Warum sich Margarethe Simak im Grab des »Sonnendoktors« Arnold Rikli bestatten ließAusgabe 23 | Mittwoch, 9. Juni 2021

In die Entscheidung der früheren Apothekerin, als letzte Ruhestätte nicht das Familiengrab am Wolfsberger Stadtfriedhof, sondern jene des Naturheilkundlers Rikli zu wählen, kommt Licht. Der gebürtige Schweizer war eine bekannte und umstrittene Persönlichkeit.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Margarethe Simak (Bild links) fand auf eigenen Wunsch im Grab des Naturheilkundlers Arnold Rikli (rechts) ihre letzte Ruhestätte (großes Bild). Auch mit dem gebürtigen Schweizer, der seinen Lebensabend in Wolfsberg verbrachte und jener Villa, die Simak der Stadt vererbte, ihren Namen gab, war die frühere Apothekerin verwandt. Privat, Hok, KK

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Wolfsberg. Warum legte die verstorbene Margarethe Simak in ihrem letzten Willen fest, am evangelischen Friedhof in Wolfsberg bestattet zu werden? Ihre persönlichen Gründe werden wohl für immer im Dunklen bleiben. Fest steht aber: Mit jenen Menschen, mit denen sie sich dort nun ein Grab teilt, ist sie verwandtschaftlich verbunden – und darunter befindet sich auch eine Berühmtheit: Der 1823 geborene Schweizer Naturheilkundler Arnold Rikli, Begründer der »Atmosphärischen Kur«, der die Kräfte der Natur für die menschliche Gesundheit nutzbar machen wollte und 1906 in Wolfsberg verstarb.

Simak, früher Leiterin der Apotheke »Zum Weißen Wolf« am Hohen Platz, verstarb am 16. Mai und vermachte der Stadt Wolfsberg die von ihr zuletzt bewohnte Rikli-Villa im gleichnamigen Weg sowie ein als Acker gewidmetes Grundstück (wir berichteten). Als Auflage sind damit die Erhaltung und die Verwendung der Villa in Simaks Sinne verbunden. 

Während ihre Eltern Frieda und Franz Rapatz sowie ihr Mann Franz Georg Simak am Stadtfriedhof beerdigt sind, wählte Margarethe Simak die Begräbnisstätte neben der evangelischen Kirche – und dort das Grab Arnold Riklis, was für Erstaunen sorgte. Diese Entscheidung soll aber nichts damit zu tun haben, weil sie eine Anhängerin von dessen Theorien gewesen wäre. »Ihre Mutter Frieda war eine Tochter von Arnold Rikli«, ist in Wolfsberg zu hören. 

Der »Sonnendoktor«

Doch wer war Arnold Rikli? Geboren als Sohn eines Politikers und Färberei-Besitzers im Kanton Bern, interessierte er sich früh für Naturheilkunde. Obwohl damals galt, dass es gefährlich sei, den Körper ungeschützt der Sonne, der Luft und dem Wasser auszusetzen, entwickelte er seine »Lichttherapie«. 1854 ging er mit seiner Familie ins heutige Bled in Slowenien, wo er eine Heilanstalt gründete. Dort behandelte Rikli, von seiner Anhängerschar »Sonnendoktor« genannt, Patienten mit Wasser-Luft-Licht-Therapien, Beschäftigung an der frischen Luft, Sonnenbädern, von ihm »Heliotherapie« genannt, und einer vegetarischen Diät. Er entwickelte einen Kur- und Badeplan, der bis heute – in veränderter Form – angewandt wird. Damit sollen Erkrankungen wie Rheuma, Migräne, Durchblutungsstörungen, Schlafstörungen etc. gelindert werden. In Bled wird Rikli mit Denkmälern gedacht.

Zu sagen ist aber auch, dass Riklis Ansätze damals nicht unumstritten waren. Er geriet im Konflikte mit Ärzten, die vor Gericht endeten und entwickelte sich zu einem Gegner der Schulmedizin, der Impfungen und Operationen skeptisch gegenüber stand. 

Unbekannt ist, was ihn ins Lavanttal gezogen hat. Nichtsdestotrotz kaufte er 1879 eine Landwirtschaft in St. Thomas und baute sich die noch heute nach ihm benannte Villa. 1906 starb er in Wolfsberg. 

Während Rikli hierzulande so gut wie in Vergessenheit geraten ist, wird sein Name anderswo weiterhin hoch gehalten: In den USA und in Deutschland werden Arnold-Rikli-Preise vergeben.

Margarethe Simak  besaß einen weiteren namhaften Verwandten, der im Familiengrab am Stadtfriedhof bestattet ist: Alois Huth (1830 bis 1911). Der kaiserliche Rat war Bürgermeister von Wolfsberg und blieb als großer Wohltäter der Stadt in Erinnerung. Nach ihm sind der Alois-Huth-Park vor dem ehemaligen, von ihm gegründeten Kindergarten Reding sowie eine Straße benannt. Huth war gebürtiger Völkermarkter und erwarb 1867 die  Apotheke am Hohen Platz, der er den Namen »Weißer Wolf« gab. Für seine humanitären und politischen Werke wurde er zum Wolfsberger Ehrenbürger ernannt.

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