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Kräuterbauer Simon Quendler zeigt in St. Andrä, wie moderne Landwirtschaft funktionieren kannAusgabe 16 | Mittwoch, 15. April 2026

Im Vorjahr nahm der 35-Jährige in St. Andrä eine Zuchtanlage in Betrieb, in der Keimlinge von Gemüse- und Kräuterpflanzen wachsen. Geliefert wird an die Hotellerie und Gastronomie. Auf rund acht Hektar Fläche wachsen außerdem jedes Jahr mehrere Tonnen Kräuter.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Simon Quendler mit Lebensgefährtin Sabrina Haßler und den beiden Söhnen Alexander und Lorenz in der Microgreens-Anlage, die im September des Vorjahrs in Betrieb genommen wurde. Unten: Auf rund 100 Quadratmetern sprießen unterschiedliche Keimlinge. Fotos: KK/privat (1), Tripolt (1)

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St. Andrä. Kräuterbauer Simon Quendler (35) hat in St. Andrä im Vorjahr einen Schritt in die moderne Landwirtschaft gewagt. In einer speziellen Anlage wachsen sogenannte »Microgreens«, also Keimlinge von Gemüse- und Kräuterpflanzen, die schon nach wenigen Tagen für den Verkauf bereitstehen. Dass es zu dieser Investition kam, war vor ein paar Jahren noch nicht absehbar.

Der Betrieb seiner Eltern war ursprünglich auf Fruchtsäfte spezialisiert: Bauern aus der Umgebung brachten ihr Obst zur Verarbeitung, Most und Apfelsaft wurden verkauft. Doch Quendler schlug einen anderen Weg als die Obstverarbeitung ein. Nach Volks- und Hauptschule in St. Andrä sowie einem Jahr an der LFS Goldbrunnhof zog es ihn an die Weinbau- und Kellereischule Silberberg in der Steiermark. Es folgten Arbeitsjahre auf landwirtschaftlichen Betrieben im In- und Ausland, unter anderem in Ungarn und Rumänien. 2016 kehrte er schließlich auf den elterlichen Hof zurück.

Die klassische Obstverarbeitung hätte hohe Investitionen erfordert, um mit modernen Standards mitzuhalten. Also entschied er sich für einen Neuanfang – mit Kräutern. Was zunächst als Versuch begann, entwickelte schnell eine Eigendynamik. »Ich habe mit 5.000 Jungpflanzen angefangen, einfach um zu sehen, ob es funktioniert«, erzählt der 35-Jährige. Ein Jahr später war es bereits ein Hektar Anbaufläche. Es folgten der Bau einer Trocknungsanlage und die Errichtung einer Grünsortieranlage.

Quendler: »Bevor wir gebaut haben, haben wir versucht zu erfassen, wie groß der Bedarf ist und wer die Kräuter überhaupt brauchen kann.« Mit der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft im Mühlviertel und der Firma Waldland im Waldviertel fand er zwei Partner, mit denen er nun schon seit Jahren zusammenarbeitet. Parallel dazu setzte Quendler auf ein zweites Standbein: die Direktvermarktung. »Wir wollten unser Risiko streuen und mehr Sicherheit haben.« Was klein in regionalen Hofläden und Lagerhäusern begann, führte schließlich zu Listungen bei großen Handelsketten wie Rewe und Spar.

Mittlerweile bewirtschaftet der Betrieb rund acht Hektar Kräuterfläche und ist ein Vollerwerbsbetrieb. Ergänzend wurde auch im Gemüsebereich experimentiert. Eingelegte Spezialitäten wie Rote Rüben, Sellerie oder Kärntner Jausensalat gehören inzwischen ebenso zum Sortiment wie Sauerkraut.

Die Microgreens-Produktion
Den wohl größten Innovationsschritt ging Quendler jedoch im vergangenen Jahr mit der Indoor-Produktion von Microgreens. Inspiriert von modernen Anbaumethoden und nach intensiver Recherche entstand eine rund 100 Quadratmeter große Anlage, die ganzjährig läuft. Die Technik dahinter ist komplex: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff werden konstant überwacht, die Abläufe softwaregesteuert. »Ich gebe ein, wann ich ernten will – und das System erstellt den gesamten Anbauplan«, so der Kräuterbauer. »Erst bei Bestellung wird abgepackt und diese Frische ist unsere große Stärke«, weiß Quendler, der im Betrieb von seiner Lebensgefährtin Sabrina Haßler unterstützt wird. Zusammen hat das Paar zwei Söhne: Alexander (4) und Lorenz (2).

Geliefert werden die Micro-greens des Familienbetriebs vor allem an Gastronomie und Hotellerie, insbesondere im mittleren bis gehobenen Segment. Die Logistik ist straff organisiert: Bestellungen kommen im Zwei-Tages-Rhythmus, am Vormittag wird verpackt, am Nachmittag oder in der Nacht abgeholt.

Spätestens am nächsten Tag hat der Händler die Ware«, sagt Simon Quendler. Wichtiger Partner dabei ist »Kärnten Taufrisch«. Eine zentrale Rolle spielt für die Microgreens-Anlage die Nachhaltigkeit. Das Wasser stammt aus einer eigenen Quelle, der Strom wird über eine Photovoltaikanlage erzeugt. Doch auch wenn jetzt alles wie ein »Selbstläufer« aussieht, sagt Quendler: »Ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Es hat nicht vom ersten Tag an alles funktioniert, schlaflose Nächte gab es einige. Aber ich habe gesagt: Ich mache weiter. Es gibt kein Zurück.« Heute produziert der Betrieb jährlich tonnenweise getrocknete Kräuter, die über den Großhandel international weiterverarbeitet werden – bis in die USA, Frankreich oder Deutschland. 

Die Microgreens-Anlage, erst seit September in Betrieb, läuft aktuell bei rund 80 Prozent Auslastung – Tendenz steigend. »Im Sommer werden wir bei 100 Prozent sein«, ist Quendler überzeugt. Eine Erweiterung ist bereits eingeplant, doch »zuerst muss alles auf gesunden Beinen stehen«, sagt der 35-Jährige.

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