Noch mehr Windräder: Jetzt will auch Kelag bauenAusgabe 17 | Mittwoch, 28. April 2021

Auch hier ist die Steinberger Alpe der beabsichtigte Standort, wo ein anderer Betreiber zuletzt rechtliche Probleme hatte. St. Georgen will erste klimaneutrale und energieautarke Gemeinde werden und mit dem Erlös Freizeitangebote ausbauen, sagt Bürgermeister.

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St. Georgen. Die einen müssen sich mit Einsprüchen herumärgern, bei anderen scheint es rund zu laufen. Soll heißen: Der Kärntner Energieversorger Kelag trägt sich mit dem Plan, acht Windräder auf der Steinberger Alpe – genauer auf dem Gebiet der Gudmund Schütte Forst- und Gutsverwaltung – zu errichten. Mit deren Leiter Dominik Habsburg-Lothringen soll weitgehende Einigkeit herrschen, wollte er doch selbst einst ein ähnliches Projekt umsetzen, allerdings an einem höher gelegenen Standort. Der Gemeinde St. Georgen wurde ein Partnerschaftsvertrag angeboten, der vor der jüngsten Gemeinderatswahl aber nicht mehr behandelt wurde. Noch heuer sollen Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht werden. Im St. Georgener Bürgermeister Karl Markut (Team St. Georgen) hat die Kelag einen Verfechter des Vorhabens. »Ich habe mein Ja zu den Windrädern in meinem Wahlprogramm festgehalten und bekam dafür die Zustimmung beim Urnengang«, sagt Markut, der als Bürgermeister im ersten Wahlgang 62,03 Prozent erhielt.

Die Probleme der anderen

Während es also für die Kelag gut aussieht, hat die Firma Ecowind mit Widerstand zu kämpfen. Sie will ebenfalls auf der Steinberger Alpe, allerdings auf dem Gebiet der gleichnamigen Genossenschaft, sechs Windräder bauen – ohne Umweltverträglichkeitsprüfung. Dafür lag bereits eine naturschutzbehördliche Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg vom 15. Jänner 2018 vor. Wie vergangene Woche berichtet, hob aber der Verwaltungsgerichtshof im März ein Urteil des Landesverwaltungsgerichts Kärnten aus formalrechtlichen Gründen auf, das einen Einspruch des »Arbeitskreises zum Schutz der Koralpe« gegen das Projekt zuvor verworfen hatte. Damit muss vor dem Landesverwaltungsgericht neu verhandelt werden. Kommt es ganz grob, könnte die Bewilligung doch noch aufgehoben werden, woran Experten aber zweifeln.

Markut hält solche Probleme bei den Kelag-Windrädern auf dem Boden der Schütte Forst- und Gutsverwaltung für nicht möglich. »Es gibt in erster Linie Befürworter. Dazu handelt es sich bei der Forstverwaltung um eine Eigenjagd, Einsprüche wegen des Auerwilds oder der Jagdausübung werden also schwer möglich sein«, so der Bürgermeister. Er sagt, die Gemeinde stehe den Windrädern aus mehreren Gründen positiv gegenüber: »Wir wollen die erste klimaneutrale und energieautarke Gemeinde werden. Dafür brauchen wir die alternative Windenergie. Und wenn wir dieses Projekt nicht unterstützen, würden trotzdem Windräder gebaut werden – 700 Meter weiter östlich auf steirischem Boden.«

So aber soll die Standortabgabe und die entsprechende Abgeltung der Kelag den Bürgern zugute kommen. Markut: »Wir werden das Geld in Freizeitangebote für Wanderer und Radfahrer investieren. Genau wie der geplante Pumpspeicher, den ich ebenfalls befürworte, ist auch die Windkraft eine Chance für uns. Denn sonst haben wir in unserer Gemeinde nur wenige wirtschaftliche Möglichkeiten. Ich stehe mit jeder Faser dahinter.«

Bernd Neuner, Mitglied der Geschäftsführung der Kelag und verantwortlich für die Entwicklung des Geschäftsfelds Windkraft, bestätigt die Angaben Markuts: »Wir haben in der Nachbarschaft des genehmigten Windparks einen Standort untersucht und beplanen ihn derzeit. Wir sind damit noch nicht fertig, wollen aber bis Jahresende ein UVP-Verfahren einleiten.« Die Anzahl der Windräder sei noch nicht endgültig festgelegt, »derzeit sind es acht«, so Neuner. 

Die Ecowind-Probleme auf der Steinberger Alpe sieht er nicht als Schwierigkeit: »Wir haben einen eigenständigen Standort, der im Einklang mit der Windkraft-Verordnung des Landes steht. Die derzeitige Situation ist unschön, aber wir werden eine UVP durchführen und das Projekt den schwierigsten Maßstäben unterwerfen.« Rechnet Neuner mit Widerstand? »Das ist schwierig zu sagen. Unser Vorhaben befindet sich allerdings auf Privatgrund.« 

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