Christian Puff: »Wir möchten wieder mit den großen Vereinen mitspielen und auch wieder Punkte holenAusgabe 43 | Mittwoch, 21. Oktober 2020

Christian Puff (48) ist geschäftsführender Gesellschafter der RZ Wärmecontracting GmbH und Vizepräsident des RZ Pellets WAC. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über sein Aufgabe beim Lavanttaler Bundesligisten und Ziele für Europa League und Bundesliga.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Christian Puff ist der Vizepräsident des RZ Pellets WAC. Kleines Bild: Ein Bild aus vergangenen Tagen: Christian Puff (l.), Shon Weissman und Präsident Dietmar Riegler feierten die Qualifikation für die Europaleague-Gruppenphase. 

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Sie sind Vizepräsident des Lavanttaler Fußball-Bundesligisten RZ Pellets WAC. Was machen Sie hauptberuflich?
Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der RZ Wärmecontracting GmbH. Ich beschäftige mich mit der Erzeugung und dem Verkauf von Wärme aus Pellets.

Waren Sie selbst auch aktiver Fußballer?
Ich bin 1991 von Frantschach zum WAC gekommen, wo ich bis 2002 spielte. Zunächst war ich offensiver Mittelfeldspieler. Im Laufe der Jahre bin ich dann immer weiter nach hinten gewandert, bis ich schließlich den klassischen Libero spielte. Von 2002 bis 2006 war ich dann beim SK St. Andrä aktiv. Im Juni 2006 habe ich meine Fußballschuhe an den Nagel gehängt.

Wie sind Sie in den WAC-Vorstand gekommen?
Dietmar Riegler hat mich nach meiner aktiven Karriere gefragt, ob ich nicht eine Vorstandsfunktion übernehmen würde. Kurze Zeit arbeitete ich im Vorstand mit und wechselte dann nach der Fusionierung mit dem WAC in den Vorstand des RZ Pellets WAC. Seit 2012 bin ich offiziell Vizepräsident des Vereins.

 

In dieser Zeit gab es für den WAC viele Höhepunkte. Was waren die Highlights aus Ihrer Sicht?
Das war zunächst einmal der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse der österreichischen Bundesliga. Es war lange Zeit das Ziel des WAC, wieder in einem bundesweiten Wettbewerb mitzuspielen. Das haben wir geschafft. Nur zwei Jahre später sind wir in die die höchste Spielklasse aufgestiegen. Das wir das in dm Tempo schaffen, damit hatte keiner gerechnet. Mittlerweile sind wir mit dem WAC die neunte Saison in der höchsten Spielklasse Österreichs. Wir wollten immer eine Mannschaft sein, die sich in der Bundesliga etabliert. Das ist gelungen. Der heutige Stellenwert des WAC ist ein Wahnsinn.

Die internationalen Bewerbe gehören wohl auch zu den Highlights, oder?
Natürlich. Die internationalen Bewerbsspiele sind etwas ganz Besonderes. Die Gruppenphase der Europa League war ein einprägsames Ereignis, wenn man sich mit den Vereinsspitzen von europäischen Spitzenteams trifft wie AS Roma oder Borussia Mönchengladbach. Auch die Gruppenauslosung in Monaco war eine sensationelle Veranstaltung.

Jetzt spielt man international mit. Wie sehr schmerzt dann eine Aussage wie die von ORF-Moderator Rainer Pariasek, der WAC sei ein Dorfclub?
Wir wissen, wir haben eine gewisse Einwohnerzahl, sind aber keine Großstadt. Was zählt, ist das, was auf dem Rasen passiert. Und da haben wir mit unseren Mitteln schon einiges erreicht. Wir sind international tätig, wir sind seit neun Jahren in der Bundesliga, hatten nie Probleme bei der Lizenzierung. Da macht man sich über so eine Aussage nicht unnötig Gedanken.

Wie sind Sie mit der aktuellen Saison zufrieden?
Durch die Zu- und Abgänge gab es eine kleine Umstrukturierung. Die Qualität der Mannschaft ist vorhanden, aber bis alles rund läuft dauert es ein bisschen. Ich bin überzeugt, wir kommen dort hin, wo wir in der letzten Saison waren. Der Saisonstart gegen Salzburg war ein wenig unglücklich, mit der schnellen roten Karte. Ich denke, ohne unseren Ausschluss hätte es Salzburg nicht so leicht gehabt, einen Sieg einzufahren. Auch gegen den LASK haben wir uns nicht schlecht präsentiert, aber die Linzer sind eines der Top-Teams in Österreich. Nicht eingeplant war die Niederlage gegen St. Pölten. Wir hatten bislang in den Spielen wenig Spielglück. Aber das muss man sich auch hart erarbeiten.

