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Sie haben eine Ausbildung als Kinderpädagogin gemacht und waren danach in einer Kinderkrippe tätig. Wie kam es zum Wechsel in die Tech-Branche?
Der Wechsel war überhaupt nicht geplant. Nach meiner Ausbildung und der Matura habe ich in einer Kinderkrippe in Obdach gearbeitet und bin danach für ein Au-pair-Jahr in die Schweiz gegangen.
Bis dahin kannte ich IT eigentlich nur aus dem EDV-Unterricht. Meine Begeisterung hat sich damals eher in Grenzen gehalten. Durch meine Gastfamilie in der Schweiz habe ich dann zum ersten Mal gesehen, wie vielseitig die Arbeit in der IT eigentlich ist. Es geht eben nicht nur ums Programmieren, sondern darum, Probleme zu verstehen und Lösungen dafür zu finden. Das hat mich neugierig gemacht. Während Corona habe ich angefangen, erste Kurse zu machen. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen mehr darüber lernen. Wie man sieht, ist es dabei nicht ganz geblieben.
Wie ging dann der Wechsel vor sich, welche Stationen haben Sie durchgemacht, bevor Sie zum Unternehmen Moodtalk kamen?
Dann kam unerwartet die Gelegenheit, das Ganze nicht nur in Kursen zu lernen, sondern auszuprobieren. Meine Gastmutter arbeitete als IT-Projektmanagerin und bekam ihr zweites Kind. Als für ihre Vertretung jemand gesucht wurde, hat sie mich vorgeschlagen. So bin ich ins IT-Projektmanagement eingestiegen. Ich konnte viel von ihr lernen, habe aber schnell eigene Projekte und Verantwortung übernommen. Gleichzeitig habe ich begonnen, berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik zu studieren.
Mit der Zeit wurde künstliche Intelligenz für mich immer interessanter. Schließlich bin ich zu Moodtalk gewechselt.
Was genau macht Moodtalk?
Im Grunde hilft Moodtalk Unternehmen dabei, besser zu verstehen, was bei ihren Mitarbeitenden wirklich gut läuft und wo es Probleme gibt. Dafür führt unsere KI Gespräche mit den Mitarbeitenden und wertet die Antworten anschließend aus.
Wenn ein Unternehmen zum Beispiel wissen möchte, wo im Arbeitsalltag unnötig Zeit verloren geht, fragt die KI die Mitarbeitenden genau danach. Aus den vielen einzelnen Gesprächen erkennt sie dann, welche Themen immer wieder auftauchen.
So sieht die Geschäftsleitung relativ schnell, wo es gut läuft und wo sie genauer hinschauen sollte.
In welcher Funktion sind Sie bei Moodtalk tätig? Woran arbeiten Sie derzeit?
Ich arbeite bei Moodtalk als AI Operations Managerin. Einerseits bin ich eng mit unseren Kunden im Austausch und sehe dadurch, was gut funktioniert und wo unser Produkt noch besser werden kann.
Andererseits schaue ich intern, wo uns KI Arbeit abnehmen oder Prozesse schneller machen kann. Aktuell arbeite ich zum Beispiel daran, den Einstieg für neue Kunden so einfach zu gestalten, dass sie möglichst selbstständig mit Moodtalk starten können.
Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in der Tech-Branche gemacht und was würden Sie jungen Frauen mitgeben?
Ich persönlich habe in der Tech-Branche bisher eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sitzt man noch oft als eine von wenigen Frauen im Raum. Dafür erlebe ich unter Frauen in der Branche einen richtig starken Zusammenhalt. Ich hatte früher ein völlig falsches Bild von Technologie. Ich dachte sofort an Mathematik und Programmieren und war mir ziemlich sicher: Das ist nichts für mich. Heute weiß ich, wie viele unterschiedliche Jobs und Möglichkeiten es in diesem Bereich gibt. Deshalb würde ich jungen Frauen raten, es einfach auszuprobieren. Wenn es einem nicht gefällt, kann man immer noch etwas anderes machen.
Welche beruflichen Stationen haben Sie am meisten geprägt?
Eigentlich gerade die Tatsache, dass meine Stationen so unterschiedlich waren. Bei meiner Bachelorarbeit habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie gut sich diese verschiedenen Welten miteinander verbinden lassen.
Ich habe untersucht, wie Menschen Vertrauen in künstliche Intelligenz entwickeln. Technisch habe ich dabei gar nicht viel verändert, sondern vor allem die Art, wie die KI mit den Menschen kommuniziert. Und allein das hat schon deutlich verändert, wie sehr die Teilnehmer ihr vertraut haben.
Das fand ich ziemlich spannend. Denn am Ende geht es bei KI nicht nur darum, was die Technik kann, sondern auch darum, wie wir Menschen damit umgehen. Genau diese Verbindung interessiert mich bis heute.
Sie wurden nun an der Universität Oxford aufgenommen. Was studieren Sie dort?
Ich starte in Oxford den berufsbegleitenden Master »Artificial Intelligence for Business«. Im Studium geht es einerseits darum, wirklich tief in die technische Seite von KI einzutauchen, und andererseits um die Frage, wie wir diese Technologie sinnvoll in Unternehmen einsetzen können.
Welche künftigen beruflichen Pläne haben Sie?
Langfristig möchte ich auf jeden Fall einmal selbst ein Unternehmen gründen. Mich reizt die Idee, ein echtes Problem zu finden und mit Technologie eine Lösung dafür zu bauen. Davor würde ich gerne einige Jahre in den USA, am liebsten im Silicon Valley, in einem Start-up arbeiten. Dort werden neue Ideen oft sehr schnell umgesetzt. Diese Mentalität finde ich spannend und davon möchte ich möglichst viel mitnehmen, bevor ich irgendwann selbst etwas aufbaue.
