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Wolfsberg. Wenn Ramona Rutrecht über ihre Heimat spricht, wird schnell klar, wo ihr Herz schlägt. Die 31-Jährige hält sich zwar des Berufs wegen sehr oft in Wien auf, ihre Verbindung zum Lavanttal bleibt aber stark. »Meine Heimat ist Wolfsberg. Auch wenn ich beruflich viel Zeit in Wien verbringe, gehört mein privater Lebensmittelpunkt nach wie vor hierher«, sagt sie, denn: »Freunde und Familie sind in Kärnten – deshalb zieht es mich immer wieder nach Hause.«
Aufgewachsen ist Rutrecht in St. Margarethen. Schon früh wurde sie von ihrer Familie geprägt, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. »Mir wurde das familiär vorgelebt. Sich in Vereinen einzubringen, ehrenamtlich zu arbeiten und einen Beitrag für das Zusammenleben zu leisten – das war bei uns immer selbstverständlich. Ich war als kleines Kind schon überall dabei«, blickt sie zurück.
Unter der Woche ist die Lavanttalerin in Wien beruflich tätig, an den Wochenenden zieht es sie zurück ins Lavanttal, wie sie sagt: »Ich arbeite zwar in Wien, aber sobald es die Arbeit ermöglicht, versuche ich, dass ich aus der Stadt rauskomme.«
Ausbildung an der Boku
Nach der Schulzeit führte ihr Weg zunächst an die Tourismusschule Villach. Doch schon bald entwickelte sich ihr Interesse stärker in Richtung Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. »Ich habe dann gemerkt, dass mich vor allem die Themen Lebensmittel, Landwirtschaft und Ernährung interessieren«, sagt die heute 31-Jährige, die es 2018 nach Wien zog, um an der Universität für Bodenkultur gleich mehrere Studien abzuschließen. Rutrecht absolvierte den Bachelor »Nachhaltiges Lebensmittelmanagement«, einen weiteren Bachelor in Agrarpädagogik sowie den Masterstudiengang Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Beruflich ist die Wolfsbergerin heute beim Verein »Qualitätspute Österreich« im Projektmanagement und Marketing tätig. Dort beschäftigt sie sich mit Herkunft, Qualität und Bewusstseinsbildung rund um österreichisches Putenfleisch. Zusätzlich ist sie beim Campus Tivoli, der politischen Akademie der ÖVP, tätig.
Ein großer Teil ihrer Freizeit gehört dem Ehrenamt. »Wenn noch Zeit bleibt, gehe ich gerne wandern oder radfahren, arbeite im Garten oder koche. Aber meine ehrenamtlichen Tätigkeiten sind für mich die Freizeit-Beschäftigung Nummer eins«, so Rutrecht.
Heute engagiert sich Rutrecht vor allem für junge Menschen in der Landwirtschaft. Seit Herbst 2024 ist sie Obmann-Stellvertreterin der »Jungen Landwirtschaft Österreich«, und seit Feber dieses Jahres ist sie auch bei der Kärntner Jungbauernschaft als Obmann-Stellvertreterin tätig. In beiden Vereinen geht es vor allem um Austausch, Weiterbildung und Perspektiven für junge Hofübernehmer. »Unser Ziel ist es, jungen Menschen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führen oder übernehmen wollen, eine Plattform zu bieten«, erklärt sie.
»Wir wollen jungen Menschen, die eine Landwirtschaft führen, eine Plattform bieten«
Ramona Rutrecht, Junge Landwirtschaft Österreich
Ein wichtiger Bestandteil der »Jungen Landwirtschaft Österreich« ist unter anderem das EDUCA-Programm – ein österreichweites Ausbildungsangebot für junge Landwirte. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und den Austausch innerhalb der jungen Agrarszene zu stärken. »Vernetzung und Ausbildung stehen bei uns ganz klar im Vordergrund«, erklärt Rutrecht. Die »Junge Landwirtschaft« versteht sich als Plattform und Netzwerk für junge Menschen mit Interesse an Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung. Sie bringt junge Landwirte, Institutionen und Fachleute zusammen und fördert den Austausch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen der Branche.
Der agrarpolitische Fokus liegt hingegen klar bei den Jungbauern. »Wir wollen Perspektiven für junge Menschen schaffen, die in der Landwirtschaft Verantwortung übernehmen – sei es am eigenen Hof oder in der agrarischen Interessenvertretung«, betont die 31-Jährige. Gerade im ländlichen Raum sei es wichtig, Räume für Austausch und Vernetzung zu schaffen. »Es geht darum, junge Bauern zusammenzubringen, Erfahrungen aus der Praxis zu teilen und aktuelle agrarpolitische Themen zu diskutieren – etwa bei Hofgesprächen oder Fachveranstaltungen«, erklärt sie.
Prägende Landjugend
Besonders prägend war für sie die Landjugend. Vom Ortsgruppen- über den Bezirks- und Landesvorstand führte ihr Weg bis an die Spitze der Organisation. Bis November 2023 war sie Bundesleiterin der Landjugend. »Das war sicherlich die prägendste Zeit für mich. Dieser Weg hat mich auch dazu gebracht, mich stärker mit agrarpolitischen Themen zu beschäftigen«, sagt Rutrecht.
Auch politisch ist Rutrecht engagiert – allerdings ohne konkreten Karriereplan. Sie ist Ersatz-Gemeinderätin der ÖVP in Wolfsberg und bringt sich regelmäßig in agrarpolitische Diskussionen ein. »Eine politische Karriere ist für mich kein vorrangiges Ziel. Mir ist wichtig, mich für die Anliegen der Landwirtschaft und des ländlichen Raums einzusetzen. Wenn die Umstände passen, kann ich mir aber auch politische Verantwortung vorstellen.«
Trotz ihrer zahlreichen Aufgaben hat Rutrecht einen ganz persönlichen Traum: eines Tages eine eigene Landwirtschaft zu führen. »Mein großer Traum ist es, meine Ausbildungen in der Landwirtschaft zusammenzuführen – von der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft, die das Urprodukt bringt, bis hin am Gast zu sein und die Lebensmittel an ihn zu bringen.« Dabei spielt für sie auch der Bildungsaspekt eine wichtige Rolle. »Die Menschen wissen viel zu wenig darüber, wie Lebensmittel produziert werden und wie sie auf dem Teller landen. Essen ist essenziell für unser Leben«, sagt sie.

Von Philipp Tripolt
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