Streit darüber, woher unser Wasser kommen soll Ausgabe 45 | Mittwoch, 4. November 2020

Laut einer Studie über die Verfügbarkeit von Wasser unter Berücksichtigung des Klimawandels, könnte es im Lavanttal zu Engpässen bei der Wasserversorgung kommen. Dem soll mit einem »Import« aus Völkermarkt oder Quellen im Lavanttal entgegengewirkt werden.

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Lavanttal. Auf Anraten des Landes Kärnten wurden im Vorjahr im Lavanttaler Talboden in Pollheim und Mosinger Wald Probebohrungen nach tieferliegendem Grundwasser durchgeführt. Kostenpunkt: 280.000 Euro. Die Untersuchung verlief ergebnislos. Seit November 2019 liegt auch eine Studie über den Wasserverbrauch in den vier Mitgliedsgemeinden des Wasserverbands Verbundschiene Lavanttal – Wolfsberg, St. Georgen, St. Paul und St. Andrä – vor.  Darin wird aufgeführt, dass es in diesen Gemeinden einen täglichen Wasserbedarf von 4.700.000 Litern und einen Überschuss von 2.800.000 Litern gibt. Aus der Studie geht aber auch  hervor, dass in Zeiten mit schneearmen Wintern und wenig Niederschlag im Frühjahr zur Spitzenabdeckung eine Fehlmenge von 2.700.000 Liter möglich sein kann.

Daher wurde im Verband beschlossen, dass man sich an den Tiefenbrunnen in Traundorf im Bezirk Völkermarkt anschließen möchte, um diese Fehlmengen zu kompensieren. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 9,8 Millionen Euro. Dazu wäre die Errichtung einer 20,5 Kilometer langen Transportleitung entlang der alten bzw. teilweise der neuen Bahnstrecke erforderlich. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es für eine solche Investition zwar noch keine Beschlüsse, entsprechende Vorkehrungen werden aber bereits im Rahmen der Sanierung der Jauntalbrücke durchgeführt. Die Kosten dafür werden vom Land Kärnten übernommen.

Bürgermeister Markut dagegen

Der St. Georgener Bürgermeister Karl Markut (Liste Markut – Team St. Georgen) ist strikt gegen den »Import« von Wasser aus dem Bezirk Völkermarkt. »Ich habe schon vor langer Zeit gefordert, Untersuchungen über Quellen auf der Kor- und Saualpe durchzuführen. Das ist bislang nicht passiert. Die Gemeinden sollen sich innerhalb des Bezirks vernetzen und nicht Wasser aus dem Bezirk Völkermarkt holen, wo wir totes Wasser aus einem Tiefbrunnen von Bleiburg über vier zu errichtende Pumpstationen ins Lavanttal pumpen müssen. Ich bin nicht dafür zu haben, deswegen den Wasserbeziehern eine Erhöhung des Wasserzinses um rund 1,50 Euro zuzumuten. Die SPÖ-Bürgermeister wollen wohl Landesrat Fellner entgegenkommen, der dieses Projekt forciert. Er braucht offensichtlich einen Erfolg, er hat ja in den vergangenen Jahren noch nichts erreicht«, ärgert sich Markut. 

Anders sieht es sein Wolfsberger Amtskollege Hannes Primus (SPÖ): »Es ist gut, jetzt vorzusorgen, für den Fall, dass wir uns irgendwann an den Tiefenbrunnen in Traundorf anschließen müssen. Die notwendigen Halterungen für eine Leitung entlang der Jauntalbrücke kosten uns nichts. Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, und wir in ein paar Jahren Wasser aus dem Bezirk Völkermarkt benötigen würden, wäre eine solche Adaptierung der Brücke nicht mehr möglich.  Es ist immer gut zu wissen, dass es ein Back-up gibt, für den Fall, dass eine Wasserknappheit eintritt«, so Primus, der Vorsitzende des Wasserverbands Verbundschiene Lavanttal.

Der Wasserverband

Der Wasserverband Verbundschiene Lavanttal wurde im Jahr 1993 gegründet. Die Stadtgemeinde Wolfsberg spielt im Wasserverband die dominierende Rolle und ist mit 72 Anteilen auch der kräftigste Zahler. St. Andrä hält 19 Prozent, St. Paul sechs und St. Georgen drei Anteile. Das Ziel des Verbands ist die Erschließung neuer Quellen und die Errichtung einer »Regionswasserleitung«. Die Schiene soll den Ausgleich zwischen den Wassermengen, die in den Mitgliedsgemeinden zur Verfügung stehen, bewirken und möchte durch die Fassung eigener Quellen die Versorgung von kleineren, bisher mit unzureichenden Eigenanlagen versehenen Siedlungsgebieten, sicherstellen. Außerdem ist die Absicherung der Trinkwasserversorgung bei Ausfall verschiedener Quellgebiete, etwa bei Verunreinigungen, zu gewährleisten. 

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