30 tote Hunde auf einem Hof in St. Paul entdeckt: Liegen weitere Kadaver auf dem Areal vergraben? Ausgabe 31 | Mittwoch, 31. Juli 2019

Bei einem Lokalaugenschein der Unterkärntner Nachrichten auf jenem Anwesen, das vergangene Woche für Aufregung sorgte, lag ein schwerer Geruch in der Luft. Der Amtstierarzt schließt weitere vergrabene Tiere nicht aus. Die Hintergründe des schrecklichen Falls.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Ein Blick in jenen Hof, in dem die 30 tote Hunde entdeckt wurden. Er gleicht einer Müllhalde, überall liegt Unrat. Bei einem abgestellten Fahrzeug, das der Frau wohl zeitweise als Unterkunft diente, steht die Beifahrertüre offen. Im hinteren Teil ein schwarzer Müllsack (Bild rechts): Einer wie jene, in denen die Kadaver der verendeten Tiere verpackt wurden. Fotos: Hok

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St. Paul. Dicke Fleischfliegen summen umher, in der Luft liegt ein schwerer Geruch. Jener abgelegene Hof in St. Paul, auf dem in der vergangenen Woche 30 tote Hunde entdeckt wurden, ist ein bedrückender Ort. Und angesichts des Gestanks stellt sich die Frage: Wurden wirklich alle Kadaver entdeckt?

Eine nüchtern verfasste Polizeimeldung brachte den schrecklichen Fall am Mittwoch, 24. Juli, an die Öffentlichkeit. Darin hieß es, tags zuvor seien nach einer Anzeige Beamte der Polizeiinspektion St. Paul und der Wolfsberger Amtstierarzt Valentin Maierhofer ausgerückt, um Nachschau zu halten. Dabei entdeckten sie in den verlassenen und verfallenden Gebäuden 30 tote Tiere in Plastiksäcken, alle Belgische Schäferhunde, darunter sechs Welpen. Die Kadaver wurden sichergestellt, in Klagenfurt soll jetzt untersucht werden, woran die Tiere verendeten. Vor Ort war das nicht möglich, die Verwesung war zu weit fortgeschritten.

»Nachdem festgestellt wurde, dass das Haus nicht bewohnbar ist, lebte sie dort im Wohnwagen«
Hermann Primus, Bürgermeister von St. Paul

Eine Klagenfurterin (38) war für die Tiere verantwortlich, die ihr gehörten oder zur Pflege überlassen worden waren. Da sie auf dem Hof nicht angetroffen wurde – sie hat einmal mehr ihren Wohnsitz gewechselt –, forschten sie Beamte aus. Während des Gesprächs mit der Polizei erlitt sie einen Zusammenbruch und wurde ins Krankenhaus gebracht. Sie wurde bei der Bezirkshauptmannschaft und der Staatsanwaltschaft Klagenfurt angezeigt.

Der St. Pauler Bürgermeister Hermann Primus zeigte sich erschüttert: »Diese Tierquälerei kann man nur verurteilen! Das hat hier niemand gewusst. Wir waren mit dem Amtstierarzt im April vor Ort, von solchen Zuständen war damals nichts zu bemerken.« 

Die Hundehalterin hatte den Bürgermeister schon in einer anderen Causa beschäftigt: »Sie hatte den Hof gepachtet und war kurz hier gemeldet. Wir haben uns darauf das Haus angesehen und ihr mitgeteilt, dass es nicht bewohnbar ist. Danach nächtigte sie dort in einem Wagen« – ohne Strom und fließendes Wasser.

Geschockte Anwohner

Auch die St. Pauler, die in der Umgebung leben – direkte Nachbarn gibt es um den Hof nicht – sind entsetzt. »Dass man Tieren so etwas antun kann«, meinte eine von ihnen, »ich kam einmal beim Hof vorbei und habe mich erschreckt, wie es dort aussah.«

Ein Landwirt sagte: »Es ist schrecklich, was da passiert ist. Ich wundere mich aber auch, denn sie war eine saubere Person. Die Hunde habe ich immer bellen gehört, seit 1. Mai war es aber still.«

»Ich wundere mich darüber, was da passiert ist, denn sie war eine saubere Person«
Ein Landwirt, aus der Umgebung des Hofs

An dem Tag fand die traditionelle Blütenwanderung statt. Warum es gerade ab diesem Datum ruhig war, erklärte Amtstierarzt Maierhofer: »Die Dame war in mehreren Bezirken amtsbekannt, sie wechselte laufend ihre Wohnsitze und versuchte sich den Behörden zu entziehen.« Im April kam es nach Anzeigen wegen ausgebrochener Hunde zu einem Ortsaugenschein auf dem St. Pauler Hof, nach dem die Gemeinde – im Hinblick auf die Blütenwanderung – den Müll entfernen ließ. Ab diesem Zeitpunkt verschwand wohl auch die Klagenfurterin. 

Vorwürfe auf sozialen Netzwerken, er hätte von den Zuständen auf dem Hof gewusst, sei aber nicht aktiv geworden, weist Maierhofer zurück: »Beim Augenschein im April war ich dabei. Damals befanden sich dort fünf oder sechs Hunde, Belgische Schäferhunde mit hohem Aggressionspotenzial. Sie waren unauffällig im Verhalten und normal ernährt. Es gab keinen Grund zum Einschreiten.«

Die spätere Entdeckung der Kadaver schildert Maierhofer so: »Ein Bild des Grauens. Ich habe mir den Inhalt einiger Säcke angesehen: Die Tiere sind nicht zur selben Zeit, sondern über mehrere Monate verteilt verendet.« Woran sie starben, werden die Untersuchungen zeigen, die diese Woche abgeschlossen sein sollen. 

Könnten sich weitere toten Hunde auf dem Hof befinden? Der Amtstierarzt: »Da die Dame nicht vernehmungsfähig ist, kann man sich dessen nicht sicher sein. In den Gebäuden liegen aber sicher keine Kadaver mehr.« Ob auf dem weitläufigen Areal noch Tiere verscharrt liegen, bleibt also offen ...

Auch über die Frage nach den Motiven der Klagenfurterin kann nur spekuliert werden. Auszugehen ist von »Animal Hoarding«, dem krankhaften Sammeln und Halten von Tieren. Berichtet wird, dass die Kampfhunde für die alleinstehende und kinderlose 38-Jährige zum Lebensinhalt wurden. Aus diesem Grund konnte sie auch keiner geregelten Arbeit nachgehen. Kontrollen der Behörden entzog sie sich stets durch Flucht, worauf im April die Auflage erteilt wurde, sie auszuforschen. Die sozial isolierte Frau kommunizierte mit der Außenwelt über Zettel, die sie am Zaun des Hofs in St. Paul befestigte. Ein Beispiel: »Die netten Menschen, die mir gestern vier Hunde über den Zaun gesetzt haben – bitte melden!«

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