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Sechs Stelen erinnern an das Schicksal von 934 Ruthenen, die in Wolfsberg ihr Leben verlorenAusgabe 37 | Mittwoch, 11. September 2019

Im Ersten Weltkrieg suchten ruthenische Flüchtlinge aus Galizien Zuflucht in Wolfsberg. Sie mussten in einem Lager unter schlechten Bedingungen leben, knapp 1.000 Menschen starben. Am 20. September wird in Wolfsberg ein neues Denkmal für sie geweiht.

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Wolfsberg. »100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs geben wir ihnen wieder ihre Namen!« Mit diesen Worten ist die Einladung der Landesgeschäftsstelle Kärnten des Österreichischen Schwarzen Kreuzes (ÖSK) überschrieben, die gemeinsam mit der Stadt Wolfsberg zur Einweihung eines Denkmals für ruthenische Flüchtlinge aus Galizien am Soldatenfriedhof Wolfsberg-St. Johann lädt. Das »Ruthenendenkmal« soll nicht nur an die vielen Menschen erinnern, die in Wolfsberg starben, »es ist auch als Signal gegen den heutigen, teilweise unwürdigen Umgang mit Flüchtlingen zu verstehen«, so das ÖSK.

Die Geschichte hinter dem neuen Denkmal liest sich laut dem Schwarzen Kreuz so: Im Verlauf des Ersten Weltkriegs flüchteten vor allem aus den Ostgebieten der Monarchie viele Menschen in den inneren Bereich.

Bis zu 7.000 Flüchtlinge
So entstand in Wolfsberg ein Lager für ruthenische Flüchtlinge aus Galizien, das im Herbst 1917 wieder  geschlossen wurde. Zwischenzeitlich befanden sich bis zu 7.000 Flüchtlinge im Lager. Nach der Auflösung des Lagers verließen die Insassen umgehend Wolfsberg, die meisten von ihnen kehrten nach Galizien zurück.
Die im Lager herrschenden, teils menschenunwürdigen Zustände werden dadurch dokumentiert, dass 934 Ruthenen, darunter  563 Kinder unter fünf Jahren, starben. Nachgewiesen ist, dass viele an Cholera, Lungenentzündung, Tuberkulose, Masern, Typhus, Hirnhautentzündung zugrunde gingen. Die verstorbenen Flüchtlinge wurden auf dem damaligen Flüchtlingsfriedhof in St. Johann beigesetzt.

Mit dem Ende der Habsburger Monarchie wurde der Friedhof stillgelegt. Erst im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde er wieder als Friedhof für die Lagerinsassen des Kriegsgefangenenlagers Wolfsberg verwendet. Heute erinnert nur mehr ein verwitterter Grabstein an die Ruthenen.

Name, Alter, Todesjahr
Das wird sich jetzt ändern. Im hinteren Teil des Wolfsberger Soldatenfriedhofs wurden jetzt sechs Stelen errichtet, die neben den Namen der Toten auch ihr Alter und das Sterbejahr festhalten. Davor wurde ein Stein platziert, auf dem in drei Sprachen – Deutsch, Ruthenisch und Englisch – auf das Schicksal der Verstorbenen hingewiesen wird. Die Planung des Denkmals erfolgte durch die Stadt Wolfsberg, beteiligt waren die Firmen Ing. Johann Müller, Cekoni und Schönhardt sowie das Jägerbataillon 26.

Die Weihe findet am Freitag, 20. September, um 10.30 Uhr am Soldatenfriedhof statt. Dabei werden neben Ehrengästen aus dem öffentlichen Leben auch höchste diplomatische Vertreter aus der Ukraine und Polen erwartet.

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