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Reichenfels. Als Franz Kühweidler, Hegeringleiter in Reichenfels, Mitte Feber erstmals mit dem Gedanken spielte, die Kitzrettung künftig mithilfe von Drohnen durchzuführen, war es zunächst nur eine Idee. Eine, die aus jahrelanger Erfahrung geboren wurde: Immer wieder erlebten Jäger und Landwirte, wie Rehkitze in der Mähsaison zu Schaden kamen – zu klein zum Flüchten, zu gut getarnt im hohen Gras, um von den Fahrern gesehen zu werden, kamen sie in den Mähwerken ums Leben. Aus Kühweidlers Gedanken wurde binnen weniger Wochen ein Projekt, das jetzt das Leben vieler Kitze rettet.
»Ich weiß, wie groß das Problem der getöteten Rehkitze bei Mäharbeiten ist«
Franz Kühweidler, Hegeringleiter Reichenfels
Kühweidler begann zu recherchieren, sprach mit Jägern, Landwirten, Drohnenexperten. In Kärnten gab es bereits eine Initiative, doch im Lavanttal war das Thema neu. »Ich habe mich darin verbohrt, weil ich weiß, wie groß das Problem der getöteten Rehkitze bei Mäharbeiten ist«, sagt Kühweidler. Die Resonanz im Hegering war sehr positiv: Jäger und Landwirte unterstützten ihn nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Unternehmen aus dem Lavanttal schlossen sich an.
Schließlich konnten zwei Drohnen angeschafft werden, inklusive Wärmebildtechnik, Akkus, Transportkoffern und Zubehör. Rund 13.000 Euro kostete das Paket, finanziert durch Spenden. Im März und April wurden die Geräte geliefert, die Ausbildung erfolgte durch den Drohnenanbieter und durch intensives Selbststudium. Ende April war das Team einsatzbereit.
Sechs Piloten, ein Auftrag
Kühweidler stellte ein Team aus sechs Piloten zusammen, alle mit den Austro-Control-Lizenzen A1 bzw. A3: Michael Weinberger, Dieter Hinteregger, Martin Steinkellner, Stefan Rabensteiner und Alexander Rieger. Gemeinsam mit Kühweidler bilden sie die erste Drohneneinheit für Kitzrettung im Lavanttal.
Wie kommt es zum Einsatz der Drohnen? Der Landwirt meldet seinen Mähtermin beim Disponenten oder beim örtlichen Jäger. Kurz vor dem Mähvorgang wird die Fläche beflogen. Die Wärmebildkamera zeigt zuverlässig, ob sich Kitze im Gras befinden. Ganz junge Tiere fliehen nämlich noch nicht, sie drücken sich instinktiv in die Vegetation. Werden Kitze entdeckt, sichern Jäger sie in einer Schachtel, bis die Fläche gemäht ist. Nach rund zwei Stunden werden sie wieder freigelassen.
»Das funktioniert nur Hand in Hand. Zu jedem Piloten gehören zwei bis drei Jäger, die sofort reagieren können und die Tiere sichern. Für die Landwirte bedeutet das einen schnelleren, sicheren Mähvorgang und das gute Gefühl, kein Wild zu gefährden«, sagt Kühweidler.
78 Einsätze, 56 gerettete Kitze
Der erste Einsatz erfolgte am 22. Mai, danach ging es Schlag auf Schlag. Bis 26. Juni wurden 78 Einsätze geflogen, 56 Landwirte unterstützt, 346,2 Hektar abgesucht und 54,3 Flugstunden absolviert. Das Ergebnis bislang: 56 Rehkitze und sieben Hasen wurden gerettet. Auch Gelege von Bodenbrütern konnten entdeckt und geschützt werden. Die Einsätze führten das Team nicht nur ins Gebiet um Reichenfels, sondern auch nach Bad St. Leonhard, Obdach und Kamp.
Im Einsatz stehen die Drohnen hauptsächlich im Frühjahr und Sommer, bei der ersten Mahd, also von Mitte Mai bis Ende des Frühjahrs. Die Bilanz war so beeindruckend, dass Kühweidler und sein Team am vergangenen Sonntag einen Verein gründeten: »Kitzrettung Lavanttal«. Der Verein soll die Arbeit professionalisieren und auf das gesamte Tal ausweiten.
»Wir haben in Reichenfels aktuell sechs Piloten und zwei Drohnen – und die sind voll ausgelastet«, sagt Kühweidler. Im Lavanttal gibt es neun Hegeringe, um alle zu betreuen, braucht es zwölf bis 16 Drohnen und mindestens 30 bis 40 Piloten. Ein großer finanzieller Aufwand. Jegliche Unterstützung – egal ob monetär oder personell – ist daher willkommen. Die Arbeit der Piloten ist ehrenamtlich. Außerhalb der Saison stehen Übungsflüge, Wartung der Ausrüstung und natürlich auch Schulungen am Programm.
Was Kühweidler besonders freut: Die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten ist enger geworden. »Wir sind glücklich, dass wir mit diesem Personal und dieser Unterstützung ein so schönes Ergebnis erzielen konnten«, sagt er.

Von Michael Swersina
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