Artikel
Wie sind Sie eigentlich zum Rodelsport gekommen?
Das war eher ein Zufall. Ich habe damals in der Personalabteilung bei Mondi Frantschach gearbeitet, und über den Betrieb bin ich zum WSV Frantschach gekommen. Eine Sektion davon war der Rodelclub, und den habe ich von Anfang an als Mitglied unterstützt. Als der Verein 1990 die Staatsmeisterschaft im Naturbahnrodeln abgehalten hat, hat man jemanden für die Funktion des Kassiers gebraucht – und ich habe zugesagt. Seitdem bin ich beim Rodeln hängen geblieben. 2010 wurde dann der RC Mondi Frantschach als selbstständiger Verein gegründet, und ich habe die Obmannschaft übernommen.
Sind Sie selbst aktiv Rennen gefahren?
Nein, ich war nie Wettkampfsportler. Ich habe mich immer auf die organisatorische Seite konzentriert.
Der RC Mondi Frantschach war über Jahrzehnte extrem erfolgreich. Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Da gibt es viele. Herausragend war sicher der Weltmeistertitel im Doppelsitzer durch Christian Schatz und seinen Salzburger Partner Gerhard Mühlbacher im Teambewerb. Die beiden haben auch den Gesamtweltcup gewonnen und bei der WM Bronze geholt. Dann hatten wir Thomas und Christoph Knauder, die gleich drei Mal den Gesamt-Europacup gewonnen haben. Und Dominik Maier, der bei den Junioren einen Weltcupsieg feiern konnte. Diese Erfolge haben den Verein weit über Kärnten hinaus bekannt gemacht.
Was war das Geheimnis dieses Erfolgs?
Die Basis wurde schon in den 1970er und 1980er Jahren gelegt. Oskar und Gerhard Knauder waren damals echte Pioniere beim Naturbahnrodeln in Frantschach. Und auch Hilde Scharf, die Europameisterin wurde. Frantschach war ein Rodel-Hotspot in Kärnten. Es haben viele Familien mitgeholfen, dass der Verein erfolgreich wird. Wenn Eltern engagiert sind, kommen automatisch Jugendliche nach. Das hat eine Dynamik erzeugt, die uns lange getragen hat.
Gibt es aktuell Athleten in Frantschach, die an Wettkämpfen teilnehmen?
Derzeit ist es schwierig. Dominik Maier ist in Ausbildung, und aktuell haben wir keine aktiven Läufer, die auch Wettkämpfe bestreiten. Vom Verein her versuchen wir, die Vereins-Rodelbahn im Prössinggraben in Schuss zu halten.
Wie viele Mitglieder hat der Verein heute?
Wir haben rund 70 Mitglieder, darunter viele unterstützende Freunde und Familienmitglieder. Für die organisieren wir jedes Jahr einen Rodeltag – heuer wird er auf der Koralpe stattfinden, sofern der Schnee mitspielt.
2002 hat der RC Mondi Frantschach die Europameisterschaft ausgerichtet. Wie war das zu bewältigen?
Es war ein echtes Mammutprojekt. Wir hatten 70 bis 80 Helfer im Einsatz, viele davon Freunde und Bekannte unserer Mitglieder. Am Finaltag waren über 3.000 Zuschauer im Prössinggraben bei der Rennstrecke, das war schon ein besonderes Erlebnis. Die ganze Veranstaltung war perfekt durchorganisiert. Es gab einen Einmarsch, eine Disco, Guggenmusik und spannende Wettkämpfe. Das Budget lag bei rund 70.000 Euro, finanziert durch viele kleine Sponsoren.
Ist geplant, wieder eine Europameisterschaft auszurichten?
Derzeit nicht. Wir haben bis 2020 jedes Jahr Europacup-Rennen veranstaltet, aber die Bahnbenützung ist mittlerweile wetterbedingt schwer planbar. Aufgrund der Lage der Bahn im Tal ist sie mittlerweile auch nicht mehr oft benutzbar. Wir müssen schon oft auf die Winterleiten bei Obdach ausweichen. Wenn es die Bedingungen zulassen, würden wir statt einer Großveranstaltung lieber ein Nachwuchsrennen organisieren.
