Seit 2,5 Jahren wird gegen Handymast gekämpft: Jetzt gibt es ein neues Gutachten, das geprüft wirdAusgabe 14 | Mittwoch, 7. April 2021

Laut dem Wolfsberger Bürgermeister Hannes Primus wird es »einige Wochen« dauern, bis die Auswertung fertig ist. Vielleicht gibt es dann eine Entscheidung über das Projekt, dessen Bauverhandlung im Oktober 2018 stattfand. Damals hieß es: in ein bis zwei Wochen.

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Wolfsberg. Diese sieben Tage ziehen sich ganz schön lange. Im Oktober 2018 wurde eine Bauverhandlung über den im Wolfsberger Ortsteil Kleinedling geplanten Handymast abgehalten. Damals hieß es, die Stadt werde in ein bis zwei Wochen eine Entscheidung über das Projekt fällen. Mittlerweile sind zweieinhalb Jahre ins Land gezogen – und einen Spruch gibt es noch immer nicht.

Wurde der 30 Meter hohe Mast, der in einem Wald am Beginn der Alten Straße entstehen soll, noch unter Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz beantragt, erbte den »Problembau« mittlerweile Hannes Primus. Er sagt: »Wir haben ein drittes Gutachten erhalten, das von der Stadt in Auftrag gegeben wurde. Es wird jetzt geprüft, was noch einige Wochen dauern kann.« Und er fügt an: »Wir können nur die Bauverhandlung durchführen. Einfluss darauf, was auf dem Mast montiert wird, haben wir nicht.« Sein Hinweis hat einen guten Grund: Die Kleinedlinger Bevölkerung trat seinerzeit massiv gegen die Handyantenne auf. 870 Anrainer leisteten mit ihren Unterschriften Widerstand, auch bei der Bauverhandlung war eine Abordnung vor Ort, die mit einer klaren Botschaft auftrat: Kein Mast!

»Wenn die Ortsbildkommission das gutheißt, haben sie ihren Job verfehlt«
Wolfgang Knes, Projektgegner

An der Spitze der Gegner stand Wolfgang Knes, damals SPÖ-Nationalratsabgeordneter und Gemeinderat, der in der Zwischenzeit der Politik den Rücken gekehrt hat. Er legte im Jänner 2019 ein 33-seitiges Gutachten des Wiener Ziviltechnikers Hans Kordina vor, der das Vorhaben ablehnend beurteilte. Der Mast sei eine »Gefährdung und Störung des Ortsteilbilds«, seine Höhe entspreche in keiner Weise den bereits im Siedlungsbereich bestehenden Anlagen. Dadurch, so Kordina weiter, würden wesentliche Bestimmungen des Kärntner Ortsbildpflegegesetzes nicht erfüllt. Dessen Fazit: »Aus fachlicher Sicht wird festgehalten, dass das geplante Vorhaben aus Sicht der Wahrung des Ortsbildes abzulehnen ist.«

Das Problem: T-Mobile – der damalige Betreiber des Projekts, den es heute so nicht mehr gibt und der in »Magenta« aufgegangen ist – hatte eine Stellungnahme der Ortsbildpflegekommission vom Mai 2018 in der Tasche, in der – nach Erfüllung einiger Auflagen –  festgehalten wurde, dass die Antenne das Ortsbild nicht stören würde.

Darauf wandte sich Wolfsberg an das Land Kärnten mit der Bitte, eine Stellungnahme abzugeben, die als Entscheidungsgrundlage dienen sollte. Weil das Land dankend abwinkte, blieb nichts anderes übrig, als ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben, das jetzt geprüft wird. 

Felsenfest dagegen

Knes, der selbst in Kleinedling lebt, stellt sich weiter gegen den Mast: »Die Rechtslage ist sonnenklar: Für den betroffenen Wald existiert ein aufrechter Rodungsbescheid, der bis 21. Dezember des heurigen Jahres gilt. Bis der abgelaufen ist, kann man dort gar nichts machen, denn wenn die Bäume weg sind, steht der Mast alleine. Und sollte es bis dahin einen positiven Bescheid der Stadt geben, werden wir dagegen alle Rechtsmittel ausschöpfen.«

Sein weiteres Argument: »Seinerzeit sagte T-Mobile, die Anlage werde aufgrund von Versorgungsnot dringend gebraucht. Jetzt sind Jahre vergangen – und es hat auch so funktioniert. Das heißt, man muss dort keinen Monstermast hinknallen. Außerdem hat der Betreiber nie das Gespräche mit den Bürgern gesucht.« 

Knes wird auch nicht müde, die Ortsbildkommission zu attackieren: »Wenn deren Mitglieder so ein Projekt gutheißen, haben sie ihren Job verfehlt! Und wenn es heißt, der Mast werde eh grün angestrichen, damit er nicht auffällt, ist das zu wenig.«

Die andere Seite

Auf Anfrage der Unterkärntner Nachrichten bestätigte Magenta, dass man den Mast weiterhin bauen will. Auch wenn mittlerweile Jahre vergangen sind, sei er immer noch wichtig. Magenta teilt mit: »Jeder Mast ist entscheidend, wenn es darum geht, ein lückenloses Netz mit möglichst viel Kapazität bereitzustellen.« Doch es gehe längst nicht mehr nur um Telefonie. Die Datennutzung nehme extrem zu. »Durch die Corona-Krise hat die Digitalisierung und somit das Breitband-Internet einen sehr hohen Stellenwert bekommen. Home-Office, Home-Schooling und Video-Streaming haben dem Internetanschluss schlagartig extrem viel abverlangt. Dass unser Netz standgehalten hat, ist auf die gut ausgebaute Infrastruktur zurückzuführen.« Deshalb sei es jetzt noch wichtiger als 2018, auch diesen Handymast zu errichten.

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