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Wolfsberg. Eine Rechnung mit teilweise falschen Angaben hat Folgen für den Wolfsberger Stadtpfarrer Christoph Kranicki – nicht wegen des Irrtums, sondern wegen des folgenden Gesprächs mit den Betroffenen. Eine Wolfsbergerin wandte sich mit einer Beschwerde an die Ombudsstelle der Diözese Gurk. Kranicki sagt: »Ich habe nur mitgeteilt, dass die gewählte Form der Kommunikation nicht okay war.«
Auslöser war eine Rechnung der Stadtpfarre Wolfsberg, die am Mittwoch, 11. März, eintraf. »Wir hatten einen Sterbefall in der Familie. Danach erhielten wir ein Schreiben des Pfarramts, laut dem für die Erlaubnis zur Öffnung des bestehenden Grabs für die Versenkung der Urne 259 Euro zu bezahlen waren«, berichtet die Betroffene. Ihr Problem war nicht der Betrag, sondern die in der Rechnung enthaltenen Daten: »Mein Name stimmte, aber die Adresse, die Verstorbene und der Friedhof waren teilweise falsch. Es war offensichtlich ein Mischmasch aus unserer Rechnung und der eines anderen Trauerfalls.« Das Schreiben erreichte sein Ziel nur, weil der Postbote die Wolfsbergerin und ihre wahre Anschrift kannte.
»Wir sind sehr erstaunt, dass ein Priester, der die Leute zusammenbringen soll, so trennend agiert«
Die Wolfsbergerin über Stadtpfarrer Kranicki
Die Betroffene und ihre Tochter wandten sich darauf an die Facebook-Plattform »Wolfsberger helfen Wolfsbergern«. »Wir fragten, ob jemand die Dame kennt, deren Daten mit unseren vermischt wurden«, sagt die Wolfsbergerin, die ungenannt bleiben möchte. Am selben Tag ging sie auch zum Pfarramt Wolfsberg, um den Fehler aufzuklären: »Am Mittwoch Nachmittag war aber niemand mehr dort, Donnerstag früh gingen meine Tochter und ich wieder hin.«
Eine »Überraschung«
Sie erlebten eine Überraschung: Stadtpfarrer Christoph Kranicki hatte den Eintrag auf »Wolfsberger helfen Wolfsbergern« bereits gesehen – und war davon nicht begeistert. Die Betroffene: »Er teufelte uns zusammen, weil wir uns an Facebook gewandt hatten, und warf uns vor, wir hätten damit die Kirche, das Pfarramt und ihn verunglimpft. Es kann nicht sein, dass ein Pfarrer glaubt, er könne uns einfach niedermachen – noch dazu, ohne unsere Argumente anzuhören.«
Die misslungene Rechnung sei »kein Beinbruch, aber der Umgang mit uns hat uns wirklich gestört«, darunter auch, dass die erwachsene Tochter ungebeten vom Pfarrer geduzt worden sei. »Wären wir nicht schon aus der Kirche ausgetreten – jetzt würden wir es tun«, so die Wolfsbergerin. Und: »Wir sind sehr erstaunt, dass ein Priester, der die Leute zusammenbringen soll, so trennend agiert.«
»Ich bedaure, dass in solchen Fällen nicht zuerst der persönliche Kontakt gesucht wird«
Christoph Kranicki, Stadtpfarrer
Mittlerweile hat die Frau eine korrekte Rechnung erhalten und auch bezahlt. Den Vorfall wollte sie aber nicht widerspruchslos auf sich sitzen lassen: »Ich habe mich mit einem Schreiben an die Beschwerdestelle der Diözese gewandt und die Ereignisse geschildert. Man werde sich bei uns melden, lautete die Antwort.«
Was erwartet sich die Wolfsber-gerin nun von Kranicki? »Nichts«, sagt sie, »ich brauche auch keine Entschuldigung. Er darf aber nicht denken, dass er alles darf – und die anderen nichts.«
Das sagt der Stadtpfarrer
Auf Anfrage der Unterkärntner Nachrichten bestätigt der Stadtpfarrer den Vorfall. Schriftlich teilt er mit: »Ich bedaure, dass in solchen Fällen nicht zuerst der persönliche Kontakt gesucht wird, um Anliegen auf eine sachliche und menschliche Weise zu klären. Stattdessen wird häufig das Internet als Plattform genutzt, was dem zwischenmenschlichen Austausch nicht immer gerecht wird.«
In der Rechnung des Pfarramts sei ein Fehler aufgetreten, »was jedem passieren kann, für den wir uns jedoch entschuldigt haben und den man problemlos und einfach korrigieren kann. Ich sehe hier überhaupt keinen Grund für eine Beschwerde.«
Kranicki will die Gelegenheit nutzen, »um offen zu sagen: Bevor Sie etwas im Internet posten, überlegen Sie es bitte mehrmals und suchen Sie zuerst den persönlichen Kontakt. Es ist viel schöner, einander in die Augen zu schauen, als etwas zu veröffentlichen, das man später bereuen könnte.«
Es hat aber nicht den Eindruck, als würde die betroffene Wolfsbergerin das Posting bereuen. Eher das Gespräch mit dem Stadtpfarrer ...

Von Horst Kakl
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