen Sie sich schon auf die Derbys mit Klagenfurt?
Ich freue mich wirklich auf die Spiele gegen Austria Klagenfurt. Derbys sind immer ein Highlight, bei dem man auch ein ausverkauftes Haus hat. Es wird sicher sehr interessant werden. Ich hoffe aber auch,  dass die Politik und die Medien das Ganze neutral betrachten. Dann habe ich überhaupt nichts dagegen, dass ein zweiter Verein aus Kärnten in der Bundesliga spielt. 

Ich begrüße es, denn Fußball zieht die Massen an, auch Kinder. Und Fußball muss wieder den Stellenwert bekommen, den er einmal hatte. Für ein kleines Bundesland wie Kärnten ist das sensationell. 

Welche Auswirkungen hat der Aufstieg von Klagenfurt auf die Akademie, die derzeit vom WAC geleitet wird?
Wir haben noch Verträge bis Ende nächsten Jahres. Die Arbeiten, die wir machen müssen, sind uns bekannt, und die machen wir auch. Welche Aufgaben Klagenfurt übernehmen wird, kann ich heute noch nicht sagen.

Ist ein eigenes Stadion für den WAC in Wolfsberg nach wie vor ein Thema?
Ich bin mitten in den Planungen. Das Grundkonzept, wie es aussehen könnte, steht. Da müssen wir nun intensiv weiterplanen. Ich möchte nun auch Fachleute hinzuziehen, um alle Vorgaben, die die UEFA macht, um Europacup spielen zu können, einfließen zu lassen. Umsetzen möchte ich das Projekt in den kommenden zwei bis drei Jahren. 

Bei Abonnenten ist kürzlich die Frage aufgetaucht, ob Sie irgendwie entschädigt werden, da sie ja für die Saison 2020/2021 bezahlt haben, aber in Wolfsberg lediglich vier Spiele mit Zuschauern durchgeführt werden konnten. Ist etwas geplant?
Es ist von uns angedacht, dass die Abobesitzer nun wieder ein Abo, aber ein relativ günstiges erwerben können. Es wird nur die Anzahl der Spiele berücksichtigt werden, die wirklich stattgefunden haben. Das wird dann beim Preis für das neue Abo berücksichtigt. Ein Abo für diese Leute wird also rund 50 bis 100 Euro kosten. So möchten wir den Leuten entgegenkommen.

Spiele ohne Zuschauer sind aber für die Spieler schon auch eine fade Angelegenheit, oder?
Es war schon schlimm. Man dachte bei den Spielen, es seien Freundschaftsspiele. Zuschauer gehören in das Stadion und sind ein wichtiger Faktor.  Ich hoffe, dass die Menschen wieder zurückkommen, wenn die Lockerungen kommen.

In wenigen Tagen beginnt die Fußball-EM. Was trauen Sie Österreich zu?
Das Potenzial weiterzukommen ist auf alle Fälle vorhanden. Es kann aber an schlechten Tagen in die andere Richtung gehen. Ich bin überzeugt, dass wir bei der EM einiges erreichen werden. 

Wer wird Europameister?
Das ist eine äußerst schwierige Frage. Meistens wird es eine Mannschaft, mit der man gerade nicht rechnet. Aber es gibt natürlich sehr viele Favoriten, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien muss man bei solchen Ereignissen ganz sicher immer zu den Favoriten zählen. 

// Zur Person

Dietmar Riegler wurde 1966 in Wolfsberg geboren. Riegler war selbst jahrelang aktiver Kicker, unter anderen bei Bad St. Leonhard, dem WAC, ATSV und St. Andrä. 1998 beendete er seine Karriere. Er war danach bis 2007 Präsident des SK St. Andrä, seit 2007 ist er Präsident des RZ Pellets WAC. Riegler ist auch erfolgreicher Unternehmer und gemeinsam mit Otto Zechmeister Geschäftsführer des von ihnen gegründeten Unternehmens RZ Pellets.

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren