Bettina Kogler:»In der Geschichte der Menschheit wurde immer getanzt – so wichtig ist der Tanz«Ausgabe 49 | Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die gebürtige Wolfsbergerin Bettina Kogler (45) leitet seit 2018 das Tanzquartier in Wien. Sie erzählte den Unterkärntner Nachrichten, wie sie als Nichttänzerin zum Tanzen kam, wie sie als Kind von Zuhause weglaufen wollte und welches Lavanttaler Essen sie vermisst.

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Können Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen? 
Ich leite seit 2018 das Tanzquartier Wien, das sich am Gelände des Museumsquartiers im Zentrum Wiens befindet. Ich beschäftige mich beruflich seit mehr als fünfzehn Jahren mit zeitgenössischem Tanz. Ich bin mit dem aus Japan stammenden Choreografen und Performer Michikazu Matsune verheiratet. Wir haben gemeinsam eine zwanzig Jahre alte Tochter.  

Wann haben Sie das Lavanttal verlassen und warum? 
Als ich fünf Jahre alt war haben sich meine Eltern entschlossen, am Klagenfurter Stadtrand ein Haus zu bauen. Ich war also noch ziemlich jung. Dennoch erinnere ich mich lebhaft an die Zeit vor diesem Umzug. 

»Es ist besser, man traut sich was und scheitert eventuell, als man geht auf Nummer sicher«
Bettina Kogler, Künstlerische Leiterin Tanzquartier

Wann und wie sind Sie zum Tanz gekommen? 
Manche Menschen lernen ihren Partner bei der Arbeit kennen. Bei mir war es umgekehrt. Ich habe nach dem Studium meinen Mann kennengelernt und bin so zum Tanz gekommen.

Was bedeutet Tanzen für Sie? 
Tanz birgt sehr viel Freude an Bewegung in sich, kann aber auch gesellschaftskritisch oder hochpolitisch sein. 

Ihr Mann ist ein Tänzer, von Ihnen wird gesagt, dass sie selbst nicht tanzen. Wie kommt man dann zum Tanzen? 
Ich bin über die Organisation und die Kuratierung von Veranstaltungen zum Tanz gekommen. Es ist ja auch so, dass die meisten Museumsdirektoren nicht selber malen. Ich denke, das ist auch besser so (lacht). 

Tanzen Sie zum Beispiel auf Bällen? Einen Walzer oder so?
Ich muss zugeben, es ist schon eine Weile her, dass ich auf einem Ball war. 

Seit 2018 sind Sie Leiterin des Tanzquartiers in Wien. Wie ist es dazu gekommen? Was waren Ihre vorherigen Stationen?
Die künstlerische Leitung des Tanzquartier war öffentlich ausgeschrieben. Ich habe mich mit einem Konzept dafür beworben. In einem zweistufigen Hearingverfahren fiel die Wahl auf mich. Davor habe ich bereits einiges in diesem Bereich gemacht. Zum Beispiel habe ich zehn Jahre lang das Nachwuchsfestival »imagetanz« geleitet, war Kuratorin im »brut« oder habe bei einer Ausgabe des Donaufestivals als Performancekuratorin mitgearbeitet. 

Was haben Sie seit Ihrer Übernahme geändert bzw. durchgeführt? 
Ich denke, es ist ganz wichtig, wenn man in einer Institution neu beginnt, eine Bestandsaufnahme zu erstellen. Dabei geht es auch darum, festzustellen, was alles gut läuft. Ich würde es als typischen »Anfängerfehler« bezeichnen, wenn man gleich alles über Bord werfen will. Aber natürlich habe ich auch einiges geändert. Das Tanzquartier stützt seine Arbeit auf mehrere Eckpfeiler. Neben dem wöchentlich wechselnden Bühnenprogramm sind der Trainings- und Workshopbereich, das Theorieprogramm und die Forschung sehr wichtig. Bei meinem Antritt im Tanzquartier war es mein Ziel, diese einzelnen Bereiche inhaltlich wieder näher zusammenzuführen. 

Tanzen ist derzeit ja recht populär. Woher kommt die Popularität? Durch Filme wie »Dirty Dancing« oder TV-Shows wie »Dancing Stars«, »TopTalent« usw.? 
Ich denke, Tanzen war immer populär. In der gesamten Geschichte der Menschheit wurde immer getanzt. Und das ist schon was. Das spricht für die Wichtigkeit des Tanzes. 

Schauen Sie sich Sendungen wie Dancing Stars im Fernsehen an und was halten Sie davon? 
Ehrlich gesagt, sehe ich überhaupt kaum fern. 

Wie versuchen Sie Kinder und Jugendliche zum Tanzen zu bringen?
In der veranstalterischen Landschaft Wiens gibt es dafür eigene Institutionen, die sich als Experten damit beschäftigen. Das Programm des Tanzquartier richtet sich vor allem an ein erwachsenes Publikum.

Wohin soll die Reise mit dem Tanzquartier gehen? 
Es liegen noch sechs weitere Programmjahre im Tanzquartier vor mir. Ich möchte einiges ausprobieren, aber im Mittelpunkt stehen dabei immer die Künstlerinnen und Künstler. Es geht darum, optimale Bedingungen zu schaffen, damit unser Publikum spannende Stücke zu sehen bekommt. 

Sie haben in einem Interview bei der Übernahme gesagt, Sie möchten lieber riskant vorgehen. Wie war das gemeint? 
Damit sind mutige Formate und mutige Projekte gemeint. Es ist besser, man traut sich was und scheitert eventuell, als man geht auf Nummer sicher, ist aber nicht sichtbar.

Werden Tanzen bzw. Kunst und Kultur von der Politik ausreichend gefördert? Gibt es hier Handlungsbedarf und wenn ja, wo? 
In der Wiener Kulturpolitik gibt es ein Bewusstsein dafür, dass zeitgenössischer Tanz wichtig ist. Auf Bundesebene setzt man sich allerdings relativ wenig dafür ein. Hier könnte man klarer und bestimmter vorgehen. 

Sind Sie noch mit dem Lavanttal verbunden? Familie, Freunde usw.? 
Ja, es gibt noch Verwandte dort. Aber ich bin auch noch immer emotional mit dem Lavanttal verbunden. 

Besuchen Sie das Lavanttal noch öfters? 
Letzten Sommer haben mein Mann, meine Tochter und ich am Weg nach Klagenfurt im Lavanttal Halt gemacht. Ich wollte das Haus, in dem wir gewohnt haben, sehen. 

Welche schönen Erinnerungen haben Sie an das Lavanttal?
Es sind vor allem frühe Kindheitserinnerungen, ob diese immer schön sind, weiß ich nicht. Vielleicht merkt man sich eher die unangenehmen. Ich erinnere mich, dass ich mich einmal massiv geärgert habe, eine Tasche gepackt und verkündet habe, dass ich jetzt ausziehe. Ich bin ein Stück des Weges vor unserem Haus entlang gegangen, bis ich bemerkt habe, dass ich nicht weiß, wohin.  Meine Mutter hat mich unbemerkt vom Küchenfenster aus beobachtet. Ich muss in etwa vier Jahre alt gewesen sein. 

Vermissen Sie das Lavanttaler Essen? Eine gute Brettljause und einen Most?
Most und Brettljause eher weniger. Aber ich vermisse den Kärntner Reindling, und ein Teller Ritschert wäre ab und zu auch nicht schlecht. 

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