1.654 Kilometer: Mutter-Tochter-Gespann bewältigte den Jakobsweg mit den FahrrädernAusgabe 35 | Mittwoch, 1. September 2021

Weil sich auf privater und beruflicher Ebene einige Veränderungen aufgetan haben, wollte Elisabeth Klösch zur Ruhe kommen. Sie begab sich mit dem Fahrrad auf den Jakobsweg. Begleitet wurde sie auf der dreiwöchigen Reise von ihrer Mutter Barbara Feimuth.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Elisabeth Klösch und ihre Mutter Barbara Feimuth starteten ihre Reise mit dem Zug in Villach. Klösch erzählt von einer emotionalen Zeit, die die beiden entlang den Küsten Frankreichs und Spaniens (Bild oben) erlebt haben. Foto: KK/Privat

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Lavanttal, Jakobsweg. Elisabeth Klösch (48) betrieb bis zum heurigen Frühjahr den »Energie(ge)laden« in Bad St. Leonhard. »Im Herbst lief alles noch super, dann kam der erneute Lockdown und ich musste mein Geschäft schließen«, erklärt die ärztlich geprüfte Fastenbegleiterin und Aromatherapeutin, die ihre Fastenkurse nun auswärts anbietet.

Am 1. Juli startete sie mit ihrer Mutter Barbara Feimuth (67) ein Abenteuer, das so ursprünglich gar nicht geplant war. »Noch einen Monat davor war geplant, dass ich nach Tansania reise, um für den Verein ›Ujamaa‹ tätig zu sein. Aufgrund vieler Veränderungen, die beruflich und privat waren, und dem Tod meiner Großmutter, bin ich abends im Bett gelegen und habe mir gedacht, dass ich etwas für mich selber tun muss. Ich musste zur Ruhe kommen, und Tansania wäre der falsche Weg gewesen«, erklärt die gebürtige Preiteneggerin. Sie entschloss sich, den Jakobsweg mit dem Rad zu meistern. »Als ich meiner Mutter davon erzählte, sagte sie nur, dass sie mitfahren möchte«, lacht Klösch.

Vorbereitungen für die Reise gab es kaum. »Wir haben uns nur die Route angesehen und sind einfach losgefahren«, erzählt Klösch. Mit dem Zug ging es von Villach nach Genua, wo das Duo auf das Rad umstieg und sich auf den Weg machte. »Ich habe schnell erkannt, wie froh ich war, zu zweit unterwegs zu sein. Es ist kaum zu beschreiben, welche Wege, Strecken und Berge wir bewältigt haben. Wir haben Unmengen an Höhenmetern zurückgelegt, sind durch Dörfer in Frankreich und Spanien gefahren, wo es kein Restaurant oder Geschäft gab, haben oft den ganzen Tag keinen Menschen getroffen, sind bei 35 Grad und im ärgsten Regen geradelt«, blickt die 48-Jährige zurück. Auch die eine oder andere Panne war dabei. Platte Reifen, gebrochene Teile und abgenutzte Bremsscheiben wurden zum Alltag.

Am 21. Juli erreichten die beiden mit Santiago de Compostela schließlich nach 1.654 Kilometern ihr Ziel. Jeden Tag wurden rund 100 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. Klösch: »Wir haben in Lourdes zwei Tage Station gemacht, einen Tag Pause für die Lavendelfelder in der Provence eingelegt und einen Tag in Marseille verbracht.«

»Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung gemeinsam mit meiner Mutter erleben durfte«
Elisabeth Klösch nach ihrer Rückkehr

Neben dem mentalen Aspekt stellt sich bei diesem Unterfangen auch die Frage nach dem körperlichen Training als Vorbereitung. Klösch: »Ich bin normal sehr gerne mit dem Rad unterwegs, aber ich hatte davor einfach keine Zeit zu trainieren. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich nicht mehr kann. Es ist eine Kopfsache. Wenn man ein Ziel hat, das man erreichen will, schafft man es auch.«

Zurück nach Österreich ging es mit dem Flugzeug und dem Bus. Heute, rund einen Monat nach der Reise, blickt Klösch so auf das Erlebte zurück: »Der Weg war sehr anstrengend und es kamen dabei viele Emotionen hoch. Es war berührend und kaum zu beschreiben. Aber ich bin sehr dankbar, dass ich diese tolle Erfahrung gemeinsam mit meiner Mutter erleben durfte. Wir haben uns unterwegs sehr gut ergänzt mit unserem Wissen und unserer Orientierung.«

Tansania im Jänner 2022
Nach Tansania geht es für Klösch wieder im Jänner nächsten Jahres. Auch dort ist seit Beginn der Corona-Pandemie viel passiert, wie Klösch weiß: »Es wurde eine Essenshalle samt Küche fertiggestellt. Im Rahmen des Vereins haben wir geholfen, die Schulausbildung für einige Kinder zu ermöglichen.« Ein Projekt ihres Vaters, Diakon Paul Feimuth, soll dann im Jänner umgesetzt werden: »Wir haben für die Errichtung eines Kindergartens gesammelt, der nun in die Realität umgesetzt wird«, so Klösch abschließend.

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