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Wolfsberg. Nachdem im September des Vorjahrs bekannt wurde, dass der Kindergarten der LKH-Zwerge in der Auenfischerstraße geschlossen oder umstrukturiert werden soll (wir berichteten), wuchs die Sorge unter den Eltern. Eine Gruppe engagierter Eltern, angeführt von Cornelia Gräßl, machte sich stark und wollte wissen, wie es mit der Betreuung ihrer Kindern nun weitergehen wird. Besonders wichtig war ihnen, dass ihre Kinder weiterhin in gewohnter Umgebung betreut werden und die speziellen Öffnungszeiten für Mitarbeiter des Landeskrankenhauses Wolfsberg erhalten bleiben.
Kurz nach Bekanntwerden der anstehenden Schließung wurden die Eltern informiert, dass Veränderungen kommen könnten. Konkrete Details blieben laut Gräßl jedoch aus. »Wir hatten gehört, dass eine alterserweiterte Gruppe kommen soll oder unsere Kinder in anderen Kindergärten der Stadt untergebracht werden sollen. Genaue Informationen gab es aber nicht, wir wurden in Ungewissheit gelassen«, berichtet Gräßl.
Das sieht Vizebürgermeister Alexander Radl (SPÖ) anders: »Dass seitens der Gemeinde keine Informationen an die Eltern übermittelt wurden, ist nicht richtig. Ich habe mich am 25. September 2024 im Rathaus mit Elternvertretern getroffen und ihnen die Sachlage ausführlich erläutert.« Tatsache sei, dass die Stadt Wolfsberg den privaten Kindergarten in der Auenfischerstraße jährlich finanziell unterstützt habe – »obwohl in unseren gemeindeeigenen Kindergärten genügend Plätze für den gesamten Betreuungsbedarf unserer Stadt vorhanden sind. Daher war es im Sinne des Spargedankens ein logischer Schritt, diese Finanzierung privater Betreiber einzustellen«, sagt Radl.
Aus Sicht der Eltern verlief das Gespräch jedoch nicht wie erhofft. Die Eltern fühlten sich missverstanden und hatten den Eindruck, dass ihre Anliegen nicht ernst genommen wurden. »Es war frustrierend. Wir wurden auf Zeitungsartikel verwiesen und verdächtigt, dass wir die Medien über die anstehende Schließung informiert hätten, was aber nicht stimmte«, erzählt Gräßl.
Der Weg zum Bürgermeister
Enttäuscht wandte sich Gräßl in einem Brief direkt an Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ), schilderten ihre Bedenken und bat um Unterstützung. Die Reaktion des Bürgermeisters war positiv: »Er hat freundlich geantwortet und uns eine Lösung in Aussicht gestellt«, berichtet Gräßl.
Ein geplanter Elternabend im November musste wegen der Krankheit des Bürgermeisters abgesagt werden. Weitere Anfragen an seinen Vertreter, Vizebürgermeister Radl, blieben unbeantwortet. »Wir hingen in der Luft und wussten nicht, ob wir unsere Kinder in anderen Kindergärten anmelden sollten«, beschreibt Gräßl die unsichere Situation. Also habe man sich an Vizebürgermeisterin Michaela Lientscher (SPÖ), FPÖ-Stadträtin Isabella Theuermann und Grüne-Gemeinderat Michael Hirzbauer gewandt. Lediglich Theuermann reagierte auf das Schreiben. Theuermann verärgert: »Radl ist rechtlich mit allen Kompetenzen ausgestattet, um den Bürgermeister entsprechend zu vertreten. Ich kann nicht nachvollziehen, warum er seinen Pflichten nicht ordnungsgemäß nachkommt und Amtsgeschäfte auf unbestimmte Zeit verschiebt.«
Radl sagt zur Kritik: »Sämtliche Informationen habe ich sowohl den Elternvertretern im September als auch den heimischen Medien weitergegeben. Ein zusätzlicher Elternabend hätte daran nichts geändert.«
Lange Ungewissheit endet
Mitte Jänner erhielten die Eltern dann eine erfreuliche Nachricht. Allerdings nicht wie erhofft von der Stadtgemeinde Wolfsberg, sondern von der Geschäftsführerin der LKH-Zwerge, Brigitte Wulz. Die gute Nachricht: Die Kindergartengruppe wird als alterserweiterte Gruppe in der Auenfischerstraße bis August 2027 fortgeführt. »Jetzt sind wir natürlich froh, dass es noch eine Lösung gab«, freut sich Gräßl.
Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Eltern kritisieren die mangelnde Kommunikation und Transparenz seitens der Stadt. »Es ist uns bewusst, dass wir den Kindergarten nicht retten können, wenn Entscheidungen bereits gefallen sind. Aber die Art und Weise, wie man uns monatelang in der Luft hängen ließ, finden wir nicht korrekt«, zeigt sich Gräßl enttäuscht. Eine weitere Mutter meint: »Es ist schade, dass diese Gruppe nach 2027 geschlossen wird, da hier längere Öffnungszeiten als in den städtischen Kindergärten angeboten werden. Auch, dass der Kindergarten bilingual war, ist positiv hervorzuheben.«
Radl: »Ich verstehe, dass sich einige Eltern eine Fortführung dieser privaten Kindergartengruppe wünschen. Wenn diese jedoch nur mit finanzieller Unterstützung der Stadt wirtschaftlich überleben kann, stellt sich die Frage, ob es fair und vertretbar ist, weiterhin öffentliche Gelder für eine private Einrichtung aufzuwenden, während in den gemeindeeigenen Kindergärten ausreichend Plätze zur Verfügung stehen.«
Dennoch hoffen die Eltern, dass in Zukunft eine bessere Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Bürgern stattfindet. »Mit einem offenen Gespräch wäre vieles einfacher gewesen und allen viel Ärger erspart geblieben«, resümiert Gräßl. Radl meint: »Die Stadt wird weiterhin gewährleisten, dass alle Kinder einen Betreuungsplatz erhalten, der ihren Bedürfnissen entspricht.«
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