Bevölkerungsentwicklung: Das Tal schrumpft seit mehr als 20 Jahren, ein Ende ist nicht in SichtAusgabe 28 | Mittwoch, 14. Juli 2021

Lebten 2002 noch 56.445 Menschen im Lavanttal, so sind es mit Stand 1. Jänner 2021 nur noch 52.488, was einen Rückgang von rund sieben Prozent bei den Einwohnern des Bezirks Wolfsberg bedeutet. Gemeinden versuchen, Bürger zurück in die Heimat zu holen.

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Lavanttal. Seit 20 Jahren ist die Bevölkerungszahl im Lavanttal im Sinken. Während in der Stadtgemeinde Wolfsberg die Einwohnerzahl nahezu gleichbleibend ist, müssen vor allem periphere Gemeinden ein Abwandern der Bevölkerung hinnehmen. Auch von 2020 auf 2021 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Die Bevölkerung im Bezirk ist um 119 Einwohner geringer geworden – und zwar von 52.607 Einwohnern auf 52.488. 

Weniger Geburten

Der Grund der sinkenden Zahlen im Lavanttal liegt in den rückläufigen Geburten, aber vor allem in den Abwanderungen in die urbanen Räume begründet. Das auffallendste Merkmal dabei ist die hohe Abwanderungsrate bei der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren. Grund dafür könnte sein, dass es nach der Matura viele zum Studieren in Städte wie Graz, Wien oder Klagenfurt verschlägt – und diese Lavanttaler nach Abschluss des Studiums dort hängen bleiben.

Es gibt aber auch Gemeinden im Tal, die im Vorjahr einen Bevölkerungszuwachs verzeichneten. Dazu gehört die Bezirkshauptstadt Wolfsberg, in der es zu einer Zunahme von sechs Einwohnern kam. Die Einwohnerzahl zum 1. Jänner 2021 beträgt nun 25.031 – 2002 lebten noch 25.294 Menschen in Wolfsberg. Ebenfalls über einen Zuwachs freuen können sich die Marktgemeinde Lavamünd (plus eine Person) und die Gemeinde Preitenegg (plus fünf Personen). In allen anderen Gemeinden des Bezirks schrumpften die Bevölkerungszahlen aber weiter.  

Schwer wird es für St. Andrä, in Zukunft wieder über die 10.000-Einwohner-Marke zu kommen. 2018 fiel die Bischofsstadt erstmals unter diese Grenze, seither ist man auf 9.850 Einwohner geschrumpft.

Was die Gemeinden tun

Um sich dieser Bevölkerungsentwicklung entgegen zu stellen, haben sich die Lavanttaler Gemeinden in den vergangenen Jahren immer wieder Strategien überlegt, um Menschen in das Tal zu holen bzw. nach dem Studienabschluss wieder nach Hause zu bringen.

Der Bad St. Leonharder Bürgermeister Dieter Dohr (Liste Dieter Dohr) meint: »Wir sind recht stabil, was die Bevölkerung betrifft. Wir wollen aber natürlich auch der Abwanderung entgegenwirken und daher mehr Baugrund für Jungfamilien schaffen, damit sich diese in Bad St. Leonhard ansiedeln bzw. in der Stadt bleiben. Das Hauptproblem dabei ist, dass es aktuell viele Baugründe gibt, die leider nicht bebaut werden. Das muss mit einer neuen Bauordnung geändert werden.«

Günther Vallant (SPÖ),Bürgermeister von Frantschach-St. Gertraud, erzählt über seine Pläne: »Wichtig ist es, für Familien attraktiv zu sein, zu bleiben und zu werden. Das bedeutet ein adäquates Kinderbetreuungs- und Schulangebot zu haben, was bei uns der Fall ist. Auf allen anderen Ebenen versuchen wir, vom Kleinkind bis zum Senior ein attraktiver Lebensraum für alle Menschen zu sein. Ein wichtiger Faktor ist sicher auch der Ausbau von Glasfaser für schnelles Internet, was wir gerade machen.« Vallant blickt der Zukunft optimistisch entgegen, da er davon ausgeht, dass es langfristig zu einem Wandel in der Gesellschaft kommen werde: Aus Ballungszentren werden viele wieder auf das Land ziehen.

In St. Andrä wird versucht, die Gemeinde als Wohnstandort zu stärken. Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) erklärt: »Eine wichtige Maßnahme war das Baulandmodell Aichelburg, mit dem acht Bauparzellen im Stadtbereich geschaffen wurden. Überhaupt verzeichnen wir im Gemeindegebiet eine rege Bautätigkeit im Bereich von Einfamilienhäusern, wodurch wir etwa 30 Personen als neue Gemeindebürger gewinnen konnten.« Wichtig ist ihr auch, gute Angebote für ältere Menschen zu schaffen, was derzeit mit dem Bau eines zweiten Pflegeheims mit 75 Betten und 20 Plätzen für betreubares Wohnen realisiert wird. Und mit dem Neubau des Kindergartens – der Baustart soll im Herbst sein – konnte laut Knauder der Bildungsstandort gestärkt werden.

// INFO

Bevölkerungsentwicklung
Bezirk Wolfsberg

2020: 52.607, 2021: 52.488, -119

Gemeinden  
Bad St. Leonhard: 

2020: 4.328, 2021:  4.324, -4  
Frantschach-Sankt Gertraud:

2020: 2.556, 2021: 2.516, -40  
Lavamünd:

2020: 2.870, 2021: 2.871, +1  
Preitenegg:
2020: 930, 2021: 935, +5  
Reichenfels:
2020: 1.792, 2021: 1.784, -8  
St. Andrä:
2020: 9.873, 2021: 9.850, -23  
St Georgen:
2020: 1.960, 2021: 1.939, -21  
St. Paul im Lavanttal:
2020: 3.273, 2021: 3.238, -35  
Wolfsberg:
2020: 25.025, 2021: 25.031, +8  

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