Was ist da los? Bronchitis und Infektionen der Atemwege klettern in Bad St. Leonhard in die HöheAusgabe 47 | Mittwoch, 20. November 2019

Andreas Koitz, Sprecher der Grünen-Ortsgruppe schlägt Alarm: Die Luft in der Gemeinde verursache gesundheitliche Probleme, was die Ärztin Elisabeth Lackner bestätigt. Beide fordern Messungen der Luftgüte. Laut Vizebürgermeister Dohr »passt« die Qualität.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Dicke Luft in Bad St. Leonhard? Laut Grünen-Chef Andreas Koitz haben Land und Gemeinde bisher Überprüfungen verweigert. Foto: Hok

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Bad St. Leonhard. Die Entwicklung ist besorgniserregend: Im Kurort Bad St. Leonhard steigen Fälle von Atemwegsinfekten und Bronchitis laut der Medizinerin Elisabeth Lackner immer mehr an. Andreas Koitz, Sprecher der Grünen-Ortsgruppe, schlägt Alarm. 

»Ich will eine komplette Luftgütemessung, um dieser Entwicklung begegnen zu können«, sagt Koitz. Denn die Wirtschaft sei wichtig für die Stadtentwicklung, »wir müssen aber auch schauen, woher die Luftbelastung kommt und was wir dagegen machen können.« Laut dem Grünen-Obmann weigerten sich Land und Gemeinde bisher, die Güte der Luft zu messen. Doch jetzt soll eine Messanlage aus dem Tal nach Bad St. Leonhard verlegt werden.

»Ja, einen Anstieg der Erkrankungen kann ich bestätigen«
Elisabeth Lackner, Ärztin in Bad St. Leonhard

Lackner bestätigt den Anstieg der Erkrankungen: »Ja, das ist so. Ich ordiniere seit 1995 in Bad St. Leonhard und seither geht die Häufigkeit von Atemwegsinfektionen und Bronchitis – vor allem bei Kindern – in die Höhe.« Über die Ursachen kann die Medizinerin keine Angaben machen, sie sagt aber: »Man muss schauen, dass die Industrie die Hausaufgaben erfüllt und in ihren Anlagen Filter einbaut.« Die Forderung nach exakten Messungen unterstützt Lackner: »Wir müssen den Ist-Zustand erheben und herausfinden, wie hoch die Feinstaub-Belastung tatsächlich ist. Sind diese Werte vorhanden, können die Betriebe kontrolliert und überprüft werden, ob die Auflagen eingehalten werden.«

Laut der Medizinerin sind die Veränderungen auch unmittelbar bemerkbar: »Diesen Nebel, der jetzt oft liegt, gab es meiner Ansicht nach früher nicht in diesem Ausmaß. Die Nebeltage nehmen zu.« Sieht sie den Status als Kurort gefährdet? »Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe manchmal Zweifel, gerade in der jetzigen Jahreszeit.«

Der Bad St. Leonharder Bürgermeister Simon Maier (SPÖ) war nicht erreichbar. Vizebürgermeister Dieter Dohr (Liste Dohr) bezweifelt die Dramatik der Situation: »Es gab 2010 eine Anfrage im Land, nach der es hieß, die Luftqualität passt, Messungen seien nicht nötig. Den Ruf danach gab es schon vor Jahren. Wir haben im Ort Wind in Richtung Nordost, daher gibt es weder Luft- noch Feinstaubprobleme.« 

Dohr sagt auch: »Wenn es Beschwerden gibt, kann man sich an mich wenden. Ich treffe Dr. Lackner sehr oft, wurde von ihr aber noch nie angesprochen.« Und in Richtung Koitz meint er: »Gut, dass die Grünen jetzt aktiv werden, denn bisher waren sie es nicht. Sie sitzen seit 2015 im Gemeinderat, waren aber nie im Ausschuss und haben noch nie einen Antrag gestellt.« Trotzdem: Woher könnte die schlechte Luft kommen? Dohr: »Ich habe keine Studien dazu und kann nicht sagen, was sein könnte. Es gibt Zuständige im Land, die sich damit befassen könnten. Außerdem müsste die Luft in Frantschach-St. Gertraud schlechter sein ...«

Messstation soll kommen

Am Freitag, 15. November, fand im Gasthaus Bärnthaler der »1. Grüne Bürgerdialog« mit etwa 30 Teilnehmern statt. Koitz kündigte dort am Rande an, dass eine Messstation aus dem Tal für sechs Monate bis ein Jahr nach Bad St. Leonhard verlegt werden soll. »Noch heuer«, hoffte der Grüne-Obmann. Die Messungen sollen zumindest groben Aufschluss über die Luftqualität geben.

Bei der Veranstaltung dabei war auch der Bad St. Leonharder Gesundheitsstadtrat Heinz Joham (Liste Dohr). Er meinte, ihm seien keine dramatischen gesundheitlichen Probleme bekannt. Die Medizinerin Lackner sollte auch teilnehmen, war aber verhindert.  

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