Polizeieinsatz bei BienenstreitAusgabe | Mittwoch, 15. Mai 2019

Da den Sachverständigen bei einer Überprüfung von Bienenständen der Zutritt nicht gestattet wurde, forderten diese die Polizei an. Doch auch diese konnte den Gutachtern keinen Zutritt verschaffen.

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Frantschach. Freitagvormittag:  Bei der Imkerei Sturm klingelten drei Sachverständige, die im Auftrag des Landes Kärnten, die Bienenstände des Lavanttaler Imkers inspizieren wollten.

Der Eigentümer Wolfgang Sturm war allerdings nicht anwesend, da der Termin von seinem Rechtsanwalt zuvor abgesagt wurde. Davon hatten die Sachverständigen allerdings keine Kenntnis. Nachdem die Ehefrau Sturms mit dem Betrieb nichts zu tun hat, ließ sie die Sachverständigen verständlicherweise nicht zu den Bienenständen. Da platzte den Gutachtern der Kragen, sie wollten die Bienenstöcke unbedingt kontrollieren und riefen daher die Polizei, damit ihnen diese den Zutritt zu den Bienenständen ermöglicht.

Doch auch daraus wurde nichts: Der Polizist Josef Jernej erklärte nach seinem Eintreffen, dass sich die Polizei ohne einen richterlichen Beschluss keinen gewaltsamen Zutritt verschaffen könne. Das wollten die drei Sachverständigen aber nicht so einfach hinnehmen: »Wir haben einen Auftrag von der Landesregierung!« Und danach liefen die Telefone heiß.

Man erkundigte sich bei Bezirkshauptmann Georg Fejan und wollte erwirkten, dass dieser einen Zutritt erzwingt. Fejan klärt auf: »Laut Gesetz ist eine mögliche Befehls- oder Zwangsgewalt nicht gegeben. Wenn jemand den Zutritt verweigert, ist aber mit einem Verwaltungsstrafverfahren zu rechnen.« Wolfgang Sturm, der aufgrund der Vorfälle seine Arbeit in Reichenfels unterbrach und zurück nach Frantschach eilte, erzählt: »Mein Anwalt hat diesen Termin mit der Abteilung des Landes besprochen und abgesagt, da ich zu diesem Zeitpunkt keine Zeit hatte.«

Die Fronten im Bienenstreit sind verhärtet, wie man bei dem »Besuch« der Sachverständigen sehen konnte. Der Obmann der Erwerbsimker Franz Offner, der wie einige andere Imkerkollegen zur Unterstützung ausrückte, stellte gleich zwei Forderungen an die Gutachter: »Wir fordern in Zukunft, dass eine Rechtsvertretung anwesend ist und dass es bei jeder Probe eine Gegenprobe gibt. Hier entscheiden einige wenige Hobbyimker über Erwerbsimker. Unabhängige Sachverständige würden wir akzeptieren, aber die gibt es nicht« Und Sturm meinte in Richtung der Sachverständigen: »Ich muss vom Honig leben, ihr seid Züchter. Ich werde wegen dieser Kontrolle vom Arbeiten abgehalten, wer bezahlt mir diese Zeit? Die ganze EU lacht über Kärnten. Bringt mir eine Ur-Carnica.« Kritik an den Sachverständigen äußerte auch Imker Pius Zarfl: »Die Sachverständigen sind Mitglieder der Austrian Carnica Association. Die haben nur Interesse daran, ihre Königinnen zu verkaufen.«

Da es aber keine rechtliche Handhabe gab, sich Zutritt zu den Bienenständen zu verschaffen, mussten die drei Sachverständigen nach einem turbulenten Vormittag wieder unverrichteter Dinge abreisen.

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