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Alle Anadi-Niederlassungen werden übernommen: Wieder Sorge um Zukunft der Wolfsberger FilialeAusgabe 1 | Mittwoch, 3. Januar 2024

Die Bank Burgenland übernimmt die zehn Filialen der Anadi-Bank – und damit auch die Zweigstelle in Wolfsberg. Nun werden wieder Sorgen wach, wie es weitergeht. Die Unterkärntner Nachrichten fragten nach: Derzeit sei keine Änderung bei den Standorten geplant.

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Wolfsberg. Die Übernahme der Filialen durch die Bank Burgenland ist beschlossene Sache. Ob die Niederlassung der Anadi Bank in Wolfsberg aber auch weiterhin betrieben wird – und wenn ja, wie lange – steht auf einem anderen Blatt. Das heißt nicht, dass die Zweigstelle in der Herrengasse geschlossen wird. Eine Bestandsgarantie liegt aber nicht vor.

Fest steht: Die Bank Burgenland, Teil der Bankengruppe der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe), hat mit der Anadi Bank eine Vereinbarung über die Übernahme des Filialgeschäfts sowie eines ausgewählten Kreditportfolios in Kärnten abgeschlossen. Das bedeutet, die Bank Burgenland übernimmt alle zehn Filialen der Anadi Bank – also auch jene in Wolfsberg – mit fast 70 Mitarbeitern, rund 42.000 Privatkunden, etwa 250 kleinen und mittleren Unternehmen sowie knapp 1,7 Milliarden Euro Kundengeschäftsvolumen. Das Eigenkapital, die Banklizenz, rund 15.000 Kunden, 160 weitere Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von rund 1,5 Milliarden Euro bleiben bei der Anadi Bank. 

Angestrebt wird nun laut einer Mitteilung der Grawe Bankengruppe »die Abspaltung eines Teilbetriebs von der Anadi Bank in die Bank Burgenland, die mit dieser Transaktion ihre Kundenanzahl im Retail-Segment (Anm.: Kredit- und Einlagengeschäft der privaten Kundschaft) nahezu verdoppelt«. Die Übernahme soll im September in Kraft treten, »nach Vorliegen von vereinbarten Bedingungen, darunter die Zustimmung der Österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA«, so die Grawe.

Anadi teilte mit: »Vorerst ändert sich für die Kunden der Anadi Bank nichts, alle Bankgeschäfte laufen unverändert weiter, ebenso bleiben die Ansprechpartner für die Kunden bestehen.« Gerade dieser Aspekt sei für beide Transaktionspartner von großer Bedeutung gewesen. Die Anadi Bank werde ihre Kunden in allen Geschäftsbereichen sowie die Öffentlichkeit rechtzeitig über alle Umstellungsschritte informieren, wobei beide Seiten einen besonders kundenfreundlichen Prozess gewährleisten werden.

Derzeit keine Änderung geplant

Die Unterkärntner Nachrichten fragten bei der Anadi Bank und der Bank Burgenland nach, wie es mit der Wolfsberger Niederlassung weitergeht. Aus der Anadi Bank wurde mitgeteilt: »Die Grawe Bankengruppe übernimmt das Filialnetz wie es ist, einschließlich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit ist keine Änderung bei den Standorten geplant.« Gleiches schreibt der künftige Eigentümer: »Die Grawe Bankengruppe übernimmt das Filialnetz der Anadi Bank in Kärnten, inklusive Mitarbeiter, nach Vorliegen der dafür notwendigen behördlichen Genehmigungen, voraussichtlich im September 2024. Derzeit ist keine Änderung bei den übernommenen Standorten geplant. Wir haben das Filialgeschäft der Anadi Bank in Kärnten erworben, um es erfolgreich weiter zu entwickeln.« 

Wie berichtet hatte Anadi im Sommer 2022 mitgeteilt, sie wolle sich zur reinen Digitalbank wandeln und werde sich von ihren Filialen trennen. Darauf fragte sich mancher Kunde: »Was wird jetzt mit meinem angesparten Geld?« oder »Was mache ich, wenn es in Wolfsberg keine Filiale mehr gibt?« Im Juni 2022 beruhigte Anadi-Vorstandsvorsitzender Christian Kubitschek im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten: »Die Filialen werden keineswegs geschlossen, sie werden verkauft. Und weshalb sollte sie der Käufer, der viel Geld dafür bezahlen wird, danach zusperren?« Kunden, deren Geld bei Anadi liegt oder die einen Kredit laufen haben, müssten nicht beunruhigt sein. »Die Gesichter ihrer Berater werden sich auch nach dem Verkauf nicht ändern, rechtlich ändert sich ebenfalls nichts. Die Verträge gehen auf den Erwerber über, Geldeinlagen und Kredite bleiben gleich«, so Kubitschek vor anderthalb Jahren.

Der Vorstandsvorsitzende sagte aber auch, Anadi beabsichtige nicht, vom neuen Besitzer eine Bestandsgarantie für alle zehn Kärntner Filialen zu verlangen. Kubitschek: »Das kann man rechtlich nicht einfordern. Aber das Sterben von Bankfilialen nimmt ab, für bestimmte Geschäfte, etwa Hypotheken, werden Standorte einfach benötigt. Der Käufer wird mit den Kunden auch die Mietverträge unserer Filialen übernehmen. Sollten die danach geschlossen werden, würden auch die Kunden weg sein. Man zahlt aber nicht viel Geld, um alles zu zerschlagen.« 

Die Wolfsberger Filiale – das Gebäude wurde wie berichtet 2020 von der Bank an die Gutsche Technik GmbH verkauft – hat einen Mietvertrag bis 2025  samt zweijähriger Verlängerungsoption.

Zur Grawe Bankengruppe gehören neben der Bank Burgenland als Spitzeninstitut – sie wurde 2006 erworben – auch die Privatbank Schelhammer Capital, die GBG Service GmbH, BB Leasing, BK Immo, Security KAG sowie die beiden Marken von Schelhammer Capital, DADAT Bank und »die Plattform«. Die Bankengruppe, die rund 2,1 Millionen Kunden besitzt, steht zu 100 Prozent im Eigentum der Grazer Wechselseitigen Versicherung mit Sitz in Graz. 

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