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Im Vorjahr feierte er sein 170-jähriges Bestehen, nun steht Männergesangsverein Wolfsberg vor dem Aus Ausgabe 12 | Mittwoch, 22. März 2023

Im vergangenen Sommer gaben die Sänger ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Doch nach dem Rücktritt von Obmann Gosch droht dem Traditionsverein ein jähes Ende. Jetzt richten die Mitglieder einen Aufruf an die Öffentlichkeit: Wer will den MGV übernehmen?

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Wolfsberg. Noch im Vorjahr feierte der MGV Wolfsberg mit einer Vielzahl an Veranstaltungen sein 170-jähriges Bestehen. Doch jetzt steht es schlecht um den Männergesangsverein. 

In einem »Brief an die Öffentlichkeit« (siehe unten) wenden sich die zwölf verbliebenen Sänger mit dem Angebot an sangeswillige Wolfsberger, den Verein weiterzuführen. Denn sie wollen nicht einfach »hinschmeißen«. Sollte sich Nachwuchs finden, bieten sie an, sich aus dem MGV zurückzuziehen, um einer neuen Generation das Feld zu überlassen. Zerschlägt sich diese Hoffnung allerdings, »wird der Verein wohl endgültig zu Grabe getragen«, wie es im Brief heißt, was angesichts seines gesellschaftlichen Werts ein herber Verlust für die Bezirkshauptstadt und das Lavanttal wäre.

»Unsere Mitglieder sind in die Jahre gekommen, viele haben andere Interessen«
Alfred Rothleitner, Obmannstellvertreter des MGV

Wie berichtet, trat bei der Jahresversammlung im Jänner der langjährige Obmann und Ehrenobmann Manfred Gosch, Träger der Wolfsberger Ehrennadel in Gold, von seiner Funktion aus persönlichen Gründen zurück. Gosch damals: »Es war immer mein Ziel, nach dem Vereinsmotto zu handeln und meine Versprechen den Vorgängern gegenüber zu halten. Die haben immer gesagt: ›Manfred, schau, dass der Verein weiter lebt!‹ Das habe ich wohl 57 Jahre gepflegt.« Doch nun möge man ihm ruhigere Zeiten gönnen, sagte er und hoffte auf das Verständnis seiner Sängerfreunde. 

Aufruf zum Weitermachen

Alfred Rothleitner, Chorleiter und stellvertretender Obmann, übernahm das Steuer. Aber in Abstimmung mit den Mitgliedern, darunter dem sehr engagierten Sänger Johann Gritsch, kam er zur Überzeugung, dass es so nicht weitergeht. Rothleitner: »Unsere Mitglieder sind in die Jahre gekommen, viele haben andere Interessen, wollen reisen oder Zeit mit ihren auswärts lebenden Kindern verbringen – auch ich selbst.« Dadurch sei ein geregelter Probenbetrieb aber nicht mehr möglich. Gritsch: »Daher  fordern wir jetzt die Jugend auf, bei uns einzusteigen. Wenn es gewollt wird, ziehen wir uns zurück, denn ich verstehe, dass es für junge Leute nicht reizvoll sein kann, mit Männern im Alter zwischen 70 und 80 Jahren in einem Verein zu sein.«

Rothleitner fügt an: »Wenn es gewollt wird, springen wir aber auch gerne für Veranstaltungen ein, wenn die jungen Leute bei der Arbeit sind, etwa für Begräbnisse.«

Gritsch und der Chorleiter bestehen auch nicht auf rein männlichen Nachfolgern: »Wenn sich eine Gruppe aus jungen Frauen und Männern findet, würden wir ihr den Chor samt unserer mehrbändigen Chronik und den Notenblättern ebenfalls gerne übergeben. Das hat es bereits gegeben, wir waren früher der MGV und Frauenchor Wolfsberg«, sagen die beiden.

Mit allen Tricks

Laut Gritsch kämpft der Verein bereits seit zehn Jahren um sein Weiterbestehen: »Wir haben es mit allen Tricks versucht, haben bei den Proben im Vereinslokal am Hohen Platz bei offener Türe gesungen, damit die Menschen uns hören. Es hat aber nicht gewirkt, es kam kein neues Mitglied.« Rothleitner war der letzte, der einstieg und aktiv mitmacht – seit dem Jahr 2006.   

Im Vorjahr sah es noch ganz anders aus. Anlässlich der Jubiläums »170 Jahre MGV Wolfsberg« wurde ein Veranstaltungsreigen auf die Beine gestellt (wir berichteten), der seinesgleichen suchte. So wurde eine Ausstellung, die die Entwicklung des Vereins nachzeichnete, an sieben Orten am Hohen Platz gezeigt. Die Eröffnung nahm der damalige Obmann Gosch im Wolfsberger Rathaus vor. 

Der zweite Höhepunkt war im Juni das »Festliche Singen und Musizieren« am Hohen Platz. Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Stadtkapelle mit 30 Musikern unter der Stabführung von Markus Schauer. Die Männerchöre marschierten im Gleichschritt vom Vereinslokal zum Festplatz. Dort sangen rund 60 Männer unter der Leitung von Rothleitner und begleitet von der Stadtkapelle. Was in Wolfsberg Rang und Namen besitzt, war dabei. Tags darauf wurde mit dem MGV St. Georgen in der Markuskirche die Jubiläumsmesse von B. Raider aufgeführt.

Damit all das und die weitere lange Geschichte des MGV nicht in Vergessenheit gerät, können sich Interessenten bei Alfred Rothleitner unter der Nummer 0664/1443234 melden.

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