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Johann Weinberger: »Die Fichte darf nicht in das falsche Licht gerückt werden – sie bleibt wichtig«Ausgabe 36 | Mittwoch, 2. September 2026

Johann Weinberger (48), Geschäftsführer der weinberger-holz gmbh in Reichenfels und Obmann von proHolz, spricht über einen schwierigen Markt, klimatische Belastungen und die Fichte. Er erklärt auch, welche Baumarten künftig im Lavanttal bestehen können.

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Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktsituation in der Holzwirtschaft?
Geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Investitionsbereitschaft und haben unter anderem auch eine gedämpfte Bauwirtschaft zur Folge – diese Rahmenbedingungen gehen auch an der Holzwirtschaft nicht spurlos vorbei. Schwierige Marktbedingungen gibt es sowohl auf den regionalen als auch den internationalen Märkten. Deshalb erachte ich die Marktsituation als schwierig. 

Welche Auswirkungen haben Hitze, Trockenheit und Schädlinge auf die Holzqualität und Verfügbarkeit im Lavanttal?
Qualität und Verfügbarkeit sind aktuell gut. Die Forstbetriebe im Lavanttal haben ein sehr hohes Bewusstsein für Waldhygiene und Borkenkäferkontrolle. Diese Sorgfalt hat uns bis dato vor größeren Kalamitäten bewahrt. 

Wie stark spüren Sie die klimatischen Veränderungen in den heimischen Wäldern?
Stark und sehr deutlich. Tagtäglich sieht man auch als Privatperson, dass der Sommer 2026 außergewöhnlich heiß und trocken ist. Vor allem in den Südlagen ist die Trockenheit auch für den Wald eine Belastungsprobe. Hingegen in höheren Lagen, der sogenannten Waldkampfzone und auch auf den Almen, werden die Wachstumsbedingungen für die Fichte besser. 

Welche Maßnahmen braucht es, um die Holzwirtschaft klimafit zu machen?
Früh genug geplante, konsequente Pflegeeingriffe helfen dem Immunsystem des Waldes. Um Waldbesitzer aller Größenordnungen dabei zu unterstützen, gibt es Förderungen und Unterstützungen – hier kann ich nur an alle Waldbesitzer appellieren, keinen Durchforstungsrückstand entstehen zu lassen.  
Die Ernte- und Pflegeformen werden das Waldbild prägen. Wir brauchen den richtigen Mix an Bewirtschaftungsmaßnahmen. Zum einen brauchen wir Wälder, in denen alle Generationen und Altersklassen der Bäume nebeneinander wachsen – einen Plenterwald. Dieser Verbund ist sehr resistent gegen Umwelteinflüsse. Hier werden gezielte Bäume geerntet und die Natur »übernimmt« die Aufforstung.

Zum anderen brauchen wir für das Aufkommen der Licht- und Pionierbaumarten Säumungshiebe oder ähnliches, um die Durchmischung und Vielfalt der Baumarten zu fördern.

Fichten halten den derzeitigen Bedingungen offenbar nicht stand. Welche Bäume müssten Forstwirte setzen, damit die Wälder mit dem Klimawandel mithalten können?
Die Fichte darf nicht ins falsche Licht gerückt werden. Gemeinsam mit Lärche und Zirbe ist sie in höheren Lagen immer noch die absolut richtige Wahl. In tieferen Tallagen ist sie gepflanzt worden – sie hat dort aber als Monokultur nie hingehört. Das ist eine der Ursachen der Fichtenthematik.
Je nach Höhenlage des Waldes sollen auch die Baumarten richtig gewählt werden. In den Tallagen werden unter anderem Eiche, Kiefer und Douglasie interessanter werden – die Fichte wird in höheren Lagen nach wie vor eine der wichtigsten Baumarten bleiben.

