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Wolfgang Weißhaupt: »Die Wetterkapriolen werden zunehmen und noch extremer werden«Ausgabe 18 | Donnerstag, 4. Mai 2023

Bezirksfeuerwehrkommandant Wolfgang Weißhaupt (58) spricht über die Trockenheit im Tal und die Wasserlieferungen durch die Feuerwehren, immer extremere Unwetter und wie es um die 35 Freiwilligen und zwei Betriebsfeuerwehren im Lavanttal steht.

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In den vergangenen Monaten herrschte in einigen Gebieten des Lavanttals extreme Trockenheit. Hat sich die Situation mittlerweile verbessert?
Das Problem sind die Quellschüttungen. Bis sich das erholt, braucht es einige Zeit. Durch die beiden vergangenen trockenen Jahre sind die Schüttungen ohnehin zurückgegangen, nun kommt der niederschlagsarme Winter hinzu. Es bräuchte definitiv noch mehr Regen. Man darf auch nicht vergessen, dass es einige Gebiete gibt, in denen das gesamte Vorjahr hindurch Wassertransporte durchgeführt wurden. Dort passt die Quellschüttung nicht mehr und es kommt kein bzw. viel zu wenig Wasser nach. So schnell kann man das nicht aufholen.

Heuer ist aufgefallen, dass bereits im Winter mit den Wassertransporten begonnen wurde. Wie viele Lieferungen wurden durchgeführt?
Es wird ja nach wie vor Wasser zu Bauernhöfen transportiert. Bis Freitag der Vorwoche gab es im Lavanttal 301 Wassertransporte mit rund zwei Millionen Liter Wasser. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2022 4,6 Millionen Liter transportiert.

Wenn man sich dann anschaut, dass kärntenweit im Vorjahr 14 Millionen Liter Wasser von der Feuerwehr transportiert wurden, fällt ein Drittel auf das Lavanttal. Wir sind sicher ein Hotspot.

Welche Bereiche im Lavanttal sind am stärksten betroffen?
In Preitenegg wurden heuer bereits 112 Transporte mit 420.000 Litern durchgeführt, in Wolfsberg waren es bislang 600.o00 Liter und in St. Andrä 120.000. Es werden aber im gesamten Bezirk, von Reichenfels bis Lavamünd, Wassertransporte durch die Feuerwehr durchgeführt.

Betroffen sind hauptsächlich Gehöfte in höheren Lagen und Personen, die nicht an das öffentliche Wassernetz angeschlossen sind. Wichtig ist auch, dass es sich dabei nicht um Trinkwasser, sondern um Brauch- bzw. Nutzwasser handelt. Das heißt, bevor man es trinkt, muss es abgekocht werden.

Wann wird sich die Situation beruhigen bzw. verbessern?
Das kann man nicht vorhersagen. Es gibt eine Studie, die besagt, dass extreme Wettersituationen bis 2030 um 40 Prozent zunehmen werden. Die Wetterkapriolen werden künftig also schlimmer werden. Man kann nur nicht vorhersagen, was, wann, wo und wie kommen wird. 

Über wie viele Fahrzeuge, mit denen die Wasserlieferungen gemacht werden, verfügen die Feuerwehren im Bezirk?
Es gibt im Lavanttal neun Feuerwehren, die über entsprechende Fahrzeuge verfügen. Das sind insgesamt 15 Tankfahrzeuge, mit denen die Wassertransporte durchgeführt werden.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu heftigen Unwettern im Lavanttal. Wie haben sich die Unwetter verändert?
Es kommt zu schweren Unwettern, meist aber nur punktweise. Ein Beispiel: In St. Margarethen werden Überflutungen gemeldet, in Wolfsberg herrscht Sonnenschein. 

Was waren die schlimmsten Unwetter im Lavanttal im Vorjahr?
Das war natürlich der gewaltige Sturm am 18. August, der über das Tal fegte und zwei kleinen Kindern das Leben gekostet hat. Dieses Unwetter war unvorhersehbar, es war auf einmal da. Um 15.30 Uhr hatten wir den ersten Alarm und binnen weniger Minuten kamen 230 Notrufe rein. 

Wie kann man das abarbeiten?
Es gibt einen Einsatzleiter, der alles koordiniert und die Einheiten nach Dringlichkeit zu den einzelnen Einsatzorten schickt. Es waren damals alle 35 Feuerwehren des Bezirks im Einsatz. Dann stürzten auch noch Bäume auf die A2 Südautobahn und wir mussten Verstärkung aus dem Bezirk Wolfsberg anfordern.