Shon Weissman geht dem Verein spürbar ab, oder?
Einen Spieler, der in einer Saison mehr als 30 Tore erzielt, muss man erst einmal ersetzen. Das ist nicht so einfach. Aber mit den Neuzugängen Vizinger und Joveljic haben wir eine sehr gute Alternative gefunden.

Am Sonntag musste der WAC im Cupspiel gegen Ried »Überstunden« machen. Wird sich das im Europa-League-Spiel gegen ZSKA Moskau auswirken?
Wir hätten es natürlich lieber gehabt, wenn wir unseren Job in 90 Minuten erledigt hätten. Aber ich sehe das jetzt nicht als großes Problem. Die Jungs sind gut trainiert und wissen, worum es geht. Außerdem gibt es durch die Europa League einen zusätzlichen Motivationsschub. Daher sehe ich die »Überstunden« nicht als Problem.

Welche Ziele hat man sich für die Europa League gesetzt?
Wir möchten wieder mit den großen Vereinen mitspielen und Punkte holen. Es wäre schön, im Frühjahr noch dabei zu sein (Anm.: Dafür muss der WAC in der Gruppenphase aufsteigen). Im Vorjahr haben wir leider ein paar Punkte liegenlassen. Aber es war schön zu sehen, dass wir mit europäischen Topvereinen mithalten können. Zwei Mal ein Remis gegen AS Rom und ein 4:0-Sieg gegen Mönchengladbach, da muss alles passen.

Wann haben Sie eigentlich an den Sieg gegen Mönchengladbach geglaubt?
Wir gingen sehr früh in Führung, da haben wir dann gedacht, die Deutschen werden jetzt aufdrehen. Zur Pause stand es 3:0 für uns. Da sahen wir uns verwundert an und dachten: »Was passiert da?« Als wir bis zur 60. Minute noch immer keinen Gegentreffer bekommen hatten, fingen wir an, uns mit dem Sieg anzufreunden.

Berücksichtigen Sie bei der Transferpolitik auch heimische, bzw. Kärntner Spieler?
Nach Möglichkeit setzen wir auf heimische Fußballer. Wir werden ihnen – wenn die Qualität die gleiche ist – immer den Vorzug gegenüber Legionären geben. Wir schauen auch, dass wir Spieler aus der eigenen Akademie über die Amateurmannschaft in den Profikader bringen.  

Was sagen Sie zu den Transfersummen, die im Fußball manchmal bezahlt werden?
Das ist schon oft astronomisch. Aber so lange jemand solche Summen bezahlt, wird sich nichts ändern. Es ist schon sehr viel Geld im Spiel. Durch die Coronakrise gibt es diesbezüglich einen positiven Nebeneffekt, dass sich diese Summen nach unten bewegt haben.

Vor zwei Jahren war Andreas Herzog im Gespräch als WAC-Trainer. Warum wurde da nichts daraus?
Es gab ein gutes Gespräch mit Herzog, und er zeigte auch Interesse. Er hat aber die Angelegenheit an seine Berater übergeben und dann ist es im Sand verlaufen. Man muss sagen, dass wir mit unseren Trainern immer ein gutes Händchen hatten. Andere Vereine entlassen ihre Teamchefs, wir konnten schon einige verkaufen.

Wie schaut es mit den Stadionplänen in Wolfsberg aus?
Es gibt bereits konkrete Pläne, wie die Lavanttal Arena in Wolfsberg adaptiert werden könnte, um auch Europa-League-tauglich zu werden. Wir möchten das in den nächsten zwei Jahren umsetzen.

Wie hart hat die Coronakrise den WAC getroffen?
Es hat uns schon getroffen, bei den Zuschauereinnahmen und im Gastrobereich. Aber es läuft für uns trotzdem recht gut. Man musste halt lernen, damit umzugehen.  

Sie sind Geschäftsführer, Vizepräsident, Familienvater. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Ich bin seit 2009 verheiratet und wir haben zwei Kinder, Tochter Lisa Marie ist 18 Jahre alt und Sohn Lukas ist 15 Jahre. Beim Verein gibt es Phasen mit höherer Arbeitsbelastung, wie in der Transfer- und Lizenzierungszeit, aber auch immer wieder etwas ruhigere. 

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