Harald Roth: Der erfolgreiche Unternehmer aus Deutschland, der im Lavanttal heimisch wurdeAusgabe 44 | Mittwoch, 28. Oktober 2020

Harald Roth (66) lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau Irina (52) im Lavanttal. Im Interview mit den Unterkärntner Nachrichten spricht das deutsch-russische Paar über die Gründe, warum es sich im Tal angesiedelt hat und warum sie ihr Haus selbst planen mussten.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Irina und Harald Roth in ihrem Haus in St. Michael vor einem Ofen in der Küche. Den Ofen hat Harald Roth selbst gebaut, da ein entsprechender nirgendwo käuflich zu erwerben war. Die Dekoration stammt von seiner Frau Irina. Foto: UN/much

Artikel

Sie sind gebürtiger Deutscher und erfolgreicher Unternehmer. Was hat Sie denn ins Lavanttal bzw. nach St. Michael verschlagen?
Harald Roth
: Das habe ich meiner Frau Irina zu verdanken. Sie kommt ursprünglich aus Russland, und es hat ihr in Deutschland nicht so richtig gefallen. Sie kommt aus einem Kulturkreis, wo Nachbarschaft und Freundschaft sehr ausgeprägt sind. Dieses Gefühl hat sie in Deutschland einfach vermisst. Wir lebten zwar in Deutschland in Hessen in Pfungstadt auch in einer Kleinstadt mit ungefähr so vielen Einwohnern wie Wolfsberg. Aber die Menschen halten einen gewissen Abstand, man lebt irgendwie isoliert.

Und da dachten Sie sich, ziehen wir einfach ins Lavanttal?
Harald Roth:
So schnell ging das nicht. Wir hatten einige Länder auf unserem Radar, wir haben uns Norditalien und die Türkei angeschaut. Aber das war nicht das Richtige für uns. Österreich kannten wir bereits sehr gut, da wir im Winter oft unseren Urlaub in Österreich verbracht und uns dort immer gut aufgehoben gefühlt hatten. Also haben wir uns umgeschaut und sind 2009 ins Lavanttal gekommen.

Warum fiel die Entscheidung auf das Lavanttal?
Harald Roth:
Es hat uns sehr gut gefallen und auch die Menschen im Tal sind freundlich und offen. Außerdem ist die Umgebung sehr schön, in zehn bis 15 Minuten ist man auf den Bergen, und auch verkehrstechnisch ist die Lage zwischen Klagenfurt und Graz ausgezeichnet. Ich brauche einen Flughafen in der Nähe, da ich beruflich zwei- bis dreimal im Monat nach Deutschland zum Hauptsitz meines Unternehmens fliege. Und auch das Wetter ist in Kärnten sehr angenehm. Letztendlich traf Irina die Entscheidung, sie fühlte sich in Wolfsberg richtig wohl.

Und war die Entscheidung richtig?
Harald Roth
: Absolut. Alles ist hier viel familiärer, die Menschen sind freundlich, offen. Bereits während  des Hausbaus sind immer wieder Nachbarn mit einem Krug Most oder auf Kaffee und Kuchen vorbeigekommen.
Irina Roth: Österreich ist eine Perle der Natur und der Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Uns wurde in St. Michael sehr viel Herzlichkeit entgegengebracht. Mir gefällt auch die »kamode« Art der Lavanttaler. Beim Hausbau hat das meinen Mann zwar oft genervt, denn in Deutschland geht alles zack, zack. Aber die Lavanttaler Art hat auch auf Harald abgefärbt, er ist viel ruhiger geworden.
Harald Roth: Alles ist super hier. Ich habe keine Sekunde zurück gedacht und bin froh, diesen Schritt, den ich ohne Irina wohl nie gemacht hätte, getan zu haben.

Haben Sie nie Heimweh nach Hessen?
Harald Roth
Ich war jetzt coronabedingt vier Monate nicht in Deutschland. Heimweh habe ich nicht, es gefällt mir nicht, wie sich Deutschland zum Negativen verändert hat. Ich bin immer wieder froh, wenn ich mit dem Flugzeug in Graz lande. Das Lavanttal ist unsere Heimat. Vor kurzem haben wir auch die österreichische Staatsbürgerschaft beantragt.

Herr Roth, Sie sind mit Ihrem Unternehmen Vepro AG sehr erfolgreich. Wie kam es zur Gründung?
Harald Roth
: Ich komme aus einem traditionellen Arbeiterhaus in Deutschland. Nach der Schule absolvierte ich eine kaufmännische Ausbildung. Bereits während dieser Zeit hat mich die EDV sehr interessiert. Ich war dann eine Zeit in der EDV-Abteilung eines Energieversorgers tätig. In dieser Zeit machte ich eine Ausbildung als Programmierer und Betriebsorganisator – heute heißt das Workflow-Manager – und verbesserte dabei Betriebsabläufe. Nach zehn Jahren wurde mir das aber zu langweilig, und außerdem ist der Einzelne in einem Großunternehmen nur ein kleines Rädchen. Das war dann nichts mehr für mich, und so habe ich 1981 das Unternehmen Vepro gegründet.

