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Wie beurteilen Sie den Saisonstart des WAC?
Nach der guten Vorbereitung haben wir mit dem Cup-Sieg und den vier Punkten aus den ersten beiden Spielen gegen Austria Wien und Salzburg einen richtig guten Start in die Bundesliga erwischt. Mit der Niederlage in Lustenau und den darauffolgenden Platzverweisen gegen GAK und LASK, aus denen wir nur einen Punkt holen konnten, können wir als Mannschaft aber nicht zufrieden sein. Auch die Leistung in der zweiten Cup-Runde gegen Parndorf war alles andere als gut. Im Cup zählt am Ende aber vor allem, dass du eine Runde weiterkommst – und das haben wir geschafft. Jetzt müssen wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
Ich hoffe, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht, denn den werden wir für die kommenden Aufgaben gegen Rapid und Ried brauchen, wenn wir dort auch Punkte holen wollen.
Sind Sie nach den Transfers mit dem Kader zufrieden?
Wir hatten in dieser Transferperiode einen großen Umbruch, der nach der vergangenen Saison auch notwendig war. Gemeinsam mit Präsident Dietmar Riegler und Club-Manager Markus Perchthaler konnten wir viele Transfers bereits frühzeitig abschließen. Dadurch hatten wir den Großteil des Kaders schon zu Beginn der Vorbereitung beisammen, was natürlich ein großer Vorteil war.
Mit Behounek und Vrioni konnten wir zwei Spieler holen, die sehr viel Erfahrung mitbringen und uns im Laufe der Saison sicher helfen werden. Gleichzeitig haben wir mit Hassler, Verhounig und Schabauer einige junge, hungrige Spieler dazubekommen, die richtig darauf brennen, sich in der Bundesliga zu beweisen.
Mit Dominik Fitz ist am Ende des Transferfensters noch ein Spieler dazugekommen, der in Österreich bereits gezeigt hat, was er kann und wie man hier erfolgreich Fußball spielt. Wir wollen ihn wieder zu dieser Stärke bringen.
Unterm Strich haben wir einen guten Kader zusammengestellt. Die Burschen sind hungrig, wollen sich weiterentwickeln und erfolgreich Fußball spielen. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Mannschaft einiges erreichen können.
Der Verpflichtung von Dominik Fitz gingen monatelange Verhandlungen voraus. Warum waren die Gespräche so langwierig und zäh, was brachte letztlich den Durchbruch?
Im Fußballgeschäft ist es ganz normal, dass sich Transfers über mehrere Wochen oder auch Monate ziehen. Natürlich hätte ich Dominik gerne früher bei uns gehabt, weil jeder Trainer seine Spieler am liebsten so schnell wie möglich auf dem Platz hätte. Jetzt ist er da, und das ist das Entscheidende. Er hat sich super in die Mannschaft integriert und wir hoffen natürlich, dass er uns bald auch sportlich weiterhelfen kann.
Hätten Sie gerne einen Spieler gehabt, den Sie nicht verpflichten konnten?
Welcher Trainer hätte das nicht? Gegen einen Rodri, Mbappé oder Haaland hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden gehabt. Aber man muss schon realistisch bleiben. Wir wissen, wo wir stehen und welche Möglichkeiten wir haben. Und ich bin mit dem Kader, den wir zusammengestellt haben, sehr zufrieden.
Einige Leistungsträger der Mannschaft haben den Verein verlassen. Ist dieser Verlust abzufangen?
Natürlich tut es weh, wenn Leistungsträger einen Verein verlassen. Gleichzeitig ist das Fußballgeschäft so. Wir haben mit Spielern wie Vrioni, Mamageishvili oder Fitz versucht, diese Lücken zu schließen. Sie bringen bereits viel Erfahrung mit und haben die Qualität, bei uns Verantwortung zu übernehmen und als Leistungsträger voranzugehen.
Simon Piesinger sagte nach dem Match gegen GAK, der WAC laufe hinter den Gegnern her und gewinne keine Zweikämpfe. Sehen Sie das auch so?
Simon hat mir anscheinend in der Kabine gut zugehört. Genau diese Dinge haben wir nämlich auch klar angesprochen. Natürlich hat die rote Karte für Nico Wimmer nach 15 Minuten das Spiel komplett verändert. Dass wir dann trotzdem noch einen Punkt geholt haben, spricht für die Mannschaft.
Aber klar ist: Ohne Zweikampfführung, Leidenschaft und die Bereitschaft, für den anderen zu laufen, gewinnst du in der Bundesliga kein Spiel. Das habe ich der Mannschaft auch deutlich gesagt. Da müssen wir besser werden.
Wie steht es um die Fitness der WAC-Spieler?
Damit bin ich absolut zufrieden. Wir haben gemeinsam mit meinem Trainerteam in der Vorbereitung sehr viel Wert auf dieses Thema gelegt und die Mannschaft körperlich gut vorbereitet.
Das hat man zum Beispiel auch gegen den GAK gesehen. Wenn du über 80 Minuten in Unterzahl spielst und bis zum Schluss dagegenhältst, zeigt das, dass die Mannschaft körperlich gut beieinander ist.
Wie ist Ihr Einvernehmen mit WAC-Präsident Dietmar Riegler?
Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Wir tauschen uns regelmäßig aus und haben eine gute Gesprächsbasis. Wichtig ist, dass man offen und ehrlich miteinander redet. Mein Ziel ist ganz klar, sein Vertrauen in mich und mein Team mit Leistung zurückzuzahlen.
In der vergangenen Saison kamen Sie in einer schwierigen Phase, konnten das Ruder aber herumreißen. Jetzt heißt es, von diesem Kampfgeist sei nichts mehr zu sehen. Was ist passiert?
Davon habe ich ehrlich gesagt noch nichts mitbekommen. Natürlich war die Situation am Ende der vergangenen Saison eine komplett andere. Wir waren mitten im Abstiegskampf und mussten gemeinsam alles dafür tun, dass der WAC in der Bundesliga bleibt. Das haben wir geschafft.
Bei der Kaderzusammenstellung war mir deshalb auch sehr wichtig, Spieler zu holen, die bereits bewiesen haben, dass sie kämpfen und Verantwortung übernehmen können. Diesen Kampfgeist brauchen wir auch heuer. Fußball ist nicht immer schön, aber wenn du für den WAC auf dem Platz stehst, musst du alles geben.
Wie stehen die Chancen aus Ihrer Sicht, dass der WAC heuer Meister wird?
Das Ziel ist immer, eine möglichst erfolgreiche Saison zu spielen. Der WAC hat 2024/25 mit dem Cup-Sieg und dem Fast-Meistertitel gezeigt, was möglich ist.
Aber wir wissen auch, dass mit dem LASK und Red Bull Salzburg zwei Mannschaften dabei sind, die sehr schwer zu schlagen sein werden. Wir schauen deshalb nicht zu weit voraus. Wir müssen unsere Leistung bringen, von Spiel zu Spiel schauen und dann sehen, was am Ende dabei herauskommt.
Wie sind Sie mit der Atmosphäre im Wolfsberger Stadion zufrieden?
Ich freue mich auf jedes Heimspiel und bin für jeden Fan dankbar, der ins Stadion kommt. Ob 50, 500 oder 5.000 – am Ende kann jeder einzelne Zuschauer der Mannschaft einen Schub geben. Genau das brauchen wir. Wir wollen den Leuten auf den Rängen auch etwas zurückgeben und sie mit unserer Leistung mitnehmen.
Was sagen Sie zur vorhandenen Infrastruktur im WAC-Stadion? Ist sie ausreichend?
Mit dieser Infrastruktur ist der WAC ins internationale Geschäft gekommen und hat den Cup gewonnen. Daher kann man damit definitiv erfolgreich Fußball spielen.
Was die Familie Riegler und ihr Umfeld in Wolfsberg in den vergangenen Jahren aufgebaut und geleistet haben, verdient großen Respekt. Davor ziehe ich den Hut. Natürlich soll und darf sich ein Verein immer weiterentwickeln, aber man darf auch nicht vergessen, wo der WAC herkommt und was hier bereits geschaffen wurde.
Welches Saisonziel haben Sie sich heuer gesetzt?
Wir haben innerhalb der Mannschaft ganz klare Ziele formuliert und arbeiten jeden Tag hart daran. In der ersten Phase steht natürlich der Sprung unter die Top 6 ganz oben auf unserer Liste. Dafür müssen wir konstant unsere Leistung bringen und vor allem die einfachen Dinge wieder richtig gut machen.
Der WAC spielt am Samstag, 12. September, gegen Rapid. Die Wiener Mannschaft ist derzeit sehr stark unterwegs. Was erwarten Sie sich von diesem Spiel?
Mit Rapid kommt natürlich eine sehr starke Mannschaft ins Lavanttal. Sie sind gut in die Meisterschaft gestartet und haben erst im letzten Spiel gegen Salzburg einen Dämpfer bekommen. Leider haben sie es aus österreichischer Sicht nicht geschafft, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Dadurch wird ihr voller Fokus auf der Meisterschaft liegen.
Wir wissen also, was auf uns zukommt. Aber wir brauchen uns auch nicht verstecken. Wir spielen zu Hause und wollen Rapid alles abverlangen. Wir werden die Mannschaft gut auf das Spiel vorbereiten und wollen mit viel Leidenschaft und Disziplin dagegenhalten. Dann schauen wir, was möglich ist.
Wie haben Sie sich im Lavanttal eingelebt?
Absolut gut. Mit den Bergen und Seen in Kärnten fühle ich mich schon ein bisschen an meine Tiroler Heimat erinnert. Das hat mir das Einleben natürlich erleichtert. Und auch die Menschen hier im Lavanttal machen es einem nicht schwer, sich wohlzufühlen. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben.
Waren Sie beim Unfall des Motorboots der Familie Riegler in Triest dabei?
Nein. Da am selben Wochenende das Bundesligaspiel gegen den GAK auf dem Programm stand, war ich mit der Mannschaft in Graz.
Ich habe natürlich davon gehört und war sehr froh, dass der Familie Riegler und ihren Gästen nichts Schlimmeres passiert ist. Das Wichtigste ist am Ende immer, dass alle gesund und unverletzt aus so einer Situation herauskommen.

Von Horst Kakl
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