Marie-Luise Mathiaschitz: Gebürtige Lavanttalerin hat in der Kärntner Landeshauptstadt das Sagen Ausgabe 37 | Mittwoch, 9. September 2020

Die Klagenfurter SPÖ-Bürgermeisterin Marie-Luise Mathiaschitz (63) spricht mit den Unterkärntner Nachrichten über ihre Erinnerungen an das Lavanttal, ihre Arbeit als Bürgermeisterin der Kärntner Landeshauptstadt und ihren Einstieg in die Klagenfurter Lokalpolitik.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Marie-Luise Mathiaschitz wurde 2015 zur ersten weiblichen Klagenfurter Bürgermeisterin gewählt. Im Februar stellt sie sich erneut der Wahl um das höchste Amt in der Landeshauptstadt. Am Bild ein Blick aus dem Rathaus auf den Neuen Platz mit seinem Lindwurm.  Foto: KK

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Sie wurden in St. Georgen geboren. Wie lange lebten Sie im Lavanttal?
Ich wurde am Herzogberg in Unterrainz geboren, es war eine Hausgeburt. Wir sind aber, als ich ein Jahr alt war, nach Villach gezogen, da mein Vater dort einen Job bekommen hatte.

Also haben Sie nicht viele Erinnerungen an das Lavanttal?
Das stimmt nicht. Ich habe sehr viele und gute Erinnerungen daran. Über viele Jahre hinweg waren wir jeden Sommer im Lavanttal am Bauernhof meiner Tante und haben dort auch immer fleißig mitgeholfen. Ich habe bis zu meiner Schulzeit im Gymnasium also die gesamte Freizeit im Lavanttal verbracht. Es war eine sehr schöne Kindheit.

Haben Sie auch heute noch Verbindungen ins Lavanttal?
Meine Tante lebt noch immer auf dem Hof. Ich bin aus Zeitgründen nicht mehr so oft wie früher im Lavanttal, habe aber zu meiner Tante und meiner Mutter eine sehr enge Beziehung. Wir unternehmen nach wie vor sehr viel gemeinsam.

Nach der Matura ging es zum Medizinstudium nach Innsbruck, wie ging es danach weiter?
Nach der Promotion im Jahr 1982 an der Universität Innsbruck arbeitete ich als Ärztin in Friesach und Klagenfurt. Ich habe mich parallel dazu als Umweltärztin weitergebildet und war dann in Klagenfurt als Umweltärztin der Stadt Klagenfurt und des Landes Kärnten tätig und auch eine lange Zeit stellvertretende Landessanitätsdirektorin.

Wie sind Sie dann in die Politik gekommen?
Der ehemalige SPÖ-Vizebürgermeister von Klagenfurt, Ewald Wiedenbauer, hat mich gefragt, ob ich in Klagenfurt einsteigen will, und es hat mich sehr gereizt. 2003 war dann mein Einstieg in die Lokalpolitik als Stadträtin für Gesundheit und Umwelt. Ab 2008 war ich Vizebürgermeisterin und seit 2015 bin ich Bürgermeisterin von Klagenfurt.

Sie sind die erste Bürgermeisterin von Klagenfurt, sind Sie darauf stolz?
Ich bin sehr stolz darauf. Die erste Frau im höchsten Amt in Klagenfurt zu sein ist schon etwas ganz Besonderes. Ich bin aber auch die erste Bürgermeisterin der SPÖ in Klagenfurt seit 42 Jahren. Davor wurden die Bürgermeister lange Zeit von der ÖVP gestellt, und vor mir war Christian Scheider von den Freiheitlichen am Ruder. Es war auch ein wichtiges Signal für die Menschen, erstmals eine Frau als Bürgermeisterin in Klagenfurt zu haben. Immer wieder reden mich Menschen auf der Straße an und erzählen mir, dass ihre Tochter nun auch Bürgermeister werden will. Als ich klein war, wäre ich nie auf eine solche Idee gekommen.

