Bürgermeister Hannes Primus: »Das Wichtigste ist, dass alle gesund durch die Pandemie kommen«Ausgabe 46 | Mittwoch, 17. November 2021

Der Wolfsberger Bürgermeister Hannes Primus (45) ist seit der Vorwoche mit dem Coronavirus infiziert. Mit den Unterkärntner Nachrichten spricht er nun darüber, wie sich die Infektion bemerkbar machte, wie er damit umgeht und warum er von der Impfung überzeugt ist.

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Herr Bürgermeister, Sie sind seit Dienstag der Vorwoche an Corona erkrankt und in häuslicher Quarantäne. Wie geht es Ihnen jetzt? 
Es geht mir nicht schlecht, aber ich bin auch nicht zu 100 Prozent fit. Ich bin recht zufrieden und wenn die Symptome so bleiben, wie bisher, bin ich sehr dankbar. Es ist wie ein grippaler Infekt. Ich habe Gliederschmerzen, leichtes Fieber und Husten. Ich bin sehr froh, dass ich geimpft bin, denn ich wüsste nicht, wie es mir gehen würde, wenn ich nicht vollständig immunisiert wäre.

Wie haben Sie bemerkt, dass Sie eine Coronainfektion haben könnten? 
Das war bereits am Sonntag der Vorwoche zu Mittag, da bekam ich beim Mittagessen plötzlich einen starken Hustenreiz. Der ist von einer Minute auf die andere gekommen. Am Nachmittag kamen dann noch Gliederschmerzen dazu, die in der Nacht immer stärker wurden. Und am Montag (Anm.: 8. November) fühlte ich mich ganz unwohl.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich sagte zu meiner Frau Andrea, unseren beiden Töchtern und unserem Sohn, dass ich mich nun testen lassen werde. Meine Frau habe ich gleich mitgenommen, um sie auch zu testen. Denn sollte ich positiv sein, könnte ich sie ja angesteckt haben. Ich habe gleich die Apotheke Team Santé kontaktiert und gesagt, dass ich dringend einen Test brauche. Ich habe auch sofort meinen Sohn Fabio von der Schule zu Hause gelassen und meinen beiden Töchtern gesagt, dass sie nicht zur Schule gehen sollen.

Wann bekamen Sie das Ergebnis?
Am Dienstag der Vorwoche erhielt ich dann das positive Testergebnis. 

Wie ging es danach weiter?
Am Dienstag (Anm. 9. November) wurde ich von Amtsärztin Elisabeth Hipfl kontaktiert und bekam auch gleich einen Absonderungsbescheid. Ich machte auch einen Test des CT-Werts, der zeigt wie ansteckend jemand ist. Hipfl meinte, dass der Wert sehr niedrig sei und ich durch die Impfung kaum ansteckend bin. 

Wie lange müssen Sie noch in Quarantäne bleiben? 
Ich habe am Montag einen PCR-Test gemacht und warte nun auf das Ergebnis (Anm.: Das stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest). Ich möchte aber auf alle Fälle die Symptome auskurieren, bevor ich das Haus wieder verlasse. 

Musste eigentlich Ihre ganze Familie in Quarantäne? 
Meine Frau Andrea war zwar negativ, hatte aber auch leichte Symptome. Wir haben das mit der Amtsärztin besprochen und am Freitag ließ sich die ganze Familie testen. Andrea und Fabio waren nun positiv, unsere Töchter sind negativ. Es ist, das muss ich dazusagen, die ganze Familie, außer Fabio, da er erst neun Jahre ist, geimpft.

Fabio und Andrea liegen nun mit leichtem Fieber im Bett. Der erste Gedanke, dass sich nach meiner Infektion alle in Quarantäne begaben war absolut richtig. Ich will ja niemanden anstecken.

Was haben Sie zur Behandlung  unternommen? 
Im Prinzip genauso, wie bei einem grippalen Infekt. Ich habe Schmerztabletten genommen, Neocitran, Hustensaft, das übliche halt.

Sind Sie davon überzeugt, dass Sie die Impfung vor einem schweren Verlauf geschützt hat?
Absolut. Ich habe  schon länger Probleme mit dem Blutdruck und das Idealgewicht habe ich auch nicht. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich nicht geimpft wäre. Ich kann die Impfung nur jedem empfehlen, denn dadurch ist mir ein Krankenhausaufenthalt oder die Intensivstation erspart geblieben.

Was möchten Sie den Menschen sagen, die sich noch immer gegen die Impfung sträuben?
Ich sage es ja seit Monaten und nach wie vor noch immer regelmäßig, egal wo ich kann: Bitte lasst euch impfen, das ist die einzige Chance die wir haben, um aus der Pandemie zu kommen. Wenn jemand Angst vor Spätfolgen hat, warum muss die Impfung dann nach sechs Monaten aufgefrischt werden. 

Wenn wir wieder ein normales Leben führen möchten,  dann hilft nur impfen, impfen, impfen. Einen anderen Weg wird es nicht geben. Die Menschheit ist so weit gekommen, dank der Wissenschaft und weil es Impfungen gibt. Gegen Krankheiten wie Mumps, Masern, Röteln lassen fast alle ihre Kinder impfen, da fragt niemand nach, wo kommt die Impfung her, was ist da drinnen. Viele Menschen fliegen im Urlaub nach Afrika, in die Tropen, nach Asien, wofür viele Impfungen vorgeschrieben sind. Das tun sich viele an, um Spaß zu haben und blättern dafür oft auch noch viel Geld hin. Bei Corona, wo es um die ganze Menschheit und das Wohl aller geht, wehren sie sich. Das ist für mich unverständlich.

