Artikel
Wolfsberg. Seit Jahren setzt sich der Wolfsberger Stephan Stückler für Natur- und Klimaschutz im Lavanttal ein. Der 37-Jährige koordiniert im Rahmen der Initiative »Blühendes Unterkärnten« zahlreiche Projekte rund um Biodiversität, Streuobstwiesen und Artenschutz. Sein Ziel: die einzigartige Natur der Region zu bewahren – und gleichzeitig möglichst viele Menschen dafür zu begeistern.
Nach der Matura am Stiftsgymnasium St. Paul zog es ihn nach Graz, wo er Umweltsystemwissenschaften mit dem Fachschwerpunkt Geografie studierte. »Meine Masterarbeit habe ich bereits zu Themen geschrieben, die das Lavanttal betreffen«, sagt er. Nach dem Studium führte ihn sein beruflicher Weg direkt ins Projektmanagement – mit klarem Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimathemen. »Ich habe eigentlich immer in Bereichen wie Klima, Umwelt und Naturschutz gearbeitet und beschäftige mich auch heute noch in verschiedenen Projekten mit diesen Schwerpunkten«, erklärt Stückler.
Derzeit liegt sein Hauptaugenmerk auf der Initiative »Blühendes Unterkärnten«, wie er sagt: »Wir haben in den vergangenen Jahren einige Projekte realisiert.« Ein zentrales Thema ist dabei der Erhalt der traditionellen Streuobstwiesen, denn: »Unsere Region war und ist bekannt für ihre Streuobstwiesen. Aber der Bestand ist in den vergangenen Jahrzehnten extrem zurückgegangen.« Die Gründe dafür seien vielfältig. »Große Obstbäume zu bewirtschaften bedeutet viel Arbeit. Man braucht viele Leute oder Maschinen, um das Obst zu ernten«, erklärt er. Gleichzeitig habe sich die landwirtschaftliche Nutzung verändert. »Der Ackerbau hat zugenommen und die Bäume waren dann oft eher im Weg. Auch Krankheiten haben viele Bestände dezimiert«, gibt Stückler Einblick.
Dabei sind Streuobstwiesen ökologisch besonders wertvoll. »Bei großen Bäumen spielt sich im Bereich Biodiversität extrem viel ab – in der Rinde, in Höhlen, im gesamten Umfeld. Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. In einer einzigen Wiese können bis zu 3.000 Tier- und Pflanzenarten vorkommen«, betont Stückler. Der Wolfsberger ist verheiratet mit Manja Stückler. Gemeinsam haben sie einen sieben Monate alten Sohn, der Milan heißt. Seine Freizeit widmet der 37-Jährige vor allem seiner Familie. »Ich werkle auch gerne im Garten, bin gerne in der Natur und mache gerne Sport«, sagt Stückler.
Konkrete Maßnahmen setzen
Um diesem Verlust entgegenzuwirken, setzt das Projekt auf konkrete Maßnahmen. Eine davon ist die kostenlose Ausgabe hochstämmiger Obstbäume. »Wir haben 2018 mit dem Projekt begonnen und seit damals rund 6.000 bis 7.000 Obstbäume ausgegeben«, berichtet Stückler. Apfel-, Birnen- und Zwetschkenbäume werden dabei kostenlos an Interessierte abgegeben. »Diese Bäume werden zehn bis fünfzehn Meter hoch. Das sind also keine Bäume, die man einfach in den Hausgarten setzt.« Der ökologische Effekt kann durch das Setzen solcher Bäume enorm sein. »Wenn darunter eine Wiese wächst, die nicht regelmäßig vom Rasenroboter gemäht wird, kann dort ein kleines Ökosystem entstehen«, erklärt er. Ergänzend dazu werden auch Nistkästen für Vögel verteilt. »Am Samstag, dem 21. März, geben wir beim Lagerhaus in Wolfsberg wieder Nistkästen für Meisen und Stare aus«, informiert Stückler.
