17 Stimmen für die neue Chefin von St. Andrä und einen »roten Kaiser« für den AltbürgermeisterAusgabe 29 | Mittwoch, 15. Juli 2020

Die neue Bürgermeisterin der Bischofsstadt heißt Maria Knauder. Ihre erste Amtshandlung: Die Ehrenbürgerschaft für ihren Vorgänger Peter Stauber. Der konnte bei seiner Abschiedsrede die Tränen nicht zurückhalten. Eine Gemeinderatssitzung mit vielen Emotionen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Zur Verabschiedung Staubers hatten sich auch LH Peter Kaiser und Landesrat Daniel Fellner eingefunden. Bezirkshauptmann Georg Fejan (r.) übernahm die Angelobung. Foto: Schaflechner

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St. Andrä. Gleich zweimal flossen bei der dritten Sitzung des St. Andräer Gemeinderats die Tränen. Das erste Mal, als die eben angelobte neue Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) – das erste weibliche Oberhaupt der Bischofsstadt! – ihrer Familie für den Rückhalt dankte. Und das zweite Mal, als der scheidende Bürgermeister Peter Stauber (SPÖ) dem versammelten Publikum »Baba, pfiat eich« zurief.

130 Personen hatten sich am 7. Juli im Rathaussaal versammelt, um Knauder zu begrüßen und Stauber zu ehren. Der 66-Jährige hatte, wie berichtet, mit 1. Juli auf sein Amt verzichtet. In der Sitzung galt es, Knauder (49) zu seiner Nachfolgerin zu wählen. Einzeln wurden die 31 Gemeinderäte aufgerufen, zur Urne zu schreiten und in geheimer Wahl ihr Votum abzugeben. Das Ergebnis: Sieben Stimmen streuten sich auf einzelne Mandatare, sieben Stimmen erhielt Vizebürgermeister Gerald Edler (FPÖ), 17 Gemeinderäte sprachen sich für Knauder aus, die dafür jede Menge Applaus erhielt.

»Rohdiamant«
Bezirkshauptmann Georg Fejan sprach die Formel, nach dem »Ich gelobe!« war Knauder die neue Bürgermeisterin. In ihrer Rede verglich sie sich mit einem »Rohdiamanten«, der in den vergangenen Jahren politisch geschliffen worden sei. Die Angelobung sei die »wunderbare Fassung«. Dann: »Ich werde unsere Gemeinde stets bestmöglich vertreten.«

Ihr Dank galt nicht nur ihrer Familie, Ehemann Heinz und den Töchtern Valentina und Isabella, sondern auch Stauber als ihrem Mentor und dem ebenfalls anwesenden LH Peter Kaiser als ihrem »Vorbild«, so Knauder. Ihr politisches Credo werde es sein, stets den Konsens zu suchen: »Ich biete allen Fraktionen die Hand.«

Auch ein neuer erster Vizebürgermeister war rasch gefunden. In Zukunft hat Andreas Fleck (SPÖ) diese Funktion inne. In den Gemeinderat rückt Michaela Perchtold (SPÖ) für Stauber nach.

»Ich danke dir für deinen Zuspruch in einer Zeit, als auch ich es gebraucht habe«
Peter Kaiser, an Peter Stauber

Die Referatsaufteilung: Knauder übernimmt Personal, Feuerwehren, EU-Angelegenheiten und Gesundheit. Fleck ist für Finanzen und Wirtschaft zuständig, Stadträtin Ina Hobel (SPÖ) erhält zusätzlich das Ressort Soziales.

Nach Erledigung dieser Formalitäten trat Knauder neuerlich ans Rednerpult und beantragte die Ehrenbürgerschaft für Peter Stauber. Nach einem Film, der dessen Lebensstationen in Bildern nachzeichnete, holte die neue Bürgermeisterin zu einer Laudation auf ihren Vorgänger aus, wie sie der neue Rathaussaal noch nie gehört hatte.  Seine Projekte – von der Schaffung der Industriezone Framrach mit 1.000 Arbeitsplätzen bis zum Kulturstadl Maria Rojach – hätten St. Andrä entscheidend geprägt und zu einer der finanzstärksten Gemeinden Kärntens gemacht. Unnötig zu erwähnen, dass Knauders Antrag einstimmig angenommen wurde. Die Urkunde war schnell bei der Hand, bei ihrer Verleihung erhielt Stauber stehende Ovationen.

Mit den Grußworten der Fraktionsobleute an Stauber und Knauder (Jürgen Ozwirk, FPÖ, mit ordentlich Zweckoptimismus: »Wir wünschen der Bürgermeisterin alles Gute. Aber bei der Wahl 2021 werden die Karten neu gemischt«) endete die Sitzung.

Vorbei war es aber nicht. Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) berichtete von seinem weinenden (für Stauber) und lachenden (für Knauder) Auge, LH Peter Kaiser sicherte Knauder Unterstützung zu. Für Stauber, weithin als Weinritter bekannt, hatte er eine Flasche Roten parat: »Der Weinbauer heißt Kaiser.« Mit warmen Worten dankte er Stauber für dessen Zuspruch in einer Zeit, »als ich es gebraucht habe«.

Zuletzt Stauber selbst. In seiner Dankesrede ließ er niemanden (nicht einmal die Vertreter der Presse) aus, und er appellierte, weiterhin das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Schließlich übermannten ihn die Emotionen. Doch in diesen Augenblicken stimmte die Kapelle vor der Türe die ersten Töne an ...

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