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Lavamünd. Während in Nordslowenien die Planungen für eines der größten Straßenbauprojekte der vergangenen Jahrzehnte voranschreiten, wächst auf Kärntner Seite die Sorge vor mehr Transitverkehr. Bürgermeister, Verkehrsfachleute und Regionalvertreter aus beiden Ländern diskutierten vergangene Woche in Lavamünd über die Folgen der sogenannten Dritten Entwicklungsachse, die das slowenische Autobahnnetz künftig mit der Grenzregion verbinden soll.
Aufmerksam verfolgt man die Entwicklung in Lavamünd. Schon heute prägen Lastwagen das Straßenbild der Marktgemeinde, und die Diskussion über die Belastungsgrenzen der Region hält an.
Dravograds Bürgermeister Anton Preksavec erklärte: »Der erste Abschnitt der neuen Schnellstraße zwischen Velenje und Slovenj Gradec wird bereits gebaut, gegen Ende des Jahrzehnts soll die Straße befahrbar sein.« Für die weitere Verbindung Richtung Dravograd seien die politischen Entscheidungen gefallen. Vorgesehen sei ein leistungsfähiger Ausbau mit mehreren Fahrstreifen und Umfahrungen zur Entlastung der Ortskerne.
Auch Mateja Bratuša von der Regionalen Entwicklungsagentur Koroška erinnerte an die lange Vorgeschichte des Projekts. Erste Überlegungen reichen beinahe zwei Jahrzehnte zurück. Nach zahlreichen Studien und Genehmigungsverfahren befinde man sich nun in einer Phase konkreter Ausschreibungen und Umsetzungsmaßnahmen. Für die Grenzregion werde die neue Straße künftig eine zentrale Rolle spielen.
6.000 Fahrzeuge pro Tag
Genau darin sehen viele Kärntner jedoch nicht nur Chancen. Lavamünds Bürgermeister Wolfgang Gallant berichtete: »Im Schnitt fahren täglich 1.000 Lkw durch das Ortszentrum, mit Spitzen bis zu 1.500 Lkw am Tag. Insgesamt fahren rund 6.000 Fahrzeuge täglich durch den Ort.«
Gallant hält es für unrealistisch, dass eine leistungsfähigere Straßenverbindung ohne Auswirkungen auf die angrenzenden Gemeinden bleiben werde. Neben zusätzlichem Güterverkehr erwartet er langfristig mehr Reiseverkehr. Die Route könnte für Urlauber attraktiv werden, vor allem dann, wenn andere Autobahnen stark ausgelastet seien.
Eine zentrale Frage war daher die konkrete Anbindung nördlich von Dravograd. Der Bleiburger Bürgermeister Daniel Wrießnig erkundigte sich nach den Plänen in Richtung Kärnten. Die Antwort dämpfte manche Erwartungen: Zwar wird die neue Achse bis in den Raum Dravograd deutlich ausgebaut, nördlich davon ist derzeit jedoch keine durchgehende vierspurige Verbindung bis zur Grenze vorgesehen. Stattdessen soll abschnittsweise auf bestehende Straßen zurückgegriffen werden, die verbessert werden sollen.
Damit bleibt offen, wie sich ein künftig höheres Verkehrsaufkommen verteilen wird und welche Grenzübergänge besonders stark betroffen sein könnten.
Luka Mladenovič vom Humanistischen Institut Sloweniens, der an mehreren Verkehrsprojekten beteiligt ist, betonte, dass die Herausforderungen nicht allein durch zusätzliche Infrastruktur gelöst werden könnten. Die Region müsse frühzeitig über neue Mobilitätskonzepte nachdenken. Die Entwicklung betreffe nicht nur den Güterverkehr, sondern ebenso Pendler, Tourismus und die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder.
Gemeinsam mit regionalen Partnern und dem Geopark Karawanken arbeite man bereits daran, die langfristigen Auswirkungen für den Grenzraum genauer zu analysieren. Für den Herbst ist eine Fachveranstaltung geplant, bei der Experten mögliche Szenarien und Handlungsoptionen präsentieren sollen.
Bedenken der Bürgermeister
St. Pauls Bürgermeister Stefan Salzmann lenkte den Blick auf ein weiteres Problemfeld: »Schon heute fahren zahlreiche Transporte durch die Region, ohne sich an Nachtfahrverbote oder Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Sollte die Verkehrsmenge weiter steigen, braucht es wirksame Kontrollen und Begleitmaßnahmen.« Er sprach sich für eine Verlagerung von Gütern auf die Schiene aus. Die Verkehrspolitik müsse Unternehmen in Slowenien verstärkt an Bahnverbindungen heranführen, um einen Anstieg des Lkw-Verkehrs zu vermeiden.
Kritik gab es über den Informationsfluss. Der Neuhauser Bürgermeister Patrick Skubel verwies darauf, dass in der Vergangenheit unterschiedliche Aussagen über den Planungsfortschritt kursiert seien. Umso wichtiger sei es nun, Unterlagen offenzulegen und die Region frühzeitig einzubinden. Verwundert zeigte sich darüber auch Karl Markut, Bürgermeister von St. Georgen: »Ich habe vor Kurzem bei der Landesregierung nach Plänen gefragt und mir wurde mitgeteilt, dass es nichts gibt.«
Geopark-Vertreter Gerald Hartmann teilte mit: »Die relevanten Planungsdokumente sind öffentlich zugänglich und würden ein deutlich klareres Bild vermitteln, als vielen Entscheidungsträgern bislang bewusst gewesen ist.«
Die Diskussion machte deutlich, dass die Dritte Entwicklungsachse von vielen als wirtschaftliche Chance gesehen wird. Gleichzeitig wachsen jedoch die Befürchtungen, dass die Grenzregion künftig einen deutlich höheren Transitverkehr bewältigen muss. Wie stark die Auswirkungen tatsächlich ausfallen werden, dürfte sich erst mit den weiteren Planungs- und Ausbauschritten zeigen.

Von Michael Swersina
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