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Wegen Urlaubs: Eine Woche lang gab es keine kinderärztliche Versorgung im Bezirk WolfsbergAusgabe 24 | Mittwoch, 14. Juni 2023

Alle drei Lavanttaler Kinderärzte waren in der Vorwoche auf Urlaub. Eltern mussten ihre kranken Kinder in das Eltern-Kinder-Zentrum in Klagenfurt oder einem Kinderarzt in einen Nachbarbezirk bringen. Unverständnis dafür gibt es von Politik und der Ärztekammer.

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Wolfsberg. Wer in der Vorwoche im Lavanttal einen Kinderarzt benötigte, stand allein auf weiter Flur. Alle drei Kinderärzte waren nämlich zur gleichen Zeit auf Urlaub. Wer also bei einem der Ärzte anrief, erhielt eine Tonbanddurchsage, dass die Ordination wegen Urlaubs geschlossen sei. Einmal hieß es: »Vertretung sind alle anderen Kinderärzte im Tal«. Nur waren die auch auf Urlaub. Im Bezirk gibt es drei niedergelassene Kinderärzte, zwei Kassenärzte und ein Wahlarzt. 

Das sorgte bei einigen Eltern, aber auch Politikern für Unmut. »Warum können die sich das nicht ausreden und gehen alle zur gleichen Zeit auf Urlaub. Auf der Website von einer Ärztin ist zu finden, dass es wegen des Schönsonntagmarkts ist. Das ist doch kompletter Blödsinn«, so eine verärgerte Mutter.

Monika Hasenbichler von der Kurie der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer sagt dazu: »Es ist grundsätzlich so geregelt, dass ein Vertragsarzt für eine Vertretung zu sorgen hat, wenn er auf Urlaub ist. Wir sensibilisieren die Ärzte auch und bitten immer wieder um Koordination. Dass hier nun alle drei Kinderärzte des Bezirks Wolfsberg zur gleichen Zeit im Urlaub sind, werden wir sicher besprechen müssen. Das ist jetzt wirklich eine äußerst missliche Situation.«

Kritik der Politik

Heftige Kritik kommt von der Wolfsberger FPÖ-Stadträtin Isabella Theuermann. Seit Jahren kritisiert sie »das Totalversagen der SPÖ-Gesundheitsreferentin Beate Prettner in Bezug auf die kinderärztliche Versorgung im Lavanttal.« 

Weiters meint Theuermann: »In vielen Gemeinderatssitzungen wurde von Seite der SPÖ die kinderärztliche Versorgung im Bezirk als hervorragend bezeichnet, was ein Schlag ins Gesicht vieler Kinder und Eltern ist. Eine Politik des Schönredens und Wegschauens ist für mich inakzeptabel.« Darüber hinaus kritisierte Theuermann die SPÖ dafür, dass sie sich nicht für eine Lösung der kinderärztlichen Unterversorgung an Wochenenden im Bezirk Wolfsberg eingesetzt hat.

Primus dazu: »Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass alle drei Kinderärzte zur gleichen Zeit Urlaub nehmen und sich nicht im Vorfeld abgesprochen haben und für eine Vertretung gesorgt haben. Aber ich habe hier keine Handhabe. Ich hoffe, dass sich die drei Ärzte künftig bei der Urlaubsplanung besser abstimmen werden.«   

Auch Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer meldete sich in der Angelegenheit zu Wort: »Die aktuelle Entwicklung hat sich bereits in den vergangenen Jahren begonnen abzuzeichnen. Gerade periphere Gebiete abseits der Ballungszentren Villach und Klagenfurt sind ganz klar benachteiligt. In manchen Bezirken ist ein Kinderarzt-Mangel offenkundig. Wir werden auch in diesem Segment mehr Kassenstellen benötigen bzw. zumindest ein Angebot in Spitälern abseits von Villach und Klagenfurt.«

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