Stellen sich die Lavanttaler Forstwirte bei Neupflanzungen bereits auf veränderte Bedingungen ein?
Ja. Jedes Jahr finden Bezirkswaldbauerntage im Rahmen der St. Andräer Agrarwoche statt. Veranstalter ist die Landwirtschaftskammer Kärnten. Aktuelle Informationen, interessante Vorträge und persönlicher Austausch mit Fachleuten aus der Praxis werden hier angeboten. Inhalte und Anregungen aus solchen Veranstaltungen fließen in die Waldwirtschaftsplanung mit ein.

Halten angestammte Baumarten wie Buche, Birken, Linden den veränderten Bedingungen stand?
Die Bestände werden sich nach meiner Einschätzung weiter reduzieren. In manchen Lagen werden sie sich jedoch halten können. Ähnlich wie jetzt schon österreichweit bei der Esche.

So unterschiedlich die Anforderungen der einzelnen Baumarten sind, so unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen des Lavanttals. Sonn- und Schattenlagen, Art des Humus der Böden samt deren pH-Wert, Feuchtigkeit entlang von Bächen und Flüssen oder windexponierte, trockene Waldparzellen. Hier gibt es kein Patentrezept, aber viel Wissen und einen großen Erfahrungsschatz von Experten. 

Wie ist die Situation mit dem Borkenkäfer im Lavanttal bzw. Kärnten?
In Kärnten ist es regional sehr unterschiedlich. Im Lavanttal ist die Situation aber relativ gut im Griff.

Welche Auswirkungen haben Lieferkettenprobleme, Energiepreise und geopolitische Krisen auf Ihr Unternehmen bzw. die Holzbranche?
Jede Schwächung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit ist klarerweise ein Nachteil am internationalen Markt. Hier haben wir klare Nachteile – aber mit unserem Gebiet auch einen Vorteil, den man im Wuchsbild der Bäume erkennt. Wo Qualität zählt, hat die Lavanttaler Fichte einen sehr guten Ruf.

Wie gehen Sie mit stark schwankenden Holzpreisen und globalen Marktbewegungen um?
Jede Volatilität erschwert die langfristige Planung. Bauprojekte werden oft über Jahre entwickelt. Da ist die Schwankung ein Problem. Zusätzlich kann ein falscher Einkaufszeitpunkt den Lagerbestand abwerten und so zu sehr hohen Verlusten führen. Von konstanteren Marktpreisen würden alle Beteiligten profitieren.

Wie steht es um die Fachkräftegewinnung in der Holzbranche?
Schwierig. Über Ursachen kann man viel diskutieren – nachdem nahezu europa- und weltweit ähnliche Probleme existieren, werden wir uns Anpassungen an diese Gegebenheit erarbeiten müssen.

Welche politischen Rahmenbedingungen wären notwendig, um nachhaltige Waldwirtschaft zu sichern?
Die Stärke der Forstbetriebe in Kärnten liegt unter anderem in der Eigentümerstruktur. Über Generationen in Familienbesitzen gepflegt und fortgeführt, ist die Denkweise ebenso langfristig. Die Strukturen sind schlank und effizient. Das ist grundsätzlich ein Vorteil – jedoch bei Berichterstattungspflichten werden diese Strukturen überfordert. Wenn man immer mehr Bürokratie fordert, kommt die Arbeit im Wald zu kurz. SURE, EUDR und weitere EU-Pflichten sind an sich gut gemeint – für die Betriebsgrößen mitunter aber eine echte Herausforderung.

Sie sind Geschäftsführer der weinberger-holz gmbh. Wie würden Sie die aktuelle Position Ihres Unternehmens im österreichischen Holzmarkt beschreiben?
Wir sind ein Familienunternehmen in der holzverarbeitenden Industrie in der sechsten Generation. Meine Vorfahren haben die beiden Weltkriege gemeistert, jetzt liegt es an mir, durch diese multiple Krise zu navigieren. Die Märkte sind national und international sehr angespannt.

Welche Investitionen waren zuletzt entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Weg von der Masse, hin zu Spezialnischen, in denen die hohe Qualität der Produkte und zuverlässige Serviceleistungen geschätzt werden. Wir haben in den vergangenen  Jahren über zwölf Millionen Euro in die Prozess- und Produktentwicklung sowie in die Standortsicherung investiert.