Wie gut sind die Feuerwehren für solche Ereignisse gerüstet?
Jede Feuerwehr hat von allen notwendigen Einsatzgerätschaften ein bisschen etwas vor Ort. Wenn es große Einsätze gibt, kann man auf Gerätschaften aus dem KAT-Lager (Anm.: Katastrophenlager) zurückgreifen. In St. Andrä gibt es ja schon länger ein solches Lager.  Mittlerweile wurde auch in Wolfsberg am Bauhof ein KAT-Lager mit zwei starken Stromaggregaten eingerichtet.

Wie kann sich ein Landwirt oder Häuslbauer auf solche Ereignisse vorbereiten?
Für einen Bauern ist ein Stromaggregat das Um und Auf. Außerdem braucht er ausreichend Benzin bzw. Diesel. Aber natürlich sollte jeder Häuslbauer für den Ernstfall Maßnahmen treffen. Es weiß jeder selbst am besten, was in seiner Umgebung passieren könnte. Zum Beispiel bei Überschwemmungen, da wissen die Bewohner, woher es kommt, und es kann und sollte jeder selbst mittels Sandsäcken oder Brettern Vorkehrungsmaßnahmen treffen. Denn eines darf man nicht vergessen: Wenn überall Notfälle vorliegen, kann es schon ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, bis die Feuerwehr alles abgearbeitet hat. 

Was steht uns im Sommer bevor?
Das kann man bezüglich Unwettern nur ganz schwer sagen. Bei Wassertransporten sieht man, wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, dass die Feuerwehren das ganze Jahr damit beschäftigt waren.

Was sind die häufigsten Einsätze der Lavanttaler Wehren?
 
Der Großteil sind technische Einsätze, wie Wasserlieferungen, Verkehrsunfälle usw. Das schlägt sich mit rund 70 Prozent der Einsätze zu Buche. Der Rest sind Brandeinsätze. Künftig kommt noch der Koralmtunnel dazu. Dafür werden sechs Feuerwehren – St. Andrä, Wolfsberg, St. Paul, Maria Rojach, St. Georgen und Granitztal – entsprechend geschult.

Welche Voraussetzungen benötigt man als Feuerwehrmitglied, um in einem Tunnel eingesetzt zu werden?
Die Kameraden benötigen die Feuerwehrmann-Grundausbildung im Bezirk und in Klagenfurt beim Landesfeuerwehrverband, die Atemschutzausbildung, außerdem muss man Gruppenkommandant sein und Tunnelkurse absolvieren. Danach gibt es noch eine mehrtägige Spezialausbildung in Eisenerz. Wenn man das positiv abgeschlossen hat, darf man mit dem Rettungszug in den Koralmtunnel mitfahren. 

Bis Ende 2024 werden die dafür zuständigen Feuerwehrkameraden alle diese Kurse absolviert haben. 

Oftmals rufen Menschen wegen Kleinigkeiten bei der Feuerwehr an. Nimmt das zu?
Auf alle Fälle. Vor allem die Anrufe für Anliegen, für die wir nicht zuständig sind. Aber die Menschen sind oft verzweifelt und rufen dann bei uns an. Es gibt auch viele Tätigkeiten, die wir gar nicht machen dürfen, nur das wissen viele Leute nicht. So dürfen wir zum Beispiel den Schnee von Dächern nur abschaufeln, wenn das Dach einzustürzen droht, ansonsten ist uns das nicht gestattet. Auch darf die Feuerwehr keine Fahrzeuge abschleppen, außer es ist Gefahr in Verzug.

Aber man sieht im Winter die Kameraden Dächer von Kindergärten oder dem Rathaus schneefrei machen. Warum darf die Feuerwehr das?
Die Feuerwehr ist eine Einrichtung der Gemeinde und darf daher an gemeindeeigenen Gebäuden solche Tätigkeiten vornehmen.

Wie viele Feuerwehrleute gibt es im Tal und wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? 
Es gibt aktuell 1.319 aktive Mitglieder bei den Wehren im Tal, davon sind 67 weiblich. Dank der neun Feuerwehren im Bezirk, die mit Jugendlichen von zehn bis 15 Jahren arbeiten und eine Jugendfeuerwehr haben, steht es um den Nachwuchs nicht so schlecht. 88 Buben und 29 Mädchen sind bei der Jugendfeuerwehr. Die FF St. Michael ist gerade dabei, eine Jugendfeuerwehr zu gründen.

// Zur Person

Wolfgang Weißhaupt trat der Feuerwehr 1979 bei, er ist Atemschutzträger und Kraftfahrer. Weißhaupt war auch Abschnittskommandant. Von 2003 bis 2015 war er Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr  Wolfsberg und seit 2015 ist er Bezirksfeuerwehrkommandant. Weißhaupt ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Seit 1984 ist er beruflich als Handelsreisender für Tabakwaren tätig. 

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