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Jetzt auch in Wolfsberg: Aufgeklebte Davidsterne wurden abgerissen, Betroffener erstattete Anzeige Ausgabe 44 | Donnerstag, 2. November 2023

Ulrich Habsburg-Lothringen, früher Präsident der österreichisch-israelischen Gesellschaft in Kärnten, klebte aus Solidarität mit Israel erst Zeitungsartikel, dann Davidsterne an sein Tor. Stets wurden sie von Unbekannten entfernt. Er will trotzdem weitermachen.

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Wolfsberg. In Klagenfurt wurde versucht, eine israelische Fahne vor dem Rathaus in Brand zu setzen. In Wien wurde eine Flagge vor dem Stadttempel abgerissen. Und in Wolfsberg werden öffentlich angebrachte Davidsterne von Unbekannten entfernt. Ulrich Habsburg-Lothringen, in der Vergangenheit Präsident der österreichisch-israelischen Gesellschaft in Kärnten, hat Anzeige erstattet.

»Ich werde die Davidsterne weiterhin aufhängen. Vorher muss ich mir neue Druckerpatronen kaufen«
Ulrich Habsburg-Lothringen will nicht nachgeben

Habsburg: »Ich habe an das Tor vor meinem Grundstück am 13. Oktober einen Zeitungsartikel geklebt, in dem über die Bestrahlung des österreichischen Parlaments mit den Nationalfarben Israels berichtet wurde. Am 23. Oktober um 7 Uhr habe ich gesehen, dass der Artikel verschwunden war.« Noch am gleichen Tag klebte der 82-Jährige einen blauen Davidstern auf weißem Grund an das Tor. »Tags darauf sah ich kurz vor zwölf Uhr – er war weg.« Abermals brachte er das Symbol des Volkes Israel und des Judentums am Tor an. Wieder wurde es abgerissen. 

Anzeige bei der Polizei

Am 24. Oktober wandte sich Habsburg an die Behörde: »Ich habe bei der Wolfsberger Polizei Anzeige erstattet. Mir wurde gesagt, dass sei der erste Fall, der in der Stadt bekannt wurde, man werde es nach Klagenfurt weitermelden.«

Der Wolfsberger hatte mit seinen Aktionen keine Provokation im Sinn: »Ich war früher Präsident der österreichisch-israelischen Gesellschaft in Kärnten und habe die Aushänge aus Solidarität mit dem israelischen Volk gemacht. Dass sie jetzt drei Mal abgerissen wurden, zeigt, dass die Problematik auch uns in Österreich zunehmend beschäftigt.« Mittlerweile würden viele Menschen im Land leben, die auf der einen oder anderen Seite des Problems stehen.

Habsburg: »Mit der verstärkten Migration kamen Gruppen zu unserer Gesellschaft, die das Problem des Antisemitismus wieder aktiviert haben. Und wenn sogar Staaten innerhalb der Vereinten Nationen sagen können, man soll die Juden ins Meer treiben, ist das ein mörderisches Verhalten.« Er sieht es als »Armutszeugnis für Religionen, die einen Eingottglauben praktizieren, solche Ausgrenzungen zu erlauben«.

Erfahrung mit Drohungen

Habsburg sagt, er habe Erfahrungen mit Drohungen: Von 1993 bis 1997, als Franz Fuchs Briefbomben verschickte, erhielt Habsburg auf dem Postweg Drohungen. »Sie hatten neonazistischen Hintergrund. Auch damals erstattete ich Anzeige, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen aber ein«, erzählt der Wolfsberger.

Nachgeben will er jetzt nicht: »Ich werde die Davidsterne weiter aufhängen. Vorher muss ich mir neue Druckerpatronen kaufen.«

Am Samstag, 7. Oktober, hatte die Hamas, eine palästinensische national-islamistische Bewegung, die als Terrororganisation eingestuft wird, einen Angriff auf Israel gestartet. Durch Raketenbeschuss und beim Vordringen von Hamas-Mitgliedern auf israelischen Boden wurden rund 1.400 Menschen getötet und mehr als 220 in den Gazastreifen verschleppt. Es war die höchste Opferzahl, die Juden seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Tag erlebten.

Der Wolfsberger Harry Koller, der derzeitige Präsident der österreichisch-israelischen Gesellschaft in Kärnten, sprach in einem Interview mit den Unterkärntner Nachrichten (siehe Ausgabe 42/2023) von einem »Abschlachten von Menschen« und verurteilte die folgenden propalästinensischen Demonstrationen in Wien.

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