Gehören mehr Frauen in die Politik?
Ja. Die Gremien sollen die Gesellschaft repräsentieren. So halte ich es auch im Gemeinderat, dass wir Mandatare aus allen Gesellschaftsschichten haben. Und das selbe gilt auch für Frauen und Männer. Es gibt 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer. So sollen sie auch in der Politik vertreten sein.

Wie sieht Ihre Bilanz als Bürgermeisterin aus?
Ich habe das Amt in einer sehr schwierigen Phase übernommen. Es wurde uns damals sogar ein Finanzkommissär des Landes angedroht. Es war eine fordernde Zeit, aber es ist uns gelungen, die Stadt wieder auf gesunde Beine zu stellen. Alle Vorhaben konnten umgesetzt werden, darauf bin ich sehr stolz.

Das Projekt »For Forest« wurde heftig kritisiert. Auch im Lavanttal gab es viele kritische Stimmen, da dadurch der WAC seine internationalen Spiele nicht im Klagenfurter Stadion austragen konnte. War es richtig, »For Forest« durchzuführen?
Bei der Entscheidung für das Projekt im Klagenfurter Stadion wusste und ahnte wahrscheinlich auch noch niemand, was der WAC erreichen wird. Aber ich habe Handschlagqualität und »For Forest« war bereits fixiert. Das konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Klagenfurt wollte sich als weltoffene Stadt präsentieren, und das ist uns sehr gut gelungen. Es gab rund 200.000 Besucher im Stadion und einen gewaltigen Werbewert. Die Presse hat weltweit darüber berichtet. Und es war die Veranstaltung mit dem größten Umsatz, der jemals im Sportpark erzielt wurde.

Beachvolleyball, Ironman und die Starnacht sind bzw. waren Aushängeschilder. Das Beachvolleyballturnier ist abgezogen. Wird es nach Klagenfurt zurückkehren?
Nein. Wir sagten, es gibt eine Subvention von maximal 250.000 Euro, das war den Veranstaltern zu wenig. Der Ironman spiegelt wider, was Klagenfurt zu bieten hat und passt optimal zu uns. Außerdem wollten wir eine Beruhigung der Ostbucht am Wörthersee, da wollten die Beachvolleyballorganisatoren nicht mitziehen.

Man sagt, Sie haben einen beinharten Führungsstil. Ist das so?
Ich sehe das nicht so. Ich versuche alle miteinzubinden. Aber irgendwann muss eine Entscheidung getroffen werden. Und es gibt immer Menschen, die damit nicht einverstanden sind. Damit muss man leben.

Haben Sie irgendwelche Wünsche für die Zukunft?
Das Wichtigste ist gesund bleiben und das mit meinen Kindern alles in Ordnung bleibt. Auch die Rückkehr zu einer gewissen Normalität ist wünschenswert, dass wieder mehr investiert wird und die Wirtschaft in Schwung kommt. Die Coronakrise hat uns alle schwer getroffen. Die Stadt Klagenfurt hat gezeigt, wie man es machen kann. Es wurden Aktionen gesetzt, um die Wirtschaft zu stärken, wie zum Beispiel mit der »Cashback«-Aktion, und wir nutzen das Investitionspaket des Bundes voll aus.

Worauf möchten Sie nicht verzichten?
Die vielen abgesagten Kulturaufführungen gehen mir schon sehr ab. Diese Veranstaltungen gehören einfach zum gesellschaftlichen Leben dazu. Daher bin ich sehr froh, dass es am 17. September  die Wiedereröffnung des Stadttheaters mit der Oper »Elektra« gibt.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich gehe sehr viel mit meinem Hund spazieren und bin ich gerne auf den Bergen unterwegs, das ist auch zum Abschalten von der Arbeit ideal. Außerdem reise ich sehr gerne, aber leider ist das Reisen derzeit nicht möglich.

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