Gernot Darmann: »Kein Nachteil, wenn jetzt ein Kärntner neuer Bundesparteiobmann der FPÖ ist« Ausgabe 23 | Mittwoch, 9. Juni 2021

Der Lavanttaler Gernot Darmann (45) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über den Rückzug als FPÖ-Landesparteiobmann, seine Rolle als Klubobmann der FPÖ im Landtag, den Strache-Skandal und ob er sich eine politische Funktion im Tal vorstellen kann.

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In der Vorwoche wurde Erwin Angerer zum neuen geschäftsführenden Landesobmann der FPÖ in Kärnten gewählt. Wie ist es zu diesem Schritt gekommen?
Mit diesem Wechsel an der Spitze haben wir dafür gesorgt, dass die FPÖ Kärnten breiter und damit bestmöglich aufgestellt in Richtung Landtagswahl 2023 geht. Erwin Angerer ist nicht nur in seiner Gemeinde Mühldorf ein höchst geschätzter Bürgermeister, sondern ich bin mir sicher, dass er auch ein guter »Bürgermeister« für ganz Kärnten sein wird. Auch das FPÖ-Ergebnis bei den Gemeinderatswahlen in Klagenfurt und die an mich übertragene Verantwortung für die notwendige Aufbauarbeit in Klagenfurt haben zu meiner Entscheidung für den Rückzug als Landesparteichef beigetragen. Mein Schwerpunkt liegt nun bei der Arbeit als Klubobmann im Kärntner Landtag und bei der Führung der Klagenfurter Stadtpartei.

War Ihr Rücktritt schon längere Zeit geplant oder war es eine spontane Aktion? Hatte er etwas mit der Causa Leyroutz zu tun?
Meine Entscheidung, Erwin Angerer als Landesparteiobmann und Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl vorzuschlagen, ist bereits seit Jahresbeginn gereift. Erwin und ich haben dazu viele Gespräche geführt. Mit dem Rückzug von Christian Leyroutz als Landtagsabgeordneter hat das nichts zu tun. Auf Leyroutz ist ja der Afritzer Bürgermeister Max Linder nachgefolgt, damit auch der Bezirk Villach Land eine starke freiheitliche Vertretung im Kärntner Landtag hat.

Was sagen Sie zum doch überraschenden Rücktritt von Norbert Hofer als Bundesparteiobmann?
Sein Rücktritt als Bundesparteiobmann kam auch für mich überraschend. Ich möchte Norbert Hofer für seine Leistungen und seinen großen Einsatz für die FPÖ aufrichtig Danke sagen. Noch nie konnte ein Freiheitlicher so viele Stimmen auf sich vereinen wie Norbert Hofer bei der vergangenen Bundespräsidentenwahl. In Kärnten hatte er sogar in allen Wahlgängen eine klare Mehrheit. Norbert war und ist ein Kamerad, ein Freund und ein Vorbild. Er wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle in der FPÖ spielen.

Was sagen Sie zum neuen Bundesparteiobmann: Ist Herbert Kickl die richtige Entscheidung?
Es war logisch und richtig, dass jetzt der Klubobmann im Nationalrat und der Parteiobmann in einer Person zusammengeführt werden. Auch aus Kärntner Sicht ist es die richtige Entscheidung, weil es kein Nachteil für Kärnten sein kann, wenn ein Kärntner Bundesparteiobmann ist. Darüber hinaus hat Herbert Kickl bei Jörg Haider sein Handwerk gelernt und als Innenminister gezeigt, dass er auch Regierungsarbeit leisten kann und auch in einer Regierung die Interessen der Österreicher hervorragend vertritt.

Was haben Sie von der Doppelspitze Hofer-Kickl gehalten? 
Zum damaligen Zeitpunkt – nach dem Ibiza-Video mit massiven Auswirkungen auf die FPÖ – war es die richtige Entscheidung, dass man sich breiter aufstellt.

Sie galten als Vertrauter von HC Strache. Was waren Ihre ersten Emotionen und Reaktionen, als das Ibiza-Video publik wurde?
Ich war so wie wir alle sehr enttäuscht, da ich so etwas nicht erwartet hatte. Dieses Video bzw. die von deutschen Medien stark zusammen geschnittenen Szenen aus dem Video wurden just zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als die damalige Bundesregierung von ÖVP und FPÖ höchst erfolgreich und vor allem mit starker freiheitlicher Handschrift unterwegs war. Die Österreicher waren mit der Politik insbesondere der freiheitlichen Regierungsmitglieder sehr zufrieden. Damals standen die Interessen der Österreicher im Vordergrund, was man von der aktuellen türkis-grünen Regierung nicht behaupten kann. Noch enttäuschender waren für mich aber die massiven Spesen-Vorwürfe gegen Strache – wir haben dafür auch bei der vergangenen Nationalratswahl von den Wählern die Rechnung präsentiert bekommen.

Haben Sie noch Kontakt mit HC Strache?
Nein. Den letzten Kontakt hatten wir in den Wochen nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos, als ich ihm den Rat gegeben habe, sich aus der Öffentlichkeit und der Politik zurückzuziehen. An diesen Rat hat er sich nicht gehalten und ist bei der Wien-Wahl mit seinen Comeback-Plänen doch deutlich gescheitert.