Eine weitere Initiative ist die Saatgutaktion. »Gemeinsam mit der Kärntner Saatbau haben wir eine eigene Saatgutmischung entwickelt. Diese wird im Frühjahr an die Gemeinden verteilt. Die Bürger können sich das Saatgut holen und im eigenen Garten ein paar Quadratmeter den Tieren überlassen – so entsteht eine kleine Wildblumenwiese.«
Ein ebenso erfolgreiches Projekt an dem Stückler maßgeblich beteiligt war und ist, ist der Stadtobstgarten in Wolfsberg. »Dort wollen wir zeigen, wie naturnahe Gartengestaltung funktionieren kann«, erklärt Stückler. Der Garten ist bewusst in drei Bereiche gegliedert: einen klassischen Hausgarten, einen wilden Gartenbereich und eine Streuobstwiese. Informationstafeln vermitteln Wissen über Streuobst, Artenvielfalt und Lebensräume.
Teil seiner Arbeit ist auch die Bestimmung von Obstsorten. »Wenn selbst die Pomologin nicht weiß, welche Sorte es ist, schicken wir Proben ein«, erzählt Stückler. Dabei habe sich gezeigt, dass es im Lavanttal einige einzigartige Sorten gibt. »Teilweise gibt es nur noch ein oder zwei Bäume einer Sorte. Wenn diese verschwinden, ist die Sorte endgültig verloren«, sagt der 37-Jährige. Um das zu verhindern, werden sogenannte Edelreißer geschnitten und neue Bäume gezogen.
Artenschutzprojekt Zwergohreule
Neben Pflanzen steht mittlerweile auch eine seltene Vogelart im Fokus: die Zwergohreule. Für sie wird ein eigenes Artenschutzprojekt nun auch im Lavanttal Fuß fassen. »Das Artenschutzprojekt wurde ursprünglich vom Land Kärnten und BirdLife gestartet. Die Eule ist in Österreich stark gefährdet. 2025 gab es in Kärnten etwa 45 Brutpaare – die meisten in ganz Österreich«, erklärt Stückler.
Im Lavanttal gibt es bisher noch kein bestätigtes Brutpaar, doch das soll sich möglichst bald ändern. »Es gibt Gesangsnachweise, aber noch keine offiziellen Bruten«, sagt Stückler. Gemeinsam mit den Experten Ernst Modritsch und Gerald Malle wird das Projekt ins Lavanttal ausgeweitet. Ein wichtiger Schritt dafür ist ein Informationsabend, der am kommenden Freitag, 20. März, an der Landwirtschaftlichen Fachschule Buchhof stattfindet. Beginn ist um 18 Uhr. »Dort erfährt man alles über Lebensraum, Verhalten und Schutz der Zwergohreule«, so Stückler. Gleichzeitig werden Nistkästen ausgegeben. Angesprochen fühlen sollen sich vor allem Besitzer von Streuobstwiesen. »Die Zwergohreule ist sehr stark an diesen Lebensraum gebunden. Sie ernährt sich vor allem von Schmetterlingen, Zikaden und Heuschrecken – deshalb findet sie in Streuobstwiesen ideale Bedingungen«, weiß der 37-Jährige.
Besonders faszinierend ist auch ihr Zugverhalten. »Die Zwergohreule ist die einzige Eulenart Europas, die im Winter nach Afrika zieht. Sie fliegt bis in die Sahelzone. Wenn wir geeignete Lebensräume schaffen und Nistkästen anbieten, kann es durchaus sein, dass sich bald Brutpaare im Lavanttal ansiedeln«, sagt der Wolfsberger.
Alle weiteren Infos gibt es auch unter www.bluehendes-unterkaernten.at bzw. unter www.zwergohreule.at.

Von Philipp Tripolt
Kräuterbauer Simon Quendler zeigt in St. Andrä, wie moderne Landwirtschaft funktionieren kann
Rallye-Pilot Maximilian Lichtenegger (21): »Ich war schon als Kind dabei, als mein Vater gefahren ist«
Miriam Findenig (29) ist die neue Marktprinzessin: »Ich freue mich sehr, die Märkte zu repräsentieren«
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!