WAC-Präsident Dietmar Riegler sagt: »Auch ein Neubau der Lavanttal-Arena ist denkbar« Ausgabe 30 | Mittwoch, 22. Juli 2020

Im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten spricht WAC-Präsident Dietmar Riegler über sein glückliches Händchen bei der Trainerwahl, seine Wunschgegner in der Europa-League-Gruppenphase, wie es um Shon Weissman steht und den Umbau der Lavanttal-Arena.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Für WAC-Präsident Dietmar Riegler sind die jüngsten Erfolge des Vereins ein wahrgewordener Traum. Ein Abgang von Shon Weissman ist nicht fix, aber »es deutet viel darauf hin«. Foto: Tripolt

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Der WAC wurde heuer wieder Tabellendritter und hat erneut die Qualifikation für die Europa League geschafft. Wie fühlt man sich nach diesem Erfolg?
Es ist ein Traum. Ich frage mich jeden Tag, ob das wirklich wahr ist. Schon als Bub habe ich immer davon geträumt, den WAC in der Bundesliga spielen zu sehen. Die Erfolge erfüllen mich natürlich mit Stolz. Deshalb auch ein großes Lob von meiner Seite an die Mannschaft, die das mit einem eisernen Willen geschafft hat.

Maßgeblichen Anteil am Erfolg hat auch Trainer Ferdinand Feldhofer?
Bereits mit Christian Ilzer hat eine Kehrtwende im positiven Sinn stattgefunden. Gerhard Struber hat sie verfeinert und Ferdinand Feldhofer führt diesen Weg erfolgreich weiter.

Wie beurteilen Sie das erste halbe Jahr mit Trainer Feldhofer?
Von allen Trainern, mit denen wir Gespräche geführt haben, hat er uns von Anfang an die größte Freude am Trainerposten vermittelt. Und genau so hat er seine bisherige Arbeit auch umgesetzt – mit Freude und Willen. Er hat einen Draht zur Mannschaft und mit den Erfolgen belohnt er seinen Ehrgeiz. Er zeigt uns immer wieder, dass wir mit ihm die richtige Entscheidung getroffen haben. Er ist ein Vorbild für alle jungen Menschen, die etwas erreichen wollen. Er zeigt, dass alles machbar ist.

Hat man bei dem Erfolg in der abgelaufenen Saison Angst, dass man sich bald schon wieder nach einem neuen Trainer umsehen muss?
Als Angst würde ich es nicht bezeichnen. Wo gute Arbeit geleistet wird, schauen auch die großen Vereine vermehrt hin, die ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben als der WAC. Deshalb werden Vereine immer wieder versuchen, Trainer von kleinen Vereinen abzuwerben, wenn diese erfolgreich sind. Und wir als kleiner Verein sind das mittlerweile schon gewohnt.

Ilzer, Struber und jetzt Feldhofer – Sie haben bei der Trainerwahl immer ein glückliches Händchen bewiesen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Man entwickelt einfach ein Gespür dafür, welcher Kandidat am besten zum Verein passt. In den vergangenen Jahren habe ich einige Trainer kennengelernt. Bei manchen Kandidaten weiß man schon nach zehn Minuten, dass sie nicht zum Verein passen. Wir sind aber immer froh, dass wir zwei bis drei Kandidaten zur Auswahl haben. Schlimm wäre es, wenn niemand zur Auswahl stehen würde. Aber zum Glück, haben wir immer jemanden gefunden, der uns sportlich weiterbringt.

