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Masterplan 2030: Was aus Wolfsbergs großen Zukunftsideen wurde – und wie es nun weitergehtAusgabe 11 | Mittwoch, 11. März 2026

2021 präsentierte Wolfsberg große Visionen für die Innenstadt. Jetzt wird erneut diskutiert: Der Masterplan ist kaum sichtbar, die Ideenwerkstatt Obere Stadt beginnt am 19. März. Die UN werfen einen Blick darauf, was erreicht wurde und was Zukunftsmusik ist.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bürgermeister Alexander Radl (r.) lädt am Donnerstag, 19. März, zur »Ideenwerkstatt Obere Stadt« ein. Beim Masterplan 2030 war auch der Weiher Teil des Visionen für die Bezirkshauptstadt. Zuletzt wurden diese beiden Bereiche aber noch nicht in Angriff genommen. Stadtgemeinde (1), UN-Archiv (1)

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Wolfsberg. Als die Stadtgemeinde Wolfsberg im Herbst 2021 ihren »Masterplan 2030« präsentierte, war die Stimmung im KUSS eine Mischung aus vorsichtigem Optimismus und verhaltenem Staunen. Visionen wurden ausgerollt, Skizzen diskutiert, Modelle bestaunt. Mehr Bäume, weniger Autos, mehr Raum für Menschen – so lautete der Kern der damals vorgestellten Zukunftsideen. 

Heute, einige Jahre später, stellt sich die Frage: Warum ist der Masterplan von der Gemeinde-Homepage verschwunden und warum wird nun mit einer Ideenwerkstatt Obere Stadt begonnen? Was ist aus dem Masterplan geworden?

»Die zentralen Themen des Masterplans aus dem Jahr 2021 sind nach wie vor jene, die uns heute beschäftigen: die Entwicklung des öffentlichen Raums, Wohnraumschaffung, innerstädtischer Verkehr, zusätzliche Grünräume und moderne Mobilität. In vielen Bereichen konnten wir bereits wesentliche Fortschritte erzielen«, sagt dazu Wolfsbergs Bürgermeister Alexander Radl (SPÖ).

Plan mit 13 Projekten 

Der Masterplan 2030 basierte auf einer umfassenden Bürgerbefragung, bei der rund 2.000 Fragebögen ausgewertet wurden. Die Ergebnisse flossen in ein Leitbild ein, das wiederum die Grundlage für 13 konkrete Einzelprojekte bildete. Sie reichten von Verkehrsberuhigung über Begrünungsmaßnahmen bis hin zu neuen Aufenthaltszonen und einer Stärkung des Radverkehrs. Schon damals wurde betont, dass es sich um »Visionen und Ideen« handle – nicht um sofort umsetzbare Maßnahmen. 

Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) sah vor, den Stadtkern zu einem Ort zu machen, an dem Menschen gerne verweilen, statt ihn nur zu durchqueren. Bürgermeister Radl nennt ein Beispiel, das umgesetzt wird: »Wir setzen weiterhin konsequent auf Reconstructing Projekte. Dadurch wurden bisher 59 neue Wohnungen realisiert, weitere 35 befinden sich kurz vor der Fertigstellung, und zusätzliche Projekte sind bereits in Vorbereitung.« Dazu sei auf dem Mikutta-Areal, das zuvor brach lag, ein »wunderschöner neuer Ortsteil mit enorm hoher Wohnqualität« entstanden. »Neben neuen Wohnhäusern haben wir den Stadtobstgarten als Naherholungsgebiet etabliert«, so Radl.

Autos raus, Fahrräder rein

Besonders viel Aufmerksamkeit erregte beim »Masterplan 2030« die Ankündigung, den Autoverkehr im Zentrum deutlich zu reduzieren. Mehr Platz für Fußgänger, neue Radwege, zusätzliche Bäume und Schattenzonen – das waren die Schlagworte, die im KUSS präsentiert wurden. Die Reaktionen waren gemischt: Während viele Bürger die Vision begrüßten, äußerten andere Skepsis, ob eine Stadt wie Wolfsberg tatsächlich bereit sei für eine so deutliche Verkehrswende.  

Heute zeigt sich: Einige Schritte wurden gesetzt, andere stehen noch aus. Die Stadt hat erste Verkehrsberuhigungsmaßnahmen getestet, etwa temporäre Begegnungszonen und neue Markierungen für Radwege. Doch der große Wurf – eine umfassende Neuordnung des Verkehrs – lässt noch auf sich warten. Gründe dafür sind sowohl finanzielle als auch organisatorische Hürden.

Projekte zur Belebung leerstehender Geschäftsflächen wurden angestoßen. Das Leerstandsmanagement zeigt erste Erfolge, indem es Zwischennutzungen ermöglicht. Doch nach wie vor stehen zahlreiche Geschäftslokale in der Innenstadt leer – vor allem im Gastrobereich (wir berichteten).

Tempo und Prioritäten

Trotz kleiner Fortschritte bleibt die Umsetzung des Masterplans ein Langstreckenlauf. Viele Maßnahmen erfordern Planungen, Fördermittel oder Abstimmungen mit Land und Bund. Zudem hat sich seit 2021 die wirtschaftliche Lage verändert: steigende Baukosten und knappe Budgets bremsen Projekte aus.

Radl: »Der Fokus der nächsten Schritte liegt nun besonders auf dem innerstädtischen Verkehr, Begrünung und Aufenthaltsqualität. Das sind genau jene Themen, die den Menschen in der Innenstadt am meisten am Herzen liegen. Das weiß ich aus unzähligen Gesprächen und auch aus der Bürgerumfrage aus dem Jahr 2020 (Anm.: der Grundlage für den  ›Masterplan 2030‹).« 

Am Donnerstag, 19. März, wird nun zur »Ideenwerkstatt Obere Stadt« geladen. Dieser Bereich der Innenstadt steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt lebhafter Diskussionen, insbesondere die Verkehrssituation. »Es ist an der Zeit, die Dinge mutig anzupacken – und zwar gemeinsam«, heißt es in der Einladung für die Veranstaltung, bei der Maßnahmen zur Innenstadtberuhigung und -weiterentwicklung diskutiert werden sollen. »Besonders wichtig ist mir, die Bürger aktiv einzubeziehen. Nur gemeinsam erarbeitete Lösungen haben das Potenzial, nachhaltig und viele Jahre lang Bestand zu haben. Der ›Masterplan 2030‹ wird daher nicht ersetzt oder neu erfunden. Wir arbeiten weiterhin an denselben inhaltlichen Schwerpunkten – er bleibt unser strategischer Kompass für die Weiterentwicklung der Wolfsberger Innenstadt«, so Radl abschließend

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