Autos raus, Fahrräder und Bäume rein: So soll die Stadt laut neuem Masterplan im Jahr 2030 aussehen Ausgabe 43 | Mittwoch, 27. Oktober 2021

Im KUSS wurde der »Masterplan Wolfsberg 2030« präsentiert, der auf alten Ideen und einer kürzlich erfolgten Bürgerbefragung beruht. Inhalt: Die Stadt soll mehr Bäume erhalten, das Radfahren soll gestärkt, der Autoverkehr beruhigt werden. Die Reaktionen: verhalten.

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Wolfsberg. Der Bürgermeister kennt seine Pappenheimer. Deshalb schickte er schon vor der Vorstellung der Projekte voraus (und wiederholte es am Ende ein weiteres Mal): »Das sind Visionen und Ideen. Was umgesetzt wird, muss erst öffentlich diskutiert und in den Gremien beschlossen werden.« Im KUSS wurde am Mittwoch, 20. Oktober, der »Masterplan Wolfsberg 2030« vorgestellt. Die Richtung, die er vorgibt, ist klar: Mehr Grün in die Stadt, das Radfahren soll gestärkt, der Autoverkehr beruhigt werden. Die Reaktionen des Publikums – rund 60 Zuhörer waren gekommen, ein Gutteil davon politische Vertreter – waren verhalten.

»Wir wollen die jetzigen Parkplätze erweitern, um verlorene Flächen zu kompensieren«
Johannes Wohofsky, Architekt

Laut Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ) wurde in den vergangenen anderthalb Jahren am Masterplan gearbeitet. Es gab von November bis Dezember 2020 eine Bürgerbefragung, bei der Fragebögen an alle Haushalte verschickt wurden. 2.008 Adressaten, also rund zehn Prozent der erwachsenen Wolfsberger, machten mit. Außerdem wurden Ideen, die sich im Rathaus angesammelt hatten, zusammengefasst und einbezogen. Aus den Bürgerwünschen und dem Vorhandenen wurden mit der Agentur Scan und Johannes Wohofsky vom Architekturbüro Balloon 13 Stadtentwicklungsprojekte entwickelt, von denen fünf (siehe unten) präsentiert wurden.

Rainer Rosegger von der Agentur Scan stellte das Ergebnis der Bürgerbefragung vor: Die Wolfsberger sehen Handlungsbedarf bei den Parkplätzen, der Auswahl an Fachgeschäften und »ansprechender« Gastronomie. Sie wünschen sich eine Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, die Sanierung von Wohnungen und mehr Angebote für Kinder und Jugendliche. 

Danach war Wohofsky an der Reihe, der wegen einer selbst auferlegten Corona-Isolation in Graz geblieben und nur via Technik anwesend war. Laut ihm soll das künftige Leitbild der Stadt so aussehen: Das Wohnen in der Innenstadt wird ebenso wie die »Grätzl-Bildung« gefördert. Es gilt, Begegnungszonen und andere verkehrsberuhigende Maßnahmen zu schaffen. »Grüne Inseln« sollen angepflanzt und die vorhandenen Grünräume weiterentwickelt werden. Die »blaue Infrastruktur«, also die Zugänge zu Wasser, sei es auf Plätzen oder an vorhandenen Wasserläufen, soll ausgebaut werden. Als dritten Punkt sprach der Architekt die Mobilität an: Wolfsberg soll eine fahrradfreundliche Stadt werden, in der die Parkräume »intelligent« bewirtschaftet werden, etwa mit einem Verkehrsleitsystem, das angibt, wo Stellplätze frei sind, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Und: Begegnungszonen sollen vermehrt werden.

Nachdem Wohofsky fünf ausgewählte Projekte präsentiert hatte, stellte Gernot Rüf, Leiter der Stadtabteilung Infrastruktur, die Neugestaltung des Getreidemarkts vor, die 2022 starten soll. Der Platz wird sieben Bäume und damit ein fast geschlossenes Blätterdach bekommen (siehe Grafik oben). Das Bett des Schoßbachs soll – zeitgleich mit der Erneuerung aller unterirdischen Leitungen – saniert und danach offen geführt werden. Noch im November findet die wasserrechtliche Verhandlung statt, danach muss mit Land und Bund um Geld gefeilscht werden. 

Rüf kündigte auch an, dass jene Veränderungen, die mit dem Masterplan einhergehen müssen (etwa neue Einbahnen) zuvor mit »Pop-up-Maßnahmen« ausprobiert werden, was am Weiherplatz im Zuge des Sparkassen-Umbaus schon geschehen sei.

Die Diskussion

In der folgenden Diskussion meldete sich FPÖ-Ersatzgemeinderat und Unternehmer Daniel Megymorecz zu Wort: »Was ist bei den Parkplätzen geplant?« Wohofsky antwortete, der Plan sei, den Verkehr in der oberen und unteren Stadt zu beruhigen. Dafür sollen der Bleiweiß- und der Rathaus-Parkplatz ausgebaut werden, der Weiherplatz eventuell eine Tiefgarage erhalten. »Wir wollen die jetzigen Stellplätze erweitern, um verlorene Flächen zu kompensieren«, so Wohofsky. Außerdem soll in der Innenstadt künftig 30 Minuten gehalten, aber nicht mehr geparkt werden dürfen.

Ferdinand Schwaiger, Obmann der Dorfgemeinschaft St. Marein, wollte wissen, wie die Radanbindungen der umliegenden Orte in die Stadt aussehen werden. Primus: »Der Fokus liegt jetzt auf der Innenstadt. Wir müssen aber auch die Umgebung betrachten, was mit einem weiteren Masterplan geschehen soll.«

SPÖ-Gemeinderätin Johanna Cesar merkte an, sie sehe im Masterplan keine Fußgängerzone am Hohen Platz. Wieder der Bürgermeister: »Das ist nur im Einklang mit den Betrieben und der Bevölkerung möglich. Ich habe aber positive Rückmeldungen, wenn der Verkehr während des Kukuma steht.« 

Ein Bürger vermisste Angebote für Kinder. Wohofsky sagte: »Es gibt auch ein Projekt beim Jugendzentrum, das wir besser an die Innenstadt anbinden wollen.« Primus fügte an: »Beim Trattl soll die Lavant zugänglich gemacht werden, da können die Kleinen dann genauso planschen wie am Getreidemarkt.« Günther Rampitsch, Abteilungsleiter Umwelt und öffentlicher Verkehr, nannte auch den Weiherplatz, wo Infrastruktur für Kinder geschaffen werden soll.

Eine Wolfsbergerin stellte die letzte Frage: »Wann bekommt die Stadt ein Hallenbad?« Primus: »Das Stadionbad hat ein Minus von 500.000 Euro pro Jahr, mit einem Hallenbad kämen weitere 150.000 Euro dazu. So etwas muss finanzierbar sein.«

Schlusssatz des Bürgermeisters zum Masterplan: »Die Diskussion ist eröffnet.« 

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