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St. Andrä. Für Verwunderung, Diskussionen und durchaus unterschiedliche Ansichten sorgt derzeit ein Projekt in der Bischofsstadt. Dort wurde ein Antrag zur Errichtung eines Friedparks eingereicht, der an der Nordseite der Loretowiese angelegt werden soll – in unmittelbarer Nachbarschaft zur Basilika Maria Loreto.
Erstaunlich ist, wer den Antrag gestellt hat: Es soll sich dabei um ein Unternehmen des Milliardärs Henning Conle handeln. Dechant Gerfried Sitar, Pfarrer von St. Andrä, spricht aus, was viele denken: »Was hat Conle mit dem Tod zu tun?« Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) steht dem Vorhaben positiv gegenüber.
Knauder bestätigt, dass ein Antrag für einen Friedpark eingebracht wurde und Kontakt mit einem Mitarbeiter einer Firma Conles, die sich mit Immobilienverwaltung befasst, bestehe. Die Bürgermeisterin: »Ich stehe dem Projekt positiv gegenüber, denn jeder Park ist eine Bereicherung, insbesondere deshalb, weil St. Andrä heuer zu den Spitzenreitern bei den Temperaturen zählte. Jede Begrünung ist deshalb gut.«
»Ich stehe dem Projekt positiv gegenüber, denn jeder Park ist eine Bereicherung«
Maria Knauder, Bürgermeisterin
Um Missverständnisse zu vermeiden: Was ist im vorliegenden Fall exakt unter einem Friedpark zu verstehen? Die Bürgermeisterin: »Es sollen Bäume gepflanzt werden, bei denen die Urnen Verstorbener begraben werden. Der Friedpark soll auf der Loretowiese Richtung Basilika liegen.« Der Antrag sei laut Knauder vor längerer Zeit eingereicht worden und soll – voraussichtlich – in der Sitzung des Gemeinderats am 29. September behandelt werden.
In St. Andrä wird gemunkelt, die Begeisterung von ÖVP-Vizebürgermeisters Maximilian Peter halte sich in Grenzen.
Peter bestätigt das nicht. Er sagt: »Es geht um die Umwidmung eines Teils der Loretowiese. Die Hintergründe des Antrags sind mir nicht bekannt, ich werde mich im Gemeinderat dazu äußern. Jetzt ist es noch zu früh.«
Die Sicht auf die Basilika
Dechant Sitar hält dagegen mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: »Wenn dort Bäume gepflanzt werden, die im Lauf der Zeit die Sicht auf die Basilika von der Loretowiese aus verdecken – und damit die schönste Seite der Kirche –, ist das nicht die Situation, die ich mir wünsche.« Ein wichtiger Teil des Gackerns sei die Silhouette der Basilika. »Wenn die nicht mehr sichtbar ist, ist das nicht gut«, so Sitar, der die Motive des Eigentümers nicht versteht: »Was hat er mit dem Tod zu tun?«
Der Dechant fügt an: »Allerdings kenne ich keine Details des Projekts, was die Beurteilung schwierig macht. Und Bäume wachsen langsam – aber es geht auch um die Zukunft.«
»Wenn die Basilika Maria Loreto nicht mehr sichtbar ist, ist das nicht gut«
Gerfried Sitar, Pfarrer von St. Andrä
Die Unterkärntner Nachrichten fragten bei der Immobilienverwaltung, als deren Geschäftsführer laut der Website »FirmenABC« Henning Conle fungiert, um eine Stellungnahme an. Ein erbetener Rückruf traf bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht ein, auch ein E-Mail blieb unbeantwortet. Damit bleibt vorerst im Dunklen, warum der deutsch-schweizerische Immobilienunternehmer und Milliardär, der in vielen Ländern geschäftlich tätig ist, sich nun mit Bestattungen im Lavanttal befassen möchte.
Allerdings: Conle verfügt im Bezirk Wolfsberg über ausgedehnten Landbesitz, darunter auch Straßen in der Burgstall-Siedlung in St. Andrä. In der Vorwoche berichteten wir über Bestrebungen, sie ins öffentliche Gut zu überstellen.
Auch diese Straßen waren Teil der früheren Jesuitengründe im Lavanttal, die Conle 2021 erworben hat: 173,6 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen in St. Andrä, Wolfsberg und St. Paul, darunter die Loretowiese, auf der seit Jahrzehnten das »Gackern« stattfindet.
Es gibt weiteres Eigentum
Der Immobilienbesitz des Milliardärs reicht aber weiter: Seit 2002 gehört ihm ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb im Lavanttal. Und im Dezember 2025 wurde bekannt, dass ein Unternehmen Conles mit Sitz in Vaduz in Liechtenstein jene Gesellschaft gekauft hat, in deren Eigentum sich Schloss Thürn befand.

Von Horst Kakl
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