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Walfried Wutscher: »Das Osterfest ist für mich persönlich sehr stark mit dem Glauben verbunden«Ausgabe 14 | Mittwoch, 5. April 2023

Der frühere Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer und heutige Bezirksobmann des Bildungswerks, Walfried Wutscher (79), spricht mit den Unterkärntner Nachrichten über die Bedeutung von Ostern, wie er selbst das Fest begeht und wie es sich verändert hat.

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Am kommenden Wochenende wird Ostern gefeiert. Wie verbringen Sie die Osterzeit?
Für mich wird Ostern auch heute noch wie früher gefeiert. Es beginnt bereits am Palmsonntag mit der Palmweihe und dann gibt es in der Karwoche die Vorbereitungen auf das Osterwochenende.

Am Karsamstag gibt es bei uns am Hof vlg. Haitzer in Unterrainz beim Hauskreuz um 11 Uhr eine Fleischweihe, die seit Jahrzehnten stattfindet und stets sehr gut besucht ist. Damit haben die Leute die Möglichkeit, bereits zu Mittag geweihtes Fleisch zu essen.

Meine Familie und ich schneiden den Osterschinken aber erst nach dem Osterfeuer in der Nacht an. Am Ostersonntag geht es zu den Ostermessen in die Kirche, und am Ostermontag gehen wir immer zu Fuß auf den Josefsberg, wo es eine heilige Messe gibt.

Ostern ist für mich sehr stark mit dem Glauben verbunden, das Auferstehungsfest Christi steht im Mittelpunkt. Für viele Menschen ist es heute eigentlich nur noch Brauchtum.

Sie sind also ein sehr gläubiger Mensch?
Ja, ich bin praktizierender Katholik. Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche. Wenn ich einmal sonntags nicht in die Kirche komme, geht mir etwas ab. Für mich ist der Sonntag nur dann komplett, wenn ich einen Gottesdienst besuchen kann. Heutzutage gehen viele Menschen meditieren, für mich ist der Besuch einer Kirche und das Mitfeiern der Messe so etwas wie meditieren.

Wie wurde Ostern eigentlich in Ihrer Kindheit gefeiert?
Ostern war früher sehr feierlich und mit dem Glauben verbunden. In meiner Kindheit waren die Vorbereitungen auf das Osterfest auch intensiver. Begonnen hat es mit der Palmweihe am Palmsonntag. Es war damals ein regelrechter Wettbewerb unter der Bevölkerung, wer den schönsten bzw. größten Palmbuschen hatte. Es wurden nach der Palmweihe aus den Palmbesen auch kleine Kreuze gemacht und auf den Feldern aufgestellt, damit man eine gute Ernte erhielt.

Damals gab es dann auch noch den Brauch, zu Hause mit dem gesegneten Palmbesen zunächst drei Mal um das Haus zu gehen, um es vor bösen Geistern zu schützen. Danach wurde dem Palmbuschenträger als Dank eine Eierspeise vorgesetzt.

Und wie verlief das Osterwochenende?
Bereits am Karfreitag um 15 Uhr, also dem Todeszeitpunkt von Jesus, wurde erstmals mit Böllern geschossen. Der Karsamstag war dann natürlich etwas ganz besonderes. Bereits am Morgen, als die Glocken der Kirche am Josefsberg läuteten, wurde mit Böllern geschossen. Wie bereits gesagt, gab es bei uns am Hof immer eine Fleischweihe und auch da wurde der Pfarrer mit Böllern angekündigt.

Irgendwann hat dann die katholische Kirche verfügt, dass während der Fleischweihe bzw. der Todesstunde keine Böller mehr gezündet werden dürfen. Daher hat das Böllerschießen ein wenig an Bedeutung verloren. Das Interessante dabei ist, dass damals beim Böllerschießen viel weniger Unfälle passierten als heute.
Am Karsamstag gingen wir immer zur Auferstehungsfeier in die Stiftskirche nach St. Paul, und erst danach wurden zu Hause der Osterhaufen angezündet und der Osterschinken angeschnitten.

