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Wolfsberg, Güssing. Mit ihrem neuen Roman »Bakunins Töchter«, der am 7. April erscheint, widmet sich Elisabeth Lexer einem ebenso vielschichtigen wie zeitlosen Thema: dem Spannungsfeld zwischen Idealismus, Lebensrealität und der Frage nach Wahrheit und Verantwortung. Auf 212 Seiten entfaltet die aus Wolfsberg stammende Autorin eine ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Geschichte, die in den rebellischen 1970er-Jahren ihren Ausgang nimmt und bis in die Gegenwart reicht.
Lexer, die heute im Südburgenland nahe Güssing lebt, veröffentlichte 2022 die Novelle »Fluchttiere« und kündigte damals im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten bereits einen Roman an, der von einem Dorf handelt, das hauptsächlich von Frauen bewohnt und in dem eine ganz andere Gesellschaftsform gelebt wird.
Im Zentrum dieses nun erscheinenden Romans steht eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft: In den 1970er-Jahren lässt sich eine Gruppe aus radikal Linken, Feministinnen, Hippies und Aussteigerinnen in den Arbeiterhäusern eines Gutshofs an der Grenze nieder. Ihr Ziel: die Verwirklichung einer idealen Gesellschaft. Jahrzehnte später sind von diesem ambitionierten Projekt nur noch sechs Frauen übrig geblieben. Eine von ihnen ist Dora, die als Erzählerin mit viel Ironie und Selbstkritik auf die Vergangenheit zurückblickt. »Es ist genau dieser Roman geworden, den ich 2022 angekündigt habe«, sagt Lexer und lacht. Besonders gereizt habe sie die Vorstellung eines alternativen Lebensmodells: »Frauen, die nicht ins Altersheim gehen, sondern lange gemeinsam gut durchkommen – diese Idee hat mir sehr gefallen.«
Doch die Geschichte bleibt nicht in nostalgischen Rückblicken stehen. Als mit Hilli eine der Frauen stirbt, beginnt die Vergangenheit zu bröckeln. Ein lange verdrängtes Ereignis droht ans Licht zu kommen – und mit ihm die Frage nach Schuld, Wahrheit und Loyalität. Zusätzliche Unruhe bringt Carla, die Schwiegertochter der Verstorbenen, ins Gefüge: »Sie ist neugierig, stellt unangenehme Fragen. Und genau da beginnt das Dilemma zwischen Frauensolidarität und dem Wunsch, sich selbst zu schützen«, erzählt Lexer.
Richtig oder falsch
Dabei geht es der Autorin aber nie um einfache Antworten. Vielmehr stellt sie bewusst die Grauzonen menschlichen Handelns in den Mittelpunkt: »Was ist gut, was ist böse, was ist richtig oder falsch – das lässt sich oft nicht eindeutig beurteilen. Es gibt immer mehrere Blickwinkel.« Ein zweiter Erzählstrang greift zudem ein Stück Zeitgeschichte auf. Die Besitzerin des Grenzhofs blickt auf ihre eigene Familiengeschichte zurück – geprägt von Vertreibung, nationalsozialistischer Vergangenheit und jahrzehntelangem Schweigen. »Viele Dinge wurden damals einfach unter den Teppich gekehrt«, sagt Lexer, der es gerade deshalb ein Anliegen ist, zu zeigen, »dass man über Dinge reden soll, bevor man jemanden beschuldigt«.
Trotz dieser ernsten Themen verzichtet »Bakunins Töchter« bewusst auf einen moralischen Zeigefinger. Im Gegenteil: Der Roman ist durchzogen von Sprachwitz und feiner Ironie. »Er ist leicht zu lesen und auch ziemlich witzig«, betont die Autorin. Feminismus, Zeitgeschichte und gesellschaftliche Fragen würden »einfach so hineinrutschen, ohne aufdringlich zu sein«.
Die 60-Jährige Autorin, die ihre Kindheit in St. Margarethen verbrachte und später das Stiftsgymnasium St. Paul besuchte und danach Germanistik in Wien studierte, arbeitet seit 2014 intensiv als Schriftstellerin. Für das Manuskript des aktuellen Buchs wurde sie bereits mit dem Literaturpreis der Burgenland-Stiftung Theodor Kery ausgezeichnet.
Das Cover des Buches stammt übrigens von Renate Holpfer. Erhältlich ist »Bakunins Töchter« ab kommendem Dienstag, 7. April, in allen Buchhandlungen sowie im Online-Shop des Verlags unter shop.lexliszt12.at.

Von Philipp Tripolt
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