Sprechen wir über die Kadersituation. Mit Cheikhou Dieng hat man bereits verlängert. Andere Leihen sind ausgelaufen. Gibt es Überlegungen, auch mit einem dieser Spieler zu verlängern?
Mit Bochum sind wir uns einig, was eine Verpflichtung von Dominik Baumgartner betrifft. Die Verträge werden aller Voraussicht nach noch heute unterzeichnet (Anm.: Das Interview wurde am Donnerstag, 16. Juli, geführt). Unter Umständen könnten auch Verlängerungen von Jojic und Vieira noch ein Thema werden. Beide stehen bei Basaksehir Istanbul unter Vertrag, was für uns bedeutet, das es keine günstige Lösung geben würde. Verlängert wurde außerdem der Vertrag von Marcel Holzer. Mit Stefan Gölles wurde der ausgelaufene Vertrag nicht mehr verlängert. Zusätzlich möchten wir für die Verteidigung, das Mittelfeld und den Sturm jeweils noch einen neuen Spieler verpflichten.

In den vergangenen Spielzeiten hat man mit Leihspielern oft gute Erfahrungen gemacht. Auch für diesen Sommer wieder eine Option?
Natürlich, vorgesehen sind Leihspieler immer, aber es muss alles passen. Wir haben den Vorteil, dass wir uns mittlerweile, auch durch unsere Spiele in der Europa League, einen Namen erarbeitet haben. Größere Vereine suchen Abnehmer, die genau in unserer Position sind. Aber diese Transfers finden meist gegen Ende des Transferfensters statt.

Mit Shon Weissman könnte auch ein Schlüsselspieler den Verein in diesem Sommer verlassen?
Shon hat gewisse Vorstellungen. Es deutet viel darauf hin, dass wir ihn verlieren werden, aber es ist noch nicht fix. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass der Torschützenkönig der Bundesliga in Wolfsberg spielt. Der WAC ist für ihn ein Sprungbrett für höhere Aufgaben, und meiner Meinung nach ist er dafür bereit. Anfragen sind bereits da. Die sortiert er jetzt. Und wir haben bestimmte Vorstellungen, was den Transfererlös betrifft.

Wie hoch sind diese Vorstellungen?
(Lacht.) Das kann ich jetzt nicht sagen. Aber es kommt auch darauf an, um welchen Verein es sich handelt. Ein Verein aus England ist sicher bereit, auch etwas mehr zu bezahlen als etwa ein Verein aus Westeuropa.

Die Spiele in der Europa League haben in schöne Städte geführt. Haben Sie den WAC auswärts immer begleitet?
Ja, natürlich. Es gibt immer einen Empfang, bei dem man sich kennenlernen und austauschen kann. Mit Basaksehir hatten wir das Glück, dass wir dadurch die Leihen mit Jojic und Vieira abschließen konnten. Das wäre sonst vielleicht nicht möglich gewesen.

Wie schwer ist es, für diese Reisen die nötige Zeit zu finden?
Das sind extrem erfreuliche Ereignisse, für die man sich gerne die Zeit nimmt. Es gilt, die Arbeit gut einzuteilen. Wir hatten im Vorjahr wirklich drei wunderschöne Reisen, jeweils mit einem kleinen Rahmenprogramm.

Gibt es Wunschdestinationen für die Europa-League-Spiele in der kommenden Saison?
Ich möchte gerne wieder nach Italien, weil wir dort mit der RZ Pellets GmbH auch beruflich verstrickt sind. In der Vorsaison habe ich mir Rom gewünscht, und so ist es dann auch gekommen. Deswegen wünsche ich mir heuer Mailand (lacht). Aber es gibt auch wunderschöne Städte in Portugal oder Spanien. Absolutes Highlight wäre für uns natürlich ein Gegner wie Manchester United.

Im Vorjahr haben Sie noch um die Verschiebung des Stadionwald-Projekts »For Forrest« angesucht. Sind Sie im Nachhinein froh, dass es damals nicht funktioniert hat?
Ich bin schon froh, aber ich hoffe, dass wir unsere Heimspiele in Klagenfurt auch vor Zuschauern austragen dürfen.

Das bedeutet, das Wörthersee-Stadion ist als Spielort für die Europa League bereits fixiert?
Wir haben eine mündliche Zusage, die Verträge werden gerade erstellt. Aufgrund von Corona sind die Details wie Zuschauerkapazitäten etc. nicht ganz einfach.