Warum gab es früher weniger Unfälle beim Böllerschießen?
Die Menschen waren damals vorsichtiger. Eisenböller wurden mit Pulver gefüllt, danach kamen Sackspäne und Ziegelstücke hinein und das Ganze wurde mit einer Eisenstange verdichtet. Dann gab es eine lange Eisenstange, die heißgemacht wurde, und schließlich wurden die Böller mit der glühenden Stange zur Explosion gebracht.

Wie haben sich die Karwoche bzw. das Osterfest verändert?
Früher war das Osterfest wesentlich stärker mit dem Glauben verbunden. Heute sind viele Osterveranstaltungen für die Menschen eher Brauchtum. Wenn man sich zum Beispiel die Palmweihe ansieht, da gehen heutzutage viele Menschen nur noch hin, weil man dort viele Leute trifft, und gleich nach der Palmweihe geht man wieder nach Hause, die Messe wird gar nicht mehr mitgefeiert.

Ähnlich ist es bei der Speisensegnung, die viele Menschen heute nur noch aus Tradition mitmachen.

Verbringen Sie die Karwoche fleischlos und mit Spinat am Gründonnerstag?
Das war früher so und ist nach wie vor bei mir so. Die Karwoche ist eine Fastenwoche, ab Mittwoch gibt es kein Fleisch. Am Gründonnerstag gibt es traditionell Spinat und geröstete Kartoffeln, und der Karfreitag ist dann ein strenger Fastentag.

Hat es sich eher zum Positiven oder Negativen verändert, wie das Osterfest in der heutigen Zeit gefeiert wird?
Die Wohlstandsgesellschaft, in der wir heute leben, kennt die Nöte der Menschen, die sie früher hatten, nicht mehr. Es ist alles im Überfluss vorhanden.

Was ich sehr negativ sehe ist, dass die Menschen die Sinnhaftigkeit von Ostern nicht mehr aus der Sichtweise des Christentums sehen, sondern eher als ein Fest, dass man feiern muss. Es wird auch immer mehr kommerzialisiert. Es ist wirklich schlimm: Weihnachten ist vorbei, und schon sieht man Ostereier und Schokohasen in den Regalen der Supermärkte.

Früher war der Anschnitt des Osterschinkens etwas ganz Besonderes, denn Fleisch kam bei vielen Menschen ja nur sehr selten auf den Tisch. In meiner Kindheit war es bereits ein Erlebnis, wenn der Schinken am Karsamstag gekocht wurde. Der Geruch des Schinkens und des Reindlings im ganzen Haus – das war für viele Menschen ein besonderes Erlebnis.

Früher freute man sich auf ein gemeinsames Osterfest und darauf, es mit der Familie zu begehen. Heute nutzen viele Menschen die Osterfeiertage für einen Urlaub und fahren irgendwohin.

Was gehört zu einer guten Osterjause?
Bei uns gibt es Schinken, den Reindling – der in einer Keramik-Gugelhupf-Form herausgebacken wurde –, Kren und die Ostereier. Das ist für mich die richtige Osterjause.

Den Reindling mit oder ohne Rosinen?
Natürlich mit Rosinen. Denn nur dann ist es ein richtiger Osterreindling.

Was sind Ihre Osterwünsche?
Ich habe nur zwei Wünsche: Einigermaßen gesund zu bleiben und dass auf der Welt wieder Frieden herrscht.

Der Weltfriede ist sehr zerbrechlich, da brauchen nur einige wenige den Kopf zu verlieren und es kracht.

2004 haben Sie das Goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten bekommen. Was bedeutet so eine Auszeichnung für Sie?
Wenn man eine solche Auszeichnung bekommt, erfasst einen nicht so sehr der Stolz, sondern vielmehr die Demut. Man kann für sich selbst feststellen, dass die Arbeit, die man getan hat, auch gewürdigt wird. Die Auszeichnung bekommt man aber natürlich nicht für sich alleine, sondern für eine Gruppierung. Wenn man ganz vorne steht, ist man halt derjenige, dem die Auszeichnung überreicht wird.  Ich habe die Auszeichnung für den gesamten Bauernstand gesehen.

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