Energie Graz tauscht Glühbirnen in WolfsbergAusgabe | Mittwoch, 24. April 2019

Da kein Lavanttaler Unternehmen die Ausschreibung für sich entscheiden konnte, kümmern sich derzeit Steirer um die öffentliche Beleuchtung in Wolfsberg. Die Verantwortlichen sind mit der Arbeit zufrieden.

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Wolfsberg. Nicht schlecht gestaunt hat eine Leserin der Unterkärntner Nachrichten, die dieser Tage über die Fleischbrücke in Richtung Hoher Platz spazierte. Vor sich fand sie plötzlich ein Fahrzeug der Grazer Stadtwerke, dessen Insassen eifrig an einer Wolfsberger Straßenlaterne schraubten. »Wieso das?«, fragte die Dame in unserer Redaktion nach.

Wir reichten die Frage an Wilfried Truppe, Sprecher der Stadtgemeinde, weiter. Der meinte: »Es ist richtig, die Grazer Stadtwerke sind im Auftrag der Stadt für die Wartung der öffentlichen Beleuchtung zuständig. Vor rund eineinhalb Jahren gab es eine Ausschreibung, die die Steirer für sich entschieden.« (An die große Glocke wurde der Zuschlag aber offenbar nicht gehängt.) Laut dem Stadtsprecher fährt jeden Donnerstag ein Trupp aus Graz in der Bezirksstadt vor und arbeitet eine Liste von fälligen Reparaturen ab, die ein Mitarbeiter der Wolfsberger Stadtwerke zuvor erstellt.

»Mitunter, wenn viel zu tun ist, sind die Grazer auch eine ganze Woche in Wolfsberg«, so Truppe. Die Stadt sei mit ihrer Arbeit zufrieden, zumal sie seinerzeit auch das billigste Angebot gelegt hätten. Ins gleiche Horn stößt Vizebürgermeister Ewald Mauritsch (SPÖ), in dessen Amtsbereich die öffentliche Beleuchtung fällt. »Es funktioniert perfekt«, sagt er, »denn vom Know-how her sind die Grazer Stadtwerke ganz anders unterwegs als unsere Betriebe. Die heimischen Unternehmen haben keinen dafür notwendigen Steiger und auch nicht die entsprechende Ausbildung.«

Bedauerlich?

Dennoch: Ist es nicht bedauerlich, dass keine Lavanttaler Firma zum Zug gekommen ist? Mauritsch: »Die erste Ausschreibung vor einigen Jahren hat ein Wolfsberger Unternehmen gewonnen, die zweite die Grazer Stadtwerke. Die Verträge gelten zwei Jahre lang, danach gibt es wieder eine Ausschreibung« – und jedes Unternehmen kann sich dann um die Betreuung der rund 2.650 Wolfsberger Straßenlampen bewerben. 

Wie stets, hat auch diese Causa eine Vorgeschichte. Im November 2015 wurde im Gemeinderat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen beschlossen, den Kelag-Aktionärstarif zu verkaufen. Damit endete ein Vertrag, der in den 1950er Jahren abgeschlossen worden war und dank dem Wolfsberg in den Genuss eines günstigen Stromtarifs für 105 Anlagen, Gebäude und Straßenlaternen in der Innenstadt gekommen war. Als Gegenleistung erhielt die Bezirksstadt von der Kelag eine Ablöse von 2,69 Millionen Euro. Weiters flossen 900.000 Euro, da die Betreuung der Straßenlaternen, bis dahin ebenfalls Aufgabe des Energieversorgers, mit Vertragsende in die Zuständigkeit der Gemeinde überging. Als Sahnehäubchen gab es 160.000 Euro für die Umrüstung auf LED-Birnen. Seither muss Wolfsberg selbst schauen, dass die Straßen Licht haben.

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