Sie sind auch Obmann des Vereins proHolz Kärnten. Was sind die Ziele?
Proholz ist das Sprachrohr der gesamten Wertschöpfungskette vom Forst bis zum Fertigprodukt. Ein Ziel ist die stärkere Verwendung aller Holz- und holzbasierenden Produkte. Wir wollen aufzeigen, dass Holz nicht nur ein genialer Werk- und Baustoff ist, sondern auch ein Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme. Die Natur bietet eine Lösung für »CCU«, carbon capture and usage, also Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entziehen und zu verwenden. Dass dabei der für uns lebensnotwendige Sauerstoff produziert wird, sei auch erwähnt. Und das sogar stetig nachwachsend, die Waldfläche Kärntens nimmt zu.

Wir müssen es nur noch stärker erkennen und mit Holz bauen und Holzprodukte verwenden. Weiters werden wir im Herbst eine Veranstaltung zum Thema Schutzwald machen. Als proholz ist es uns auch wichtig aufzuzeigen, dass ein bewirtschafteter Wald einen wesentlich größeren volkswirtschaftlichen Beitrag leistet, als man wahrnimmt: Lawinenschutz, Hochwasserschutz, Wasserreservoir, sommerliche Kühlung, Verbesserung der Luftqualität und vieles mehr. Straßen, Bahnverbindung, Infrastruktur werden geschützt.

Ohne Pflege kann der Wald diese Leistung nicht dauerhaft bringen. Überaltert er, dauert das Nachwachsen der nächsten Generation zu lange und das Risiko für Käfer, Waldbrand etc. steigt.

Wer sind die Mitglieder bei proHolz?
Mitglieder sind Betriebe entlang der Wertschöpfungskette. Von Forstbetrieben über die Holzindustrie bis zu Zimmereien, Tischlereien und auch zur Papierindustrie sowie dem Handel.

Wie verändert sich der Wettbewerb durch internationale Anbieter und neue Technologien?
Wenn die Rahmenbedingungen wie Energie- und Lohnkosten sowie bürokratische Auflagen und Genehmigungen ähnlich sind wie bei uns, haben wir einen fairen Wettbewerb. Hier gibt es Länder, die einen klaren Vorteil uns gegenüber haben. Bei den neuen Technologien liegt es an jedem einzelnen Unternehmer und seinem unternehmerischen Geschick und Gespür, die Weichen zu stellen. 

Wo sehen Sie die größten Chancen und Risiken für die Holzwirtschaft in den kommenden zehn Jahren?
Die Chance liegt sicherlich in den vielfältigen Vorteilen des Holzbaus. Trocken, schnell, planbar, hohe Vorfertigung, Qualität der Ausführungen und noch vieles mehr. Ein Risiko sehe ich in einer verzerrten Wahrnehmung. Falsche Geschichten über Urwälder mit Bären und Wölfen funktionieren in der Praxis nicht. Optimal CO2 speichern kann nur ein gesunder, bewirtschafteter Wald. Ein außer Nutzung gestellter Wald wird zu einer verwahrlosten CO2-Schleuder. Wenn das nicht verstanden wird, können wir den Klimabeitrag nicht leisten und unser Rohstoff wird am Nachwachsen gehindert.

Werden wir in 20 Jahren noch Wälder im Lavanttal haben? Wenn ja, wie werden sie aussehen?
Ein klares ja. Meine Vorstellung ist, dass wir gepflegte Wälder mit gut erschlossenen Forstwegenetzen haben werden. In den Tallagen werden andere, angepasste Holzarten gepflanzt sein. Hochentwickelte Früherkennungssysteme werden kranke Bäume erkennen, beobachten, kartieren und gegebenenfalls automatisiert dem Forstbetrieb melden.

Speziell in den Südhängen im Lavanttal werden künftig intelligente Wassermanagementsysteme den Wald durch Dürreperioden versorgen können und auch die Trinkwasserversorgung verbessern.

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