Leute, es geht um uns alle, die Wirtschaft, jeder will Veranstaltungen oder ins Gasthaus gehen ohne Absperrungen und irgendwelche Zertifikate. Wenn wir eine hohe Impfquote hätten, gäbe es all diese Beschränkungen nicht.

Sie sind von der Impfung überzeugt. Wie stehen Sie zu einer Impfpflicht? 
Grundsätzlich bin ich gegen eine Zwangsbeglückung und Menschen sollten frei entscheiden können. Aber wenn es um Vernunft und Solidarität geht, sollte man sicher über gewisse Verschärfungen nachdenken. 2G hat schon ein wenig geholfen, aber wir brauchen noch mehr. Wenn es notwendig wird, werden wir wohl um eine Impfpflicht nicht herumkommen. 

Wie kann man die Menschen, die sich bislang noch nicht impfen ließen, davon überzeugen, sich doch einen Stich geben zu lassen?
Es ist die Vernunft und man muss der Wissenschaft vertrauen. Man braucht nur daran denken, was Dank der Wissenschaft bis heute alles geschaffen wurde. Die Menschheit leistet hervorragendes und das hat uns auch bei Corona schon sehr weit gebracht. Die Impfung ist ein Medikament, das ständig weiterentwickelt wird, nun kommen auch noch Totimpfstoffe. Man muss einfach darauf vertrauen, wir haben bestens ausgebildete Leute, die daran arbeiten.

Vergesst die Dinge, die ihr auf  Social-Media-Plattformen lest und hört auf irgendwelchen Gerüchten zu glauben, die dort verbreitet werden. Es wird ja immer der gleiche Unsinn verbreitet und wenn das widerlegt wird, dann dichtet man halt irgendetwas Neues hinzu. Man muss einfach auf die Wissenschaft vertrauen, dort ist alles mit Zahlen, Daten und Fakten belegt. Ich hoffe, dass die Menschen das endlich einsehen.

Haben Sie während Ihrer Infektion die Amtsgeschäfte von zu Hause aus geführt, oder sind Sie im Krankenstand?
Ich habe von zu Hause aus gearbeitet. Ich bekomme jeden Tag Ordner mit Unterlagen. Ich telefoniere rund um die Uhr, erledige alles was anfällt. Nur persönliche Termine kann ich nicht wahrnehmen und natürlich auch nicht zu Veranstaltungen gehen. Ich habe aber ein super Team, das mich dabei vertritt. Auch die Mannschaft vom Büro leistet hervorragende Arbeit. Alle Termine werden vom Büroteam verschoben und neue koordiniert. Ich bin sehr stolz, ein so tolles Team zu haben.

Viele Menschen machen, wenn Sie krank sind, ein Geheimnis darum. Warum sind Sie an die Öffentlichkeit gegangen? 
Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich fast bei jeder Veranstaltung dabei bin und da würde es ohnehin auffallen, dass etwas nicht stimmt, wenn ich nirgends mehr auftauche. Also ging ich in die Offensive. Die Menschen sollen wissen das ich eine Corona-Infektion habe und dass es jeden erwischen kann.

Was halten Sie von einem weiteren Lockdown: Soll es ein harter werden oder soll er nur für Ungeimpfte gelten?
Da sind die Experten gefragt, die rechnen Modelle durch. Wenn es Möglichkeiten zur Gegensteuerung gibt, sollte man es machen. Jeder kennt sich und seinen Körper am besten. Wenn man sich schlecht fühlt, eher zu Hause bleiben, sich einmal mehr testen lassen. Aber zu sagen, es ist eh nur eine Verkühlung und geht raus ist nicht gescheit. Ich selbst habe es gemerkt und auch andere werden es spüren. Mit einem Test geht man auf Nummer sicher. Ist der Test negativ und bleiben die Symptome bestehen, soll man sich nach zwei Tage nochmals testen.

Wird sich Ihr Verhalten ändern? Gehen Sie nun auf weniger Veranstaltungen usw.?
Ich war auch bisher vorsichtig – auszuschließen ist aber natürlich nie etwas. Termine werde ich sicher keine absagen. Veranstaltungen sind auch immer eine gute Gelegenheit, um auf die Notwendigkeit der Impfung hinzuweisen. 

Ich werde natürlich die Regeln der Bundesregierung einhalten. Wenn es Veranstaltungen gibt, dann kommen die Vorschriften vom Bund und das werden wir auf Punkt und Beistrich einhalten. Im Rathaus gilt sowieso die 3G-Pflicht. Und in Zukunft ist auch bei den Gemeinderatssitzungen die 3G-Regel einzuhalten. Darauf haben sich alle Fraktionen verständigt. 

Zum Abschluss noch: Gibt es heuer einen Adventmarkt in Wolfsberg? 
Nach den geltenden Regeln ist ein Adventmarkt geplant. Er soll unter Einhaltung der 2G-Regel am Trattl durchgeführt werden. Wir werden das Areal dazu einzäunen. Auch ein Rahmenprogramm ist bereits definiert. Ich möchte eine gewisse Normalität unter den gegebenen Voraussetzungen schaffen und ein bisschen Weihnachtsfeeling in die Stadt bringen.

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