Michael & Thomas Semmler: »Wir sind damals ins kalte Wasser der Selbstständigkeit gesprungen«Ausgabe 50 | Mittwoch, 11. Dezember 2019

Die Lavanttaler Michael und Thomas Semmler checken 150 Thermen und Hotels und holen Jahr für Jahr Top-Acts nach Kärnten. Im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten erzählen sie über ihre Anfänge, Neider, das Geheimnis ihres Erfolgs und ihre Zukunftspläne.

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Wie ging es bei Ihnen mit der Selbstständigkeit los?
Michael Semmler: Holprig, denn wenn du eine Idee am Papier niederschreibst und diese Idee dann Schritt für Schritt in die Realität umsetzt, da klappt nicht immer alles wie geplant. Wir haben damals alles riskiert, unsere Angestelltenverhältnisse gekündigt und sind ins kalte Wasser der Selbstständigkeit gesprungen. Zu Beginn arbeitest du wirklich selbst und ständig, bist am Kurbeln, am Verzweifeln, wenn mal etwas nicht klappt, aber dafür freut man sich dann umso mehr, wenn etwas klappt. Und wenn du dann ein Produkt entwickelt hast, wie unsere WellCard, dass alleine in Österreich in über 12.000 Filialen verkauft wird, dann weißt du, dass du sehr viel richtig gemacht hast.

Wann habt ihr das Projekt Thermencheck.com und die Wellcard gestartet und wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Michael Semmler: 2006 haben wir einen Artikel in einer Wirtschaftszeitung über den Erfolg des Portals Holidaycheck gelesen und wir haben uns dann gesagt, etwas ähnliches machen wir auch. Wir haben uns dann überlegt, in welcher Tourismusbranche ist Österreich stark und sind schlussendlich beim Thema Thermen und Wellness gelandet. Dann setzten wir Schritt für Schritt. Die WellCard, den Thermen- und Hotelgutschein, haben wir erst 2011 entwickelt und mit der WellCard begann ein rasanter Wachstum unseres Unternehmens. 

Das Projekt ist sehr erfolgreich. Im Vorjahr habt ihr mit der Wellcard zehn Millionen Euro Umsatz gemacht. Wie habt ihr das geschafft?
Michael Semmler: Auf der einen Seite konnten wir immer mehr Partnerbetriebe, also Thermen und Hotels, als Einlösepartner gewinnen, aktuell haben wir 500 Betriebe aus neun Ländern im Kundenstatus. Auf der anderen Seite hatten immer mehr Verkaufspartner Interesse, die WellCard ins Sortiment zu nehmen. Und ganz wichtig, wir haben ein tolles Mitarbeiterteam, die sich 100% mit dem Unternehmen identifizieren und mit uns gemeinsam Gas geben.

Ihr startet aktuell in Deutschland durch. Wie ist der Start verlaufen?
Michael Semmler: Wir haben im Sommer diesen Jahres eine GmbH in Deutschland mit Sitz in Ingolstadt gegründet. Der Schritt nach Deutschland bedeutet für unser Unternehmen einen irrsinnigen Wachstumsschritt. Die WellCard wird in den nächsten Tagen deutschlandweit bei über 25.000 Verkaufsstellen zu kaufen sein und mit Ende 2020 werden es rund 50.000 Verkaufsstellen sein. Es ist schon ein Wahnsinn, in Österreich hatten wir zum Start 56 Filialen, heute stehen wir bei 12.000 und in Deutschland geht es mit 25.000 los.

Mit Thermencheck.com und der Wellcard macht ihr Euer Geld. Wie seid ihr zum Durchführen von Veranstaltungen gekommen?
Thomas Semmler: Nachdem wir im digitalen Bereich damals schon sehr stark waren, haben uns Veranstalter kontaktiert mit der Frage, ob wir nicht deren Facebook-Arbeit machen können. Das war unser erster beruflicher Kontakt zu den größten Veranstaltern Europas. Nach einiger Zeit haben wir uns gedacht, wir können das ja auch und haben 2015 mit Semtainment gestartet. Semtainment ist die Abkürzung für Semmler Entertainment und mit unserer ersten Veranstaltung, »Masters of Dirt« in Klagenfurt, ist uns ein toller Start mit rund 30.000 Besuchern geglückt. Wir haben damals das Stadion wieder zum Leben erweckt und auch für andere Veranstalter wieder interessant gemacht.

Ihr habt zahlreiche nationale und internationale Stars wie Rainhard Fendrich, Nena, Zucchero, Status Quo, Bryan Adams, Cro, Deep Purple & Co. nach Kärnten gebracht.  Welche Musiker würdet ihr außerdem gerne einmal nach Kärnten holen?
Thomas Semmler: Wir werden und wollen uns immer mehr auf unsere traumhafte Heimatlocation, die Schlosswiese Moosburg, konzentrieren. Diese »Wiese« hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen im Alpen-Adria-Raum gemacht. Hier handelt es sich um eine schöne Location in unserem neuen Lebensmittelpunkt, die mit 8.000 Leuten jedoch begrenzt ist. Daher schauen wir uns nach Acts um, die mit 8.000 Gästen finanzierbar sind.