Sie haben in Ihrer Politkarriere bereits viele Funktionen ausgeübt. Klubobmann im Landtag, Nationalrat, Landtagsabgeordneter, Landesrat. Was war für Sie die schönste Aufgabe und was war die herausforderndste? 
Hier will ich nicht werten. Jede dieser Aufgaben war eine Herausforderung und schön und ich habe sie mit vollem Einsatz ausgeübt.

Sie sind jetzt weiter Klubobmann der FPÖ im Kärntner Landtag. Was möchten Sie erreichen, welche Pläne für die Zukunft gibt es?
Wir sind die Opposition im Landtag und kontrollieren die Regierung. Die FPÖ steht für den Schutz Kärntens. Ein aktuelles Beispiel ist der Schutz der Almen und Berggipfel vor Verbauung und Zerstörung – Stichwort Chalet-Dörfer und Windräder. Zur Bewältigung der Corona-Krise wird es nötig sein, für Kärnten Forderungen gegenüber dem Bund zu definieren und die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Es ist zu wenig, wenn man in der Landesregierung nur verwaltet und seine Verantwortung verschläft.

Wollen Sie im Kärntner Landtag bleiben oder streben Sie wieder ein Nationalratsmandat oder gar ein EU-Mandat an?
Bis 2023 bin ich jedenfalls Klubobmann im Landtag und zusätzlich werde ich mich mit meiner Mannschaft um ein Wiedererstarken der FPÖ in der Landeshauptstadt kümmern. Alles weitere ist Kaffeesudlesen.

Die FPÖ hat eine schwere Zeit hinter sich. In Kärnten hat man keinen Regierungssitz, im Bund ist man in der Opposition. Man hat einige Krisen und interne Streitigkeiten hinter sich. Wie möchte man die Partei wieder nach vorne bringen? 
Mit einer klaren freiheitlichen Politik und Linie. Wie wir seit vergangenem Jahr gesehen haben, ist diese wichtiger denn je, wenn es um die Einschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten und eine selbstbestimmte Zukunft und Freiheit für unsere Jugend geht.

Ist man jetzt wieder in ruhigen Gewässern oder gibt es noch einiges aufzuarbeiten? Wenn noch was aufgearbeitet werden muss, was ist das?
Die Zeit des Aufräumens ist vorbei. Jetzt geht es wieder darum, in die Zukunft zu schauen und Verantwortung zu übernehmen.

Wie ist die Bundesregierung in der Corona-Krise vorgegangen? War das Ihrer Meinung nach in Ordnung, sind viele Fehler passiert – welche. Was hätten Sie anders gemacht? 
Wir hätten weniger Angst- und Panikmache betrieben und mehr auf die Selbstverantwortung der Menschen gesetzt. Es hätte echte Hilfen gegeben, statt leerer Versprechungen – und Sicherheit und Planbarkeit für unsere Familien, Eltern und Kinder sowie die Arbeitnehmer und Unternehmer. Um nur drei Beispiele zu nennen. Eine FPÖ-Regierung hätte in der Krise mit Hausverstand und Respekt gegenüber den Grundrechten gehandelt, statt mit massiven Zwangsmaßnahmen gegenüber der Bevölkerung. Unsere Devise wäre mehr Eigenverantwortung, statt Verbote und Vorschriften!

Sie sind schon sehr lange in der Politik. Wie haben sich das politische Klima und die politische Arbeit in dieser Zeit verändert?
Durch die Digitalisierung samt Facebook und Twitter ist die Politik viel schnelllebiger geworden. Medien versuchen mehr denn je, die Politik zu beeinflussen, auf der anderen Seite hat die Politik gepaart mit Lobbyisten noch nie so viel Druck in Richtung Medien ausgeübt. Die jüngsten Chatprotokolle zeigen hier ein deutliches Bild.

Sie sind ein gebürtiger Lavanttaler. Haben Sie noch viele Kontakte im Lavanttal?
Der Kontakt zum Lavanttal ist selbstverständlich ungebrochen, schon allein aufgrund meiner familiären Wurzeln und dem Elternhaus in Wolfsberg. 

Können Sie sich vorstellen, im Lavanttal eine politische Funktion zu übernehmen?
Vorstellen kann man sich vieles, aber das ist derzeit nicht Teil meiner Lebensplanung.

// Zur Person

Gernot Darmann wurde am 7. Juli 1975 geboren und wuchs in Wolfsberg auf. Er ist seit 2020 mit Andrea verheiratet und Vater zweier Kinder, Falk und Arthur. Darmann maturierte am Stiftsgymnasium in St. Paul, nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er bei der BKS in Klagenfurt. Darmann war von 2006 bis 2009 und 2013 bis 2016 Abgeordneter zum Nationalrat. Von 2016 bis 2018 war er Landesrat in Kärnten und von 2009 bis 2013 sowie seit 2018 Abgeordneter zum Kärntner Landtag. Von 2016 bis Mai 2021 war er FPÖ-Landesparteiobmann.

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