Eine sehr erfolgreiche Unternehmensgründung, wie man heute sieht.
Harald Roth
: Ich musste natürlich am Anfang sehr viel lernen. Erst wenn man selbstständig ist, sieht man, was man kann und was man nicht kann. Es war eine sehr große Herausforderung. Darunter litt auch das Familienleben mit meiner ersten Frau. Es war schwierig, die richtige Balance zwischen Privatleben und Beruf zu finden. Als Unternehmer hat man natürlich auch immer Existenzängste, man weiß nie, was am Ende des Monats aufs Konto kommt. Aber es war der richtige Schritt, auch wenn es 40 Jahre auf- und abwärts ging.
Irina Roth: Es gibt zwei Arten von Unternehmern. Diejenige, deren Eltern bereits Unternehmer waren, und dann die Art von Unternehmern, wie mein Mann, die sich alles selbst erarbeitet haben. Die beste Schule ist die Lebenserfahrung. Man muss etwas probieren, wenn es nicht klappt, vergessen und weitermachen. Man muss sich weiterentwickeln. Harald kennt in seiner Firma jede Position, er ist ein charakterstarker Führer, manchmal ein wenig stur, aber das macht ihn zu einem Kapitän des Unternehmens. Er ist sehr fordernd, manchmal ein wenig zu fordernd, aber das ist er auch sich selbst gegenüber. Und er kommt immer wieder mit neuen Ideen. Er hat ein hohes Verantwortungsbewusstsein, und wenn er etwas verspricht, dann setzt er alles ein, um es zu erreichen.
Harald Roth: Als Unternehmer musst du dich ständig weiterentwickeln, neue Ideen und Produkte entwickeln, sonst bleibt die Uhr stehen.

Was macht das Unternehmen Vepro einfach erklärt ganz genau?
Harald Roth
:Wir entwickeln und betreiben weltweit IT-Lösungen für den medizinischen Bereich. Dazu gehört unter anderen PACS. Das  ist ein digitales System zur Verarbeitung, Verwaltung und Archivierung von medizinischen Bildern und Daten aus den Bereichen Röntgen, Computertomografie, MRT oder Endoskopie. Wir haben daneben noch weitere Produkte, Patientenportale oder RIS zum Managen des Workflows, das Webstudio für Datenverwaltung, Informationsaustausch und Kooperation zwischen verschiedenen Gesundheitsdienstleistern, um nur ein paar zu nennen.

Sie sind mit Ihren Produkten ja weltweit erfolgreich. In welchen Ländern wird Ihre Software verwendet?
Harald Roth
:Wir sind in Asien, Lateinamerika und Europa auf dem Markt. Afrika ist derzeit stark im Kommen.

In Nordamerika sind Sie nicht vertreten?
Harald Roth
: Wir sind in den USA ein wenig vertreten. Aber die USA sind für mich ein enttäuschendes Land, um Geschäfte zu machen. Es gibt dort keine Handschlagqualität und jeder will nur schnelles Geld machen.  

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Harald Roth
: Ich beschäftige rund 50 Personen weltweit.

Sie sind 66 Jahre alt und führen Ihr Unternehmen seit 40 Jahren. Haben Sie schon einmal an die Pension gedacht?
Irina Roth:
(lacht) Der wird noch im Grab liegen und schreien: Was gibt es noch zu tun?
Harald Roth: Mein Ziel ist es, nie in Rente zu gehen. Die Arbeit ist meine Leidenschaft. Ein Sprichwort sagt: Wenn man mit 75 etwas Gutes tun kann, welchen Grund gäbe es damit aufzuhören? Natürlich wäre es schön, mehr Zeit für meine Frau und Freunde zu haben. Aber so lange ich gesund bin, werde ich arbeiten.

Wie kommen Sie mit dem Lavanttaler Dialekt und den kulinarischen Gewohnheiten im Lavanttal zurecht?
Irina Roth:
: Ich bin schon recht oft umgezogen, daher spreche ich Hochdeutsch. Aber ich habe kein Problem damit, die Menschen hier zu verstehen.
Harald Roth: Die Interpretation von Wörtern ist oft lustig. Aber es ist ja alles Deutsch. Beim Essen – ich möchte jetzt nicht arrogant klingen – ist es schon oft schwierig, ein entsprechendes Lokal zu finden. Vor allem, wenn man auf der ganzen Welt unterwegs war, ist man im Lavanttal schon ein wenig eingeschränkt.
Irina Roth: Die russische und österreichische Küche haben auch einige Gemeinsamkeiten: So gibt es in Russland auch eine Form der Kärntner Nudel und Fleischnudel oder Palatschinken. Aber ich koche selbst sehr gerne und gut, und wenn mir etwas schmeckt, koche ich es gleich nach und versuche, es noch zu verbessern. Wenn Geschäftspartner zu uns kommen, koche ich sehr oft für sie. Wir haben einen eigenen Gemüse-, Obst- und Gewürzgarten. Da gibt es eigentlich alles, was man hier anbauen kann. Das ist für mich eine Leidenschaft.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Irina Roth
: Da wir keinen Architekten finden konnten, der ein Haus nach unseren Vorstellungen planen konnte, hat mein Mann das Haus selbst entworfen. Ich bin für die Einrichtung zuständig, und alle paar Monate wird entsprechend der Jahreszeit umdekoriert. Das ist mein Hobby. Ich erstelle viele der Dekorationen für das Haus selbst.
Harald Roth: In meiner Jugendzeit war ich Springreiter. Aber mit dem Alter bin ich weise geworden und habe gesehen, man soll Pferde nicht benutzen. Ich habe hier in St. Michael zwei Andalusier-Hengste,  um die kümmere ich mich und unternehme hin und wieder einen gemütlichen Ausritt.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft, privat und beruflich?
Harald Roth
: Beruflich sind wir dabei, ein neues Produkt zu entwickeln, das echte, sichere und vertrauliche Kommunikation ermöglicht. Mit Crype wird eine Verbindung zwischen den beiden Benutzern aufgebaut, und es gibt keine Zwischenschaltung von Servern wie bei den gängigen Diensten wie Messenger, WhatsApp usw. Privat möchte ich mehr Zeit mit meiner Frau verbringen und das genießen, was ich mir erarbeitet habe.

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren