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Bernard Sadovnik: »Zivilcourage bedeutet, Haltung zu zeigen, wenn es einfacher wäre zu schweigen«Ausgabe 21 | Mittwoch, 20. Mai 2026

Der 61-Jährige wurde in der Vorwoche in Wien von SOS Mitmensch mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet. Damit gerechnet habe er »überhaupt nicht«. Sadovnik sieht sich als Brückenbauer zwischen Menschen und Volksgruppen und ruft zum Zusammenhalt auf.

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Globasnitz, Wien. Der Kärntner Slowenenvertreter und Bürgermeister von Globasnitz, Bernard Sadovnik, wurde in der Vorwoche mit dem Zivilcourage-Preis von SOS Mitmensch ausgezeichnet.

»Eigentlich ich war zutiefst überrascht«, erzählt Sadovnik über den Moment, als er von der Auszeichnung erfuhr. »Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet und konnte mir auch nicht vorstellen, warum gerade ich«, sagt der 61-Jährige. Alles, was er tue, geschehe »aus persönlicher Überzeugung. Auch ausgehend von meiner persönlichen Geschichte, die mir sehr wichtig ist«. Bernard Sadovnik ist Nachkomme der Familie Sadovnik, von der im Jahr 1945 am PerŠmanhof elf Angehörige von der SS ermordet wurden.

Den Preis erhielt Sadovnik laut SOS Mitmensch für »seine jahrzehntelangen Dialogbemühungen zwischen der slowenischen Volksgruppe und der Mehrheitsbevölkerung«. Für Sadovnik bedeutet Zivilcourage vor allem, Haltung zu zeigen, wie er sagt: »Vor allem in Situationen, in denen es einfacher wäre zu schweigen. Wichtig ist, zu sich selbst zu stehen, das auch öffentlich zu kommunizieren und dabei immer wertschätzend zu bleiben. Unterschiedliche Meinungen sind legitim, es soll sie geben. Wichtig ist mir aber die Demokratie.«

Die Ehrung versteht Sadovnik nicht nur als persönliche Auszeichnung, wie er betont: »Ich habe den Preis stellvertretend für all jene angenommen, die ehrenamtlich dazu beitragen, dass in diesem Land ein friedliches Miteinander gefestigt wird. Es geht um Menschen, die sich für kulturelle und sprachliche Vielfalt einsetzen.«

Dass SOS Mitmensch seinen »Einsatz für Menschenrechte, Demokratie und ein faires Miteinander« hervorhob, sei für ihn vor allem ein Zeichen von Wertschätzung: »Wenn man meine Arbeit in der Gemeinde oder in der Republik von außen so sieht, dann freut mich das natürlich.«

»Es wäre schlimm, wenn es die Brückenbauer in diesem Land nicht gäbe«
Bernard Sadovnik, Bürgermeister von Globasnitz

Besonders wichtig ist Sadovnik das Brückenbauen zwischen Menschen und Volksgruppen, wie er sagt: »Es wäre schlimm, wenn es die Brückenbauer in diesem Land und auf dieser Welt nicht gäbe. Brücken sind ein Fundament unserer Gesellschaft.« Gerade in Kärnten sei das Zusammenleben von deutsch- und slowenischsprachigen Menschen über Jahrhunderte gewachsen. »Diese Gemeinsamkeit verbindet. Gemeinsame Wurzeln sind ein Mehrwert für unsere Gesellschaft«, so Sadovnik.

Sehr emotional spricht Sadovnik über den Polizeieinsatz im Juli 2025 am Peršmanhof (wir berichteten), der für heftige Diskussionen sorgte. »Für mich war das persönlich eine ganz schlimme Situation. Vieles, was wir in den vergangenen Jahrzehnten an Traumata abgebaut und mit Gedenkfeiern aufgebaut haben, wurde über Nacht zerstört«, sagt der Bürgermeister von Globasnitz.

Spannungen in der Gesellschaft
Besonders getroffen habe ihn, dass der Vorfall erneut zu Spannungen innerhalb der Kärntner Gesellschaft geführt habe. »Unser Ziel muss es sein, die Geschichte so aufzuarbeiten, dass wir einen gemeinsamen Nutzen daraus ziehen und nicht auseinanderdriften«, sagt der 61-Jährige, der selbst massiven persönlichen Angriffen ausgesetzt gewesen ist. »Über Nacht war ich als Linksextremist verschrien«, sagt Sadovnik.

Sadovnik war Mitglied der eingesetzten Expertenkommission zur Aufarbeitung des Polizeieinsatzes. Der Bericht der Kommission sei »nicht für die eine oder andere Seite geschrieben worden, sondern basierend auf Fakten. Ich würde mir wünschen, dass jeder diesen Bericht liest und wir daraus lernen, damit so etwas nicht wieder geschieht«, betont Sadovnik.

Als er im Juli 2025 selbst am Peršmanhof eintraf, sei die Polizei nicht mehr vor Ort gewesen. Die Situation habe ihn dennoch tief bewegt. »Wenn man das mit eigenen Augen sieht, macht das etwas mit einem Menschen«, blickt der 61-Jährige zurück. Sorge bereitet ihm generell die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. »Ich merke, dass unsere Gesellschaft seit Corona sehr auseinandergedriftet ist. Umso wichtiger ist es, einen Beitrag für den Zusammenhalt zu leisten«, sagt er. Kritisch sieht er die Verbreitung von Falschinformationen: »Es ist schlimm, wenn Fake News dazu beitragen, Menschen auseinanderzudividieren. Zusammenhalt ist in einer Familie das Wichtigste – und genauso auch für ein Land.«

Jungen Menschen möchte er vor allem Mut machen, ihre Stimme zu erheben: »Wir können stolz sein, dass wir in einem Land wie Österreich leben, in dem Demokratie gelebt wird. Aber jeder muss seinen Beitrag leisten und dafür eintreten. Es braucht Mut von jedem Einzelnen, aber auch von Parteien, Reformen anzugehen, die den Bürgern zugutekommen.«

// Info
Bernard Sadovnik wurde am 17. Juli 1964 in Klagenfurt geboren.  Er lebt mit Frau Marianne und den Kindern Mirjam und Stanko in Globasnitz, wo er auch Bürgermeister ist – der einzige der »Enotna Lista« in Kärnten. Über viele Jahre hinweg prägte Sadovnik auch die politische Interessenvertretung der Kärntner Sloweninnen und Slowenen. 

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