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St. Stefan. Wenn ein Verein auf 125 Jahre Geschichte zurückblickt, dann erzählt er nicht nur von Gipfeln, Wegen und Hütten – sondern von Menschen, die Generationen geprägt haben. Die Naturfreunde Wolfsberg, 1901 gegründet und damit die älteste Naturfreunde‑Gruppe Kärntens, feiern heuer ein Jubiläum.
Die Naturfreunde wurden 1895 in Wien gegründet – als Antwort auf eine Zeit, in der Tourismus noch ein Privileg war. Ihr Ziel: Natur für alle zugänglich machen, leistbare Freizeit ermöglichen und Gemeinschaft leben. Der Wahlspruch »Hand in Hand durch Berg und Land« wurde zum Leitmotiv einer Bewegung, die rasch wuchs. Nur sechs Jahre später, 1901, entstand die erste Naturfreunde‑Gruppe Kärntens – n Wolfsberg. Schon 1911 feierte man das 10‑jährige Bestehen am Weiherplatz, damals mit großer Beteiligung der Bevölkerung. Die Naturfreunde waren gekommen, um zu bleiben. 1934 wurden die Naturfreunde aus politischen Gründen verboten, doch 1946 erfolgte die Neugründung – und mit ihr eine Phase des Aufbruchs, die bis heute nachwirkt.
700 Mitglieder im Tal
Heute zählen die Naturfreunde im Bezirk Wolfsberg rund 700 Mitglieder, 300 davon in Wolfsberg, österreichweit sind es 160.000. Mitglied werden kann jeder – und das Angebot ist breit wie nie zuvor. Rund 40 Veranstaltungen pro Jahr stehen im Kalender der Naturfreunde Wolfsberg: Von Wanderungen in ganz Kärnten und darüber hinaus über mehrtägige Touren, Schneeschuhwanderungen, Radausfahrten und -urlaube – heuer nach Medulin und Südtirol, stehen auf dem Programm.
Ein Fixpunkt im Jahreskalender ist der Wolfsberger Stadtwandertag, der heuer am 20. September bereits zum 15. Mal stattfindet.
Er führt die Naturfreunde
Wenn man über die Naturfreunde Wolfsberg spricht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Hubert Grillitsch. Der 73‑Jährige ist seit 2008 Vorsitzender, seit 45 Jahren Mitglied – und ein Mann, der die Berge nicht nur liebt, sondern lebt. »Mit 20 Jahren hat mich die Begeisterung gepackt«, erzählt er. 36 Mal stand er auf dem Großglockner, »aus allen Richtungen«. Sein höchster Gipfel war der Ortler mit 3.905 Metern. Dazu kommen unzählige Klettersteige, viele davon in Slowenien.
Grillitsch ist bei den meisten Wanderungen der Naturfreunde dabei. »Wir haben meist 20 bis 30 Teilnehmer. Die Schneeschuhtouren boomen – vor allem bei den Frauen«, sagt er. Über Jahrzehnte prägten die Naturfreunde Veranstaltungen, die weit über das Lavanttal hinaus bekannt waren. Die Blütenwanderung Anfang Mai etwa lockte früher bis zu 1.000 Teilnehmer an. 32 Mal wurde sie durchgeführt – ein Stück Vereinsgeschichte. Auch das Naturfreundehaus, das vor über 20 Jahren feierlich eröffnet wurde, ist ein zentraler Treffpunkt der Mitglieder. Die Pächter sind seit zwei Jahrzehnten dieselben – ein Zeichen für Beständigkeit und Vertrauen.
Jubiläumsfeier in St. Stefan
Im Haus der Musik wurde am vergangenen Samstag, 28. März, das Jubiläum gebührend gefeiert. Naturfreunde aus ganz Kärnten aus 36 Ortsgruppen waren gekommen. Bürgermeister Alexander Radl gratulierte zum Jubiläum und bedankte sich bei Grillitsch und seinem Team für die geleisteten Aktivitäten und den Einsatz zum Erhalt des Naturfreundehauses am Klippitztörl.
Für Naturschutzlandesrat Peter Reichmann stand das Jubiläum der Naturfreunde nicht nur für eine lange Tradition, sondern auch für gelebte Werte wie Gemeinschaft, Solidarität und respektvollen Umgang mit der Natur. Für besondere Verdienste um die Naturfreunde Österreich wurden im Rahmen der Feier Josef Schatz, Paul Rau, Emmerich Rassi, Gerhard Grillitsch und Josef Feimuth mit der Ehrennadel in Silber und Fritz Schlagholz sowie Hubert Grillitsch mit der golden Ehrennadel ausgezeichnet.

Von Michael Swersina
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