Kann die Bahn von jedermann genutzt werden, und wie lange ist sie?
Die Strecke ist 950 Meter lang und wird geöffnet, sobald ausreichend Schnee vorhanden ist. Dann kann jeder die Strecke benutzen. Am Wochenende sind unsere Funktionäre vor Ort – das ist dann ideal zum Schnuppern. Aber die Tage, an denen das möglich ist, werden durch den Klimawandel immer weniger.
Wie viele Wettkampfbahnen gibt es in Kärnten?
Für offizielle Rennen gibt es in ganz Kärnten eigentlich nur unsere Strecke im Prössinggraben. Eine Wettkampfbahn zu errichten ist nicht so einfach. Es braucht eine gewisse Länge, eine bestimmte Anzahl an Kurven und vor allem eine professionelle Absicherung. Da reicht kein Waldweg aus, es braucht entlang der Strecke eine Absicherung durch Banden.
Sie sind seit heurigen Jänner Präsident des Kärntner Landesverbands der Naturbahnrodler. Was sind Ihre Aufgaben bzw. welche Ziele verfolgen Sie?
Im Tal wird das Rodeln künftig wegen des Klimawandels kaum mehr möglich sein. Die Zukunft liegt am Berg. Daher versuchen wir, in Skigebieten Rodelstrecken zu etablieren – etwa am Nassfeld, Katschberg, am Weißensee und in Mallnitz.
Eine wichtige Aufgabe ist es natürlich auch, mit dem Bundesverband zusammenzuarbeiten. Übrigens heißt der Sport in diesem Jahr zum letzten Mal Naturbahnrodeln. Künftig wird der Ausdruck »Alpinrodeln« verwendet werden. Dadurch möchte man den Sport so weit bringen, dass keine eigenen Rodelstrecken mehr gebaut werden müssen, sondern Rennen auch auf präparierten Skipisten stattfinden können. Damit möchte man neue Nationen für diesen Sport interessieren.
Sie waren am vergangenen Wochenende mit einer Gruppe des Vereins bei den Olympischen Spielen in Cortina und haben die Rodelbewerbe besucht. Wie war das Erlebnis?
Es war ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Die Kunst-Bahn in Cortina ist eine gewaltige Anlage. Wir standen zunächst bei den ersten beiden Kurven, aber wenn die Athleten mit 130 km/h und mehr an einem vorbeischießen, sieht man nicht viel. Den zweiten Lauf haben wir von einem Platz kurz vor dem Ziel verfolgt, dort gab es auch eine Videowall, auf der die Zeiten eingeblendet waren. Das war dann ein tolles Erlebnis.
Warum ist Naturbahnrodeln eigentlich kein olympischer Bewerb?
Kunstbahnrodeln ist schon lange ein olympischer Bewerb. Und auf der selben Strecke finden auch die Bob- und Skeletonbewerbe statt. Außerdem hat das Kunstbahnrodeln mittlerweile eine große Lobby. Außerdem wären wohl zwei ähnliche Wettbewerbe im Olympia-Programm nur schwer zu erklären.
// Zur Person
Reinhold Pirker (61) ist seit Jänner 2026 Präsident des Kärntner Landesrodelverbands. Er stammt aus Frantschach-St. Gertraud und ist langjähriger Obmann des RC Mondi Frantschach.
Seine Freizeit verbringt der 61-Jährige gerne in der freien Natur, entweder beim Wandern oder Radfahren, aber auch beim Arbeiten in seinem Garten.
Viel Zeit widmet Pirker auch seiner Familie, vor allem seinen Nichten und Neffen. »Das ist ein guter Ausgleich zum Vereinsleben«, sagt er.

Von Michael Swersina
Grießhammer: »Die jetzt beschlossene Windkraftzonierung wird nicht halten«
Sabine Payer: »Viele hätten aufgegeben, aber ich wollte unbedingt zu den Spielen«
Werner Wutscher: »Am Ende wird es auf das Unternehmertum ankommen«
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!