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St. Paul. Fünf Monate, nachdem Lauge aus dem Werk der Firma Mondi über die Kläranlage in die Lavant gelangt war, zeigt sich die Lavant noch immer als geschädigter Fluss. Das Fischsterben vom 7. und 8. März 2026 gilt als eines der größten Umweltereignisse in Kärnten seit Jahrzehnten. Wie berichtet gelangte in der Nacht auf den 8. März Lauge aus dem Mondi-Werk in Frantschach-St. Gertraud über die Abwasserreinigungsanlage Mettersdorf in die Lavant. Die Lauge durchmischte sich mit dem Flusswasser und löste ein flächendeckendes Fischsterben aus.
Die biologische Beweissicherung des Kärntner Instituts für Seenforschung (KIS) dokumentierte am 10. März das Ausmaß. Oberhalb der Einleitstelle bei Flusskilometer 17 fanden die Experten ein intaktes Gewässer mit rund 24.500 Fischen pro Hektar. Doch nur wenige Kilometer flussabwärts zeigte sich ein Bild der Verwüstung: Beim Pegel Krottendorf sank der Bestand um 99 Prozent auf 140 Fische pro Hektar, vor der Draumündung waren es 560 – ein Rückgang von 98 Prozent. »Die Giftwelle hatte den gesamten, 17 Kilometer langen Abschnitt bis zur Mündung erfasst. Von mehreren hunderttausend toten Fischen ist auszugehen, darunter streng geschützte Arten wie Streber, Semling, Frauennerfling und Steingreßling«, heißt es vom gemeinnützigen Verein Raubaum, der sich für die Renaturierung und die nachhaltige Verbesserung von Fließ- und Stillgewässern einsetzt.
Verein schreibt Zwischenbericht
Nun hat der Verein einen Zwischenbericht verfasst, um über den aktuellen Stand zu berichten. Die Autoren des Berichts – Gewässerökologe Christian Komposch, Bewirtschafter und Augenzeuge Emanuel Schwabe, Ökologe Alexander Petik und Biologe Florian Glaser – formulieren einen klaren Forderungskatalog. Er umfasst drei zentrale Punkte: unverzügliche Wiederherstellungsmaßnahmen, technische Sicherheitsgarantien im Werk Mondi Frantschach sowie volle Transparenz und Einstandspflicht nach der EU‑Umwelthaftungsrichtlinie. Komposch: »Die Lavant beherbergte die einzige bekannte Population des Steingreßlings in Kärnten. Ob diese extrem seltene Art das Ereignis überlebt hat, ist unklar. Fachleute warnen vor einem genetischen Flaschenhals, der das langfristige Aussterberisiko weiter erhöht.«
Und der Verein übt Kritik: »Während die Natur versucht, sich selbst zu helfen, warten die Menschen entlang des Flusses auf ein klares Bekenntnis des Verursachers. Bis heute gibt es keine verbindliche Zusage zu Schadenersatz oder zur Finanzierung ökologischer Sanierungsmaßnahmen. Dabei wurden Mondi konkrete Vorschläge unterbreitet: strukturelle Flussaufweitungen, die Wiederanbindung von Seitengewässern, die Herstellung vollständiger Durchgängigkeit sowie ein langfristiges, unabhängiges Monitoring. All das wäre notwendig, um der Lavant eine Chance auf Erholung zu geben.«
Der Verein fordert geschützte Flachwasserbereiche, Beruhigungszonen und erreichbare Seitenzubringer. Ohne diese Maßnahmen bleibe der Fluss ein schwieriger Lebensraum. Komposch weiter: »Die Lavant ist in weiten Teilen monoton verbaut, Rückzugsräume fehlen. Bei Niedrigwasser und Hochwässern geraten die verbliebenen Fische schnell in Stresssituationen. Wer den Fluss jetzt sich selbst überlässt, riskiert den dauerhaften Verlust sensibler Arten im Europaschutzgebiet Untere Lavant.«
Das Resümee des Vereins: »150 Tage nach der Katastrophe bleibt die Bilanz ernüchternd. Die Lavant ist geschädigt, die Fischfauna dezimiert, die Zukunft sensibler Arten ungewiss. Und der Verursacher? Er spielt auf Zeit. Für die Menschen entlang des Flusses ist das schwer nachvollziehbar. Für die Natur könnte es fatal sein.«
Das sagt Mondi
Mondi Frantschach meint dazu: »Wir behandeln diesen Vorfall nach wie vor mit höchster Priorität. Umfassende Untersuchungen und Gespräche wurden eingeleitet und diese erfolgen nach wie vor in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden, dem Fischereiberechtigtem sowie weiteren Umweltfachleuten. Es ist uns ein Anliegen, gemeinschaftlich an der Wiederherstellung der ökologischen Gesundheit des Flusses und des Fischbestands zu arbeiten.«
Es werde in enger Abstimmung mit den Behörden an einem mehrstufigen Maßnahmenpaket gearbeitet, wovon bereits kurzfristige Maßnahmen im Werk umgesetzt worden seien. »Wir bitten um Verständnis, dass die behördlichen Untersuchungen zu dem Vorfall nach wie vor andauern und wir deren Ergebnissen nicht vorgreifen möchten«, so Mondi Frantschach in der Stellungnahme.

Von Michael Swersina
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