Die Austria Klagenfurt steht vor dem Aufstieg. Würden Sie einen zweiten Kärntner Verein in der Bundesliga begrüßen?
Den Aufstieg würde ich sicher begrüßen. Ich hoffe nur, dass die Medien und die Politik uns in diesem Fall nicht in den Hintergrund rücken. Das ist der einzige Punkt, der uns im Falle eines Aufstiegs der Austria etwas schmerzen würde. Aber für Kärnten wäre es sicher kein Nachteil.

Was würde sich mit dem Aufstieg hinsichtlich der Akademie ändern?
Wir haben vom ÖFB die Lizenz, die Akademie zu betreiben. Wir haben Austria Klagenfurt ein faires Angebot unterbreitet, sie in der Akademie miteinzubeziehen. Dass es in Kärnten nur eine Akademie geben kann, ist logisch. Und dass nur ein Verein federführend sein kann, ist ebenso klar.

Wie sehen die Pläne für die Lavanttal-Arena aus?
Wir möchten uns im Herbst damit beschäftigen, die Lavanttal-Arena umzubauen. Die Arena soll geschlossen werden, die Laufbahn gilt es zu integrieren und zwei Tribünen sollen direkt hinter den Toren errichtet werden. Auch bei der Infrastruktur gilt es, notwendige Schritte umzusetzen. Wir verfügen über keinen Presseraum und auch die Kabinen sind nicht mehr dem Standard entsprechend. Da sind wir in der Lavanttal-Arena im Rückstand. Im Zuge dessen wird in St. Andrä auch das Trainingszentrum entstehen.

Ebenso wäre ein Neubau eine denkbare Variante?
Wir beschäftigen uns zuerst mit der kostengünstigeren Variante des Umbaus. Aber auch ein Neubau ist denkbar.

Wie sieht das Zuschauerkonzept für die kommende Saison aus? Coronabedingt gibt es nur ein geringes Kontingent?
Das Konzept wird gerade erstellt. Wir möchten das Stadion so gut wie möglich nutzen, wenn die momentane Situation so bleibt. Sollten sich die Zahlen verschlechtern, gibt es einen zweiten Plan, der die Sicherheitsabstände betrifft. Diese Variante wird demnächst mit der Behörde besprochen. Fix ist aber jetzt schon, dass nur Sitzplätze erlaubt sind. Die Lavanttal-Arena verfügt über rund 3.500 Sitzplätze. Zusätzliche 1.000 bis 1.500 Sitzplätze könnten im Stehplatzbereich entstehen.

Wann startet der Dauerkartenverkauf?
Nachdem das Konzept erstellt ist, was in zwei bis drei Wochen der Fall sein sollte, startet der Verkauf. Die Dauerkartenbesitzer der Vorsaison haben bis zur zweiten Augusthälfte ein Vorkaufsrecht. Danach gehen die restlichen Dauerkarten in den Verkauf.

Am 3. August startet die Mannschaft wieder mit dem Training. Die Meisterschaft beginnt am 12. September. Wie sehen die Pläne für die Vorbereitung aus?
Von 16. bis 21. August sind wir in Maria Alm auf Trainingslager. Dort absolvieren wir auch ein Testspiel gegen Ajax Amsterdam. Weitere Testspiele finden gegen den SV Lafnitz, den GAK und die OÖ Juniors statt. Abklären müssen wir noch, ob wir kurz vor Meisterschaftsbeginn ein Kurztrainingslager in Bad Waltersdorf absolvieren.

Wie werden Sie persönlich die Sommerpause verbringen?
Man hatte jetzt Gelegenheit, die eigene  Heimat besser kennenzulernen. Es gibt wirklich schöne Wanderwege bei uns. Für ein paar Tage geht es nach Italien, ansonsten werde ich viel Zeit in der Heimat verbringen.

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