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Raphael Melcher: Als »Melchtainment« trägt er den Lavanttaler Schmäh in die weite Welt hinausAusgabe 33 | Mittwoch, 12. August 2026

Raphael Melcher aus Lavamünd hat sich als »Melchtainment« auf TikTok und Instagram einen Namen gemacht. Mit spontanen Videos, Lavanttaler Dialekt und viel Humor begeistert der 29-Jährige tausende Menschen – und zwar weit über das Lavanttal hinaus.

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Lavamünd. Wer auf TikTok oder Instagram unterwegs ist, kommt an »Melchtainment« kaum vorbei. Hinter dem Namen steckt Raphael Melcher, 29 Jahre alt und in Lavamünd zu Hause. Mit kurzen, spontanen Videos über den Alltag im »Lavamünder Gemeindebau«, den Lavanttaler Dialekt und einer ordentlichen Portion Humor begeistert er mittlerweile hunderttausende Menschen weit über das Lavanttal hinaus.

Dass aus seiner »Melchtainment«-Idee einmal ein Social-Media-Erfolg werden würde, hätte Melcher selbst nie erwartet, wie er sagt: »Eigentlich wollte ich am Anfang nur Musik- und Naturvideos machen. Es ist immer etwas los in Lavamünd. Ich habe mir gedacht, den Dialekt und den Humor, den wir haben, könnte man als ›Gemeindebau von Lavamünd‹ zeigen.« Heute drehen sich rund 80 Prozent seiner Videos um diese Alltagsszenen. 

Eine der wichtigsten Figuren darin ist Roland Trink. »Er fährt oft mit seiner Ape (Anm.: ein dreirädriges Leichtkraftfahrzeug) seine Runde und kommt bei mir vorbei. Dann ratschen wir vom Balkon aus. Das ergibt sich einfach«, sagt Melcher. Aus den spontanen Gesprächen entstanden mittlerweile Running Gags, die viele Fans längst mitsprechen können. »Es gibt Aussagen von Roland und mir, die wiederholen sich einfach immer wieder und haben sich dadurch längst eingebrannt«, lacht der Lavamünder. 

Gerade die Spontanität ist das Erfolgsrezept, wie der 29-Jährige verrät: »Bei ›Melchtainment‹ gibt es kein Skript. 95 Prozent meiner Videos entstehen spontan. Auch deshalb veröffentliche ich bewusst nur drei bis vier Videos pro Woche. Ich möchte nicht zu viele posten, weil es sonst nicht mehr interessant ist. Und unter der Woche muss der Melcher auch arbeiten.«

Eine Wortkombination

Sein Künstlername entstand unkompliziert. »Melchtainment« ist einfach eine Wortkombination aus Melcher und Entertainment. Dass seine Videos mittlerweile weit über das Lavanttal hinaus bekannt sind, überrascht ihn bis heute. »Ich kann schwer erklären, warum das so gekommen ist. Ich wollte mich eigentlich gar nicht so viel selbst filmen«, sagt Melcher. Einen wichtigen Schub brachte ein Video vom Aufsteirern. »Dort wurde ich von einem Journalisten gefragt, wer der Melcher ist«, lacht der Lavanttaler.

Heute passiert es regelmäßig, dass ihn Menschen erkennen. Besonders eindrucksvoll war das erst kürzlich beim Villacher Kirchtag. »Ich bin aus dem Zug gestiegen und keine drei Minuten später hat mich jemand angesprochen: ›Bist du da Melcher? Mir wird keiner glauben, dass ich dich da getroffen habe.‹ Ähnlich war es in Graz beim Aufsteirern, der Musikanten-Ski-WM oder auf Zeltfesten. Unglaublich ist für mich, dass mich Leute aus Niederösterreich, Wien oder sogar Bayern kennen. Die Leute wissen meist selber nicht, warum sie mich kennen«, lacht Melcher.

Auch beim letzten Fußballspiel für seinen Heimatverein, den SV Lavamünd, blieb seine Bekanntheit nicht unbemerkt, wie er sagt: »In Preitenegg wurde ich über die Lautsprecheranlage begrüßt. Der Sprecher hat zu mir gesagt: ›Ma, da Melcher ist da, da muss ich etwas durchsagen.‹ Natürlich habe ich sofort mein Handy bereitgehalten.«

Seine Community wächst stetig. Stand Donnerstag, 6. August, folgen »Melchtainment« 7.061 Menschen auf TikTok, 5.662 sind es auf Instagram. Im vergangenen Jahr erzielten seine Videos nur auf TikTok rund 1,3 Millionen Aufrufe. Das erfolgreichste Video trägt den Titel »Oh der Herr Melcher«. Darin trifft Roland Trink scheinbar zufällig auf Raphael Melcher – mittlerweile wurde der Clip rund 663.000 Mal angesehen. Viele weitere Videos überschreiten die Marke von 100.000 Aufrufen.

Trotz des Erfolgs bleibt Melcher bodenständig. Sticker mit seinem Foto und einem QR-Code verteilt er bei Veranstaltungen kostenlos: »Die Leute schreiben mir sogar, ob ich ihnen Sticker schicken kann. Das mache ich gerne, ich will damit kein Geld verdienen.«

Musik, Sport und Natur

Social Media ist aber nur ein Teil seines Lebens. Melcher studierte an der Fachhochschule St. Pölten Bahntechnologie und Mobilität, schloss zunächst den Bachelor of Science und anschließend den Master als Diplomingenieur ab. Heute arbeitet er bei einer Baufirma in Villach. Den Arbeitsweg legt er mit der Bahn zurück, denn »mit der Koralmbahn geht das wirklich gut«.

Neben seiner Arbeit prägt vor allem die Musik sein Leben. Melcher spielt Trompete, Gitarre und singt. Ebenso wichtig ist ihm der Fußball. Nach mehr als 15 Jahren und über 200 Einsätzen in der Kampfmannschaft des SV Lavamünd wechselte er in diesem Sommer zum SV Ruden.

Abseits von Kamera und Fußballplatz sucht Melcher die Natur. »Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch«, sagt der 29-Jährige, der erst kürzlich mit seinem besten Freund Tobias für dreieinhalb Wochen durch den Westen der USA reiste. Ein besonderer Höhepunkt war für ihn das Länderspiel Österreich gegen Jordanien in San Francisco, das er im Trikot des FC Kärnten besuchte. »Ich habe mir gedacht, das passt gut – und das zieht sonst sicher keiner an«, lacht der Lavamünder, der in dieser Zeit auch viele Nationalparks besucht hat. »Von Kalifornien über Montana und Wyoming bis nach Colorado – Yosemite, Glacier, Yellowstone, Grand Teton und der Rocky Mountain National Park haben mich tief fasziniert. Bären, Bisons, Wapitis, Elche und viele andere Wildtiere zu sehen war unvergesslich Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, und genau dort finde ich Ruhe, tanke neue Energie und sammle neue Ideen«, blickt der Lavamünder zurück. 

Seine Videos beschreibt Melcher selbst als »Lavamünder Alltag und Lavanttaler Dialekt. Ich möchte den Lavanttaler Schmäh in die Welt hinaustragen.«

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