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Schönsonntagmarkt: Pfarrer und Bürgermeister bestreiten Konflikt – Einigkeit sieht aber anders ausAusgabe 30 | Mittwoch, 26. Juli 2023

Der Wolfsberger Stadtpfarrer sorgt sich um die Zukunft des Fronleichnamumzugs – und behält seine Meinung über den »richtigen« Veranstaltungsort des Markts für sich. Wie er, dementiert auch der Bürgermeister einen Streit. Hintergrund ist der Bieranstich.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Bei der Eröffnung des heurigen Markts standen Stadtpfarrer Christoph Kranicki und Bürgermeister Hannes Primus (mit Marktprinzessin Sandra Ragger) Seite an Seite. Zuvor hatte Kranicki den Fronleichnamsumzug durch die Stadt geleitet. Auf die Frage, wo der Schönsonntagmarkt stattfinden soll, schweigt der Stadtpfarrer jetzt. Foto: Pulsinger

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Wolfsberg. Dass sie nicht einer Meinung sind, ist offensichtlich. Dass es deswegen aber zu einer deftigen Auseinandersetzung gekommen ist, wie behauptet wird, und sie nun »zerstritten« seien, verneinen sowohl der Wolfsberger Stadtpfarrer Christoph Kranicki als auch Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ). Letzterer reagierte auf Nachfrage der Unterkärntner Nachrichten genervt. Fest steht, dass der traditionelle Fronleichnamsumzug, der dem Stadtpfarrer sehr am Herzen liegt, und der zugleich startende Schönsonntagmarkt keine idealen »Nachbarn« sind.  

Der Austragungsort des Markts bleibt weiter Thema. Wie berichtet brachte die der katholischen Kirche nahestehende ÖVP in der jüngsten Gemeinderatssitzung einen Antrag ein, laut dem die Veranstaltung wieder auf das Gelände nach Kleinedling verlegt werden soll. In der Begründung heißt es unter anderem: »Auch der Umzug zu Fronleichnam geht im Marktgeschehen unter.«

War diese Formulierung mit Kranicki abgesprochen? »Nein«, sagt der Stadtpfarrer, »warum dieser Antrag so eingebracht wurde, müssen Sie die ÖVP fragen.« 

»Ich muss darauf achten, dass Fronleichnam würdig und schön gefeiert werden kann«
Christoph Kranicki, Stadtpfarrer

Fakt ist: Sowohl der Fronleichnamsumzug als auch der Start des Schönsonntagmarkts fielen heuer erstmals – zeitversetzt – auf den Donnerstag, 8. Juni. Während der Aufbau noch lief, zogen die Gläubigen durch die Stadt, um das kirchliche Hochfest zu feiern. Kranicki: »Wir haben darüber im Pfarrgemeinderat im Frühling diskutiert, weil einige Mitglieder deshalb verunsichert waren. Aber beim Umzug ging alles gut, die Route, die wir seit Jahrzehnten gehen, war frei, auch die vier Altäre bzw. Stationen. Ich glaube, der Gottesdienst und die Prozession standen im Zentrum dieses Tages.«

Schweigen
Wo der Schönsonntagmarkt veranstaltet wird – in der Innenstadt oder am Marktgelände – liege nicht in seinem Aufgabenbereich, sagt der Stadtpfarrer: »Dafür sind andere verantwortlich.« Auf die Frage, wie seine persönliche Meinung dazu lautet, schweigt er vielsagend.

Dann setzt Kranicki fort: »Ich muss darauf achten, dass kirchliche Feste, auch das Fronleichnamsfest, würdig und schön gefeiert werden können. Es ist wichtig, dass sich die Akzente an diesem Tag, der für die Gläubigen von großer Bedeutung ist, nicht verschieben.« Immerhin sei dieser Donnerstag dank der Kirche frei: »Daher soll die religiöse Dimension im Mittelpunkt stehen.«

Mit Bürgermeister Primus habe es im Pfarrgemeinderat, wie kolportiert wird, keinen Streit gegeben. Der Priester: »Wie auch? Der Bürgermeister war dort gar nicht anwesend. Wir haben nach dem Markt aber miteinander telefoniert und er hat mir versprochen, dass es auch im nächsten Jahr keine Akzentverschiebung gibt und die religiöse Dimension erhalten bleibt. Primus sagte, es wird keine Gegenveranstaltung geben, wofür ich ihm sehr dankbar bin.«

»So, wie der Schönsonntagmarkt heuer war, war es dem Stadtpfarrer recht«
Hannes Primus, Bürgermeister

Und hier liegt der Kern: Seitens der Gastronomie kam nach dem Markt der Wunsch auf, den Bieranstich, der heuer erst am Samstag stattfand, auf Donnerstag vorzuverlegen. Darauf bezieht sich der Pfarrer mit der genannten »Gegenveranstaltung«.

Und auch wenn er sich nicht zum Austragungsort des Schönsonntagmarkts äußert: Kranicki versieht Social-Media-Beiträge, die sich für die Rückverlegung auf das Marktgelände aussprechen, mit »Likes«. Warum? »Ich like viele Dinge, die mit Wolfsberg zu tun haben«, sagt er, »ich war mir nicht bewusst, dass das so interpretiert wird« – nämlich als Absage an die Innenstadt als Schauplatz des Markts.

Der Bieranstich
Bürgermeister Primus, der sich in der Vorwoche auf Urlaub befand, bereute wohl sofort, dass er sich auf Ersuchen der Unterkärntner Nachrichten telefonisch meldete. Nachdem er seinem Ärger über das Thema Luft gemacht hatte, sagte er: »Es gab keinen Streit mit dem Stadtpfarrer. Wir hatten ein Gespräch, in dem er festhielt, dass beim Fronleichnamumzug kein Bieranstich stattfinden soll.« Das habe er Kranicki zugesichert.

Der Bürgermeister weiter: »So, wie der Schönsonntagmarkt heuer war, war es dem Stadtpfarrer recht. Es war alles mit ihm abgestimmt und es hat ihn sehr gefreut, dass er bei der Aufstellung der Freiung auf dem Rathaus-Balkon dabei war.«

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