Welche Chancen sehen Sie in KI für Unternehmen, Medien und Privatpersonen?
Das Internet hat Wissen für fast jeden zugänglich gemacht. Ich glaube, KI macht gerade etwas Ähnliches mit Fähigkeiten. Man kann plötzlich Dinge selbst umsetzen, für die man früher viel mehr Vorwissen oder Unterstützung gebraucht hätte.
Ein gutes Beispiel ist Programmieren. Früher musste man selbst programmieren können, um eine kleine Software zu bauen. Heute kann ich einer KI erklären, was ich brauche, und damit schon ziemlich weit kommen. Ähnliches passiert bei Übersetzungen, Datenanalysen, beim Schreiben von Texten und vielen anderen Dingen. Das eröffnet neue Möglichkeiten und macht es einfacher, aus einer Idee tatsächlich etwas zu machen.
Welche Risiken oder Fehlentwicklungen in Zusammenhang mit KI bereiten Ihnen am meisten Sorgen?
Am meisten beschäftigt mich die Gefahr, dass wir uns zu sehr auf KI verlassen und irgendwann weniger selbst nachdenken. KI kann Antworten geben, die sehr überzeugend klingen und trotzdem falsch sind. Gleichzeitig ist es bequem, bei jeder Frage zuerst die KI zu fragen. Wenn wir uns daran zu sehr gewöhnen, besteht die Gefahr, dass wir Antworten einfach übernehmen, statt sie selbst zu hinterfragen. Für mich sollte KI deshalb unser Denken unterstützen, aber es nicht ersetzen.
Glauben Sie, dass KI eher Arbeitsplätze vernichten oder neue schaffen wird?
Ich glaube, wir schauen bei dieser Frage oft zu sehr auf ganze Berufe. Viel schneller werden sich einzelne Aufgaben verändern. Ein Beruf besteht aus vielen verschiedenen Tätigkeiten. Manche davon wird KI übernehmen oder verändern, andere bleiben beim Menschen. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben und Berufe. Meinen eigenen Job gab es vor ein paar Jahren in dieser Form zum Beispiel noch gar nicht. Deshalb denke ich, dass wir in fünf Jahren viele der gleichen Berufe haben werden, unseren Arbeitsalltag aber teilweise ganz anders gestalten.
Kürzlich meinten einige Fachleute, dass die KI die Menschheit in zehn Jahren auslöschen wird. Sehen Sie diese Gefahr auch?
Was KI in zehn Jahren können wird, kann heute niemand wirklich vorhersagen. Deshalb kann man solche extremen Szenarien weder sicher ausschließen noch behaupten, dass sie tatsächlich eintreten werden.
Viel wichtiger ist die Frage, wie viel Verantwortung wir künftig an KI abgeben. Je selbstständiger solche Systeme werden, desto wichtiger wird es, klare Grenzen zu setzen und dafür zu sorgen, dass am Ende der Mensch die Kontrolle behält. Es gibt also keinen Grund zur Panik, aber sehr wohl einen Grund, die Entwicklung ernst zu nehmen.
Wie kann man die KI unter Kontrolle halten?
Eine große Verantwortung liegt bei den Unternehmen, die solche Systeme entwickeln. Sie müssen KI gut testen, klare Grenzen einbauen und sicherstellen, dass Menschen jederzeit eingreifen können. Dabei gilt für mich: Je größer die Auswirkungen einer Entscheidung sind, desto wichtiger ist es, dass ein Mensch das letzte Wort hat. Die Verantwortung sollte am Ende nicht bei einer KI liegen.
Welche Verbindungen haben Sie noch ins Lavanttal?
Meine ganze Familie und viele meiner Freunde leben im Lavanttal, deshalb bin ich natürlich regelmäßig dort. Und manche Dinge lernt man tatsächlich erst zu schätzen, wenn man wegzieht. Ganz banal fehlen mir in der Schweiz zum Beispiel gutes österreichisches Brot und natürlich Kärntner Kasnudeln. Da hilft dann auch das beste Schweizer Käsefondue nicht.
Inwiefern hat das Aufwachsen und Leben im Tal Ihre berufliche Entwicklung beeinflusst?
Meine Kindheit im Lavanttal war eigentlich das komplette Gegenteil von meinem heutigen Berufsleben. Viel Natur, viel draußen sein und ziemlich wenig Technologie. Uns war als Kindern auch einmal langweilig, und dann musste man eben selbst auf Ideen kommen. Wahrscheinlich kommt daher auch ein Teil meiner Neugier und Freude daran, Dinge einfach auszuprobieren.
Welche Chancen sehen Sie für das Lavanttal durch die Digitalisierung beziehungsweise KI?
Gerade für kleinere Betriebe sehe ich viele Chancen. Ein Tischler wird durch KI nicht plötzlich besser tischlern. Aber vielleicht braucht er weniger Zeit für Angebote, seine Website oder Werbung und hat dadurch mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit. Gleichzeitig werden Dinge leichter zugänglich, für die sich größere Unternehmen eigene Abteilungen oder externe Spezialisten leisten können. Plötzlich kann auch ein kleiner Betrieb mit KI eine Website erstellen, Marketing machen oder größere Mengen an Daten auswerten. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.
Was bedeutet Ihnen persönlich das Lavanttal?
Für mich ist es einfach Heimat. Dort bin ich aufgewachsen, dort leben meine Familie und viele meiner Freunde. Seit ich weggezogen bin, schätze ich vieles viel bewusster: die Berge, die Natur, die Ruhe und die Traditionen, mit denen ich aufgewachsen bin. Vieles davon war früher einfach selbstverständlich und bekommt erst eine andere Bedeutung, wenn man nicht mehr jeden Tag dort ist.

Von Michael Swersina
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