Welche Musik gefällt euch?
Michael Semmler: Rolling Stones und Co. kann man immer hören. Wir fühlen uns im Rock sehr wohl. Zwischendurch ein Gigi D’Agostino geht immer, mit der Legende aus Italien haben wir heuer 30.000 Karten verkauft, die Wiener Stadthalle zum Beispiel war ausverkauft. Das sind Glücksgriffe, die man auch haben kann.

Erst im Jänner 2019 habt ihr die Organisation des GTI-Treffens übernommen. Nach dem Treffen im Sommer habt ihr überraschend das Handtuch geworfen. Warum?
Thomas Semmler: Events wie diese funktionieren nur, wenn man sie auch zu 100 Prozent privatwirtschaftlich führen kann. Dies ist in Reifnitz leider nicht möglich, da dort verständlicherweise auch der Bürgermeister viel mitzureden hat, da es ja eine Gemeindeveranstaltung ist.

Ist abgesehen von der Lavanttaler Wiesn auch einmal ein größeres Konzert im Lavanttal geplant? Wenn ja, mit wem und wann? Wenn nein, warum nicht?
Thomas Semmler:  Aktuell nicht, jedoch wäre das Marktgelände bestimmt eine tolle Konzertlocation. Wer weiß, vielleicht passt es einmal. Auch die Koralpe wäre ein toller Ort um alpine Konzerte anzubieten.

Gegen euch als Konzertveranstalter gab es in der Vergangenheit ja öfters Dirty Campaigning in den sozialen Medien. Wie geht ihr damit um?
Michael Semmler: Das ist leider eine unschöne Begleiterscheinung, wenn man erfolgreich ist. Zu Beginn haben wir uns wirklich darüber geärgert und haben uns auch auf diverse Online-Diskussionen eingelassen. Mittlerweile sind wir so weit, dass wir darüber stehen, wenn irgendwelche Menschen Un- oder Halbwahrheiten über uns verbreiten. Natürlich, wenn es in den Bereich der Ruf- bzw. Kreditschädigung geht, muss man als Unternehmer darauf reagieren. Nicht online, sondern dann sind Juristen am Zug.

Ihr habt Thermencheck, Wellcard, Eventmarketing, Konzerte. Wie schafft ihr das alles?
Michael Semmler: Mit viel Leidenschaft, guten Ideen, tollen Mitarbeitern, Mut zum Risiko und viel Rückhalt aus der Familie. Unsere Frauen arbeiten voll mit in den Betrieben und haben das Büro bestens im Griff.

Ihr seid Brüder und arbeitet tagtäglich zusammen. Wie schafft ihr das?
Michael Semmler: Wir arbeiten ja nicht nur zusammen, wir sind auch Nachbarn, Freunde und Kollegen. Es funktioniert deshalb ganz gut, weil wir komplett verschiedene Aufgabenbereiche haben. Thomas kümmert sich um Events, ich bin operativ für Thermencheck und WellCard zuständig. Er kann sich auf mich verlassen und ich mich auf ihn. Ohne diese Bindung wären wir höchstwahrscheinlich nicht über die Gründungsphase 2008 hinausgekommen. Es war schon verdammt hart zu Beginn, da hält dich zum Schluss nur mehr die familiäre Bindung zusammen.

Was macht ihr zum Abschalten vom täglichen Stress?
Michael Semmler: Ja, es ist immer sehr viel zu tun, aber wenn man so top Mitarbeiter und ein gut funktionierendes Netzwerk um sich aufgebaut hat, dann begibt man sich zum Großteil der Arbeit von der operativen Ebene auf die strategische Ebene. Der Stress selbst ist dann nicht mehr der Arbeitsstress von zehn bis zwölf Stunden Arbeit pro Tag, sondern eher ein Stress, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Ich schaue einfach, dass ich regelmäßig Sport betreibe, im speziellen Laufen, so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringe, ein bis zwei Mal die Woche in die Sauna gehe und drei bis vier Mal im Jahr geht es für einen Tapetenwechsel in ein tolles Hotel.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Michael Semmler: Als Unternehmer musst du immer am Ball bleiben und dich weiterentwickeln. Wenn du ein Team mit 15 Leuten führst, mehrere Firmenstandorte hast, dann ist einfach immer viel zu tun. Gott sei Dank treffen unsere Produkte und Dienstleistungen den Puls der Zeit und sind sehr gefragt. Wir werden in den nächsten Jahren weitere Firmen in der Schweiz, Italien, Ungarn und Slowenien gründen, damit wir die dortigen Märkte noch besser bedienen können.

Seid ihr noch regelmäßig im Lavanttal?
Michael & Thomas Semmler:  Ja klar, das Lavanttal, St. Paul ist unsere Heimat, mit der wir viele schöne Erinnerungen verbinden. Seit unsere Mutter in Pension ist, sind wir etwas weniger im Lavanttal, weil Sie eben öfter bei uns und unseren Kids in